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Von Weihnachtsmännern und Werbekampagnen

Morgen kommt der Weihnachtsmann, kommt mit seinen Gaben

… nein, das tut er nicht. Zumindest nicht morgen. Und überhaupt, wer bitte ist der Weihnachtsmann? Heißt der nicht Nikolaus? Nein, der Nikolaus kommt am 6. Dezember, der Weihnachtsmann erst am 24.! Am 24? Aber kommt da nicht schon das Christkind? Die Verwirrung ist perfekt. Weihnachtsmann, Nikolaus, Christkind – wer sind die drei weihnachtlichen Gestalten eigentlich und was haben sie miteinander zu tun? Wer von ihnen fährt auf dem Schlitten, wer von ihnen verteilt die Geschenke? Wer kommt durch den Kamin und wer legt die Geschenke unter den Baum? Betreiben sie am Ende vielleicht sogar job sharing?

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Fangen wir doch ganz von vorne an. Das Urgestein unter den dreien ist ganz klar der Nikolaus, um den sich eine Vielzahl heiliger Legenden drehen. Real existiert hat er nicht, historische Vorbilder für den Schutzpatron gibt es jedoch sogar zwei.
So geht man davon aus, dass Bischof Nikolaus von Myra (4. Jahrhundert), sowie Bischof Nikolaus von Pinora (5. Jahrhundert) beide als Vorbild für die Heiligengestalt gedient hatten. Um die erste Jahrtausendwende wurde der Nikolaus im griechischen Osten verehrt, einige Zeit später im westlichen Europa. Der Brauch des nächtlichen Stiefelfüllens am 6. Dezember entwickelte sich jedoch erst im Mittelalter.Nun zur einzigen Frau im Bunde. Und an dieser Stelle muss erwähnt werden, dass das Geschlecht dieser weihnachtlichen Figur noch immer höchst umstritten ist. Im Grunde geht die Gestalt des Christkinds auf Martin Luther zurück. Weil die Protestanten sich geweigert hatten katholische Heilige zu akzeptieren, gab Luther ihnen um 1535 das heilige „Christkind“. Nahe liegt, dass der Begriff auf den neugeborenen Jesus zurückgeht. Warum das Christkind trotz allem als engelsgleiches Mädchen verkörpert wird bleibt ungeklärt. Um 1900 wurde das Christkind schließlich auch in katholischen Kreisen populär und bringt noch heute in vielen Familien die Geschenke. Bekannt ist der Begriff auch im Zusammenhang mit dem berühmten Nürnberger Christkindlmarkt, der seit vielen Jahrhunderten in den Wochen vor Weihnachten stattfindet.
Der Siegeszug des Weihnachtsmanns ließ lange auf sich warten. Erst im 19. Jahrhundert wurde der Mann mit dem roten Mantel, eine Anlehnung an das Bischofsgewand, bekannt. Holländische Emigranten brachten „Sinterklaas“ in die neue Welt, schnell wurde daraus „Santa Claus“. Der Karikaturist Thomas Nast veröffentlichte während des Bürgerkrieges in der Zeitschrift Harper’s Weekly Darstellungen eines alten Mannes mit Rauschebart, der gemütlich Pfeife raucht und viele Geschenke unter dem Arm trägt.

1931 verpasste die Firma Coca Cola, im Rahmen einer Werbekampagne, Nasts Schwarz-Weiß Bild die Firmenfarben rot und weiß und sah sich von diesem Moment an als Schöpfer des modernen Weihnachtsmannes. So wird das typische Aussehen des Weihnachtsmannes fälschlicherweise oft Coca Cola zugeschrieben. Gerne wird dabei jedoch übersehen, dass die New York Times schon vier Jahre zuvor konkrete Aussagen über Santas Optik gemacht hatte: „Ein standardisierter Santa Claus erscheint den New Yorker Kindern. Größe, Gewicht, Statur sind ebenso vereinheitlicht wie das rote Gewand, die Mütze und der weiße Bart.“

Nichtsdestotrotz hat der Konzern zur weltweiten Verbreitung des rot-weißen Weihnachtsmannes einen entscheidenden Beitrag geleistet. Noch heute zählen die Weihnachtsspots der Coca Cola Company zu den beliebtesten der Saison. Die beleuchteten Trucker aus der Werbung ziehen inzwischen sogar von Stadt zu Stadt und lassen sich fotografieren und bewundern. Doch was wären all die Trucker ohne den freundlich lächelnden Bärtigen mit der Colaflasche in der Hand!Es gibt sie also alle drei. Und jeder hat seine eigene Geschichte. Welcher der drei nun die Geschenke bringt ist eigentlich auch egal, denn sie haben ja eines gemeinsam. Ein gleiches Ziel. Die Kinder dieser Welt glücklich zu machen.
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