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Von der Geldnot zur Lust

Kinoecke: Die bayerische Komödie „Eine ganz heiße Nummer“

„Kalender Girls“ trifft „Wer früher stirbt ist länger tot“. „Eine ganz heiße Nummer“ ist eine äußerst gelungene bayrische Komödie über Dorftratsch, Wirtschaftskrise, Kirche und vor allem Sex am Telefon. back view hat den Film schon vor dem offiziellen Kinostart gesehen.


Wer versucht, den Inhalt abgelaufener Konservendosen aus Holland als „frische Erbsen aus der Region“ zu verkaufen, muss sich nicht wundern, wenn der Laden nicht läuft. Doch genau das ist bei Maria, Lena und Waltraud der Fall: Ihr Tante-Emma-Laden in einem winzigen bayerischen Dorf steht vor der Pleite. Die anderen Dorfbewohner fahren lieber in die nächste Stadt, um beim Aldi einzukaufen, und dann fordert die Bank auch noch ihren Kredit zurück. Was tun? Woher das Geld nehmen?

Maria deckt schließlich eine riesige Marktlücke auf: Gutbayerischer Telefonsex. Nach reichlicher Diskussion lassen sich ihre Kolleginnen darauf ein und bald gibt es unter der „ganz heißen Nummer“ das „Allerbeste aus unserer Heimat – bayerisch rustikal direkt!“. Maria wird am Telefon zu „Maya, wie die Biene, nur viel heißer“, das süße Landei Lena verwandelt sich in die heiße Lolita und die rustikale und leicht angegraute Waltraud nennt sich Sarah – auf Kundenwunsch auch mit französischem Akzent.

Das heiße Geschäft läuft super – bis die Oberzicke des Dorfes und Frau des Bürgermeisters Lunte riecht: Wieso können sich plötzlich die drei Damen große Eisbecher und Champagner leisten, wo doch niemand in ihrem Tante-Emma- Laden einkauft? Sie spürt den Neureichen nach – ein Skandal im Dorf scheint unabwendbar.

Was sich platt anhört, ist dank der spielfreudigen Schauspielerinnen und des unschlagbaren bayerischen Dialekts zum Totlachen. Der Kulturenclash zwischen Sexhotline und Dirndl-Dorftraditionen bietet reichlich Anlass für Situationskomik.

Herrlich sind auch die Randfiguren: Der etwas einfältige Sohn der Bürgermeisterin, der mit seinem neuen Fotohandy herumstolziert und alles und jeden dokumentiert; der Pfarrer, der gern mal Spenden in der eigenen Tasche verschwinden lässt und predigt: „Der Herrgott sieht alles!“; oder Marias alter Vater, den sie mit Playboy-Heften im Bett ertappt. Anfangs zieht sie ihm die Hefte noch empört weg, später liest sie sie selbst aufmerksam durch, wer weiß, vielleicht findet sich die ein oder andere Inspiration?

Fazit: Eine gelungene locker-leichte Komödie, die liebevoll ländliche Stereotypen durch den Kakao zieht. Ein absolutes Plus ist der bayerische Dialekt, der (zumindest bei Norddeutschen) schon allein für Lacher sorgt. Besonders anspruchsvoll ist die Komödie nicht, aber für einen lustigen Abend perfekt!

Bewertung: 4 von 5 Sternen

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„Eine ganz heiße Nummer“ startet am 27. Oktober in den (süd-)deutschen Kinos.
Trailer: http://www.eineganzheissenummer.de/

(Text: Anna Franz / Zeichnung: Christina Koormann)

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Über den Autor

Anna Franz
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