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Vielfalt oder Telenovela-Rock?

CD-Rezension: „Carousel“ von Luxuslärm
Das dritte Album der Band Luxuslärm mit dem Titel „Carousel“ ist heiter und abwechslungsreich wie eine Karussellfahrt. Von Balladen über coole Beats mit den Jungs von Culcha Candela ist alles dabei. Aber dreht es sich musikalisch vielleicht auch mittlerweile (wie ein Karusell es tut) nur noch im Kreis?


Nach ihrem Debütalbum „1000 Kilometer bis zum Meer“ (2008) und „So laut ich kann“ (2010) folgt mit „Carousel“ das nun bereits dritte Album der deutschen Rockband Luxuslärm um Frontfrau Jini Meyer.

lux teaser„Carousel“ haftet jedoch nicht der durchgängig rockig-fetzige Charakter des ersten Albums an, sondern es beeindruckt mit einer Vielfalt an Einflüssen, die sich in den Songs niederschlagen. Die gewohnte Leichtigkeit der Band kombiniert mit der charismatischen Stimme der Sängerin und den gesellschaftskritischen Zeilen des Songs „Mehr Gewicht“, zu dem Culcha Candela einen Rap beisteuern, verhelfen dem Album zu einem erfrischenden Bruch. Die Offenheit und Ehrlichkeit mit der Luxuslärm den Magerwahn der Gesellschaft angreift ist bewundernswert und lässt sich bei anderen deutschsprachigen Bands vermissen.

Ein weiteres Highlight des Tonträgers ist die Ballade „Weil man es Liebe nennt“, die mit nachdenklichem Text zum Augen schließen und Träumen einlädt. Die Chöre im Refrain untermalen die starke Stimme Jini Meyers und geben dem Song eine sehr kraftvolle Tonalität.  Doch neben ruhigen Songs wie „An Dich“ und „Irgendwo Da Draußen“, die an manchen Stellen den sonstigen Tiefgang vermissen lassen, liefert „Carousel“ auch wieder durchdringende Rocknummern wie „Liebt Sie Dich Wie Ich?“.

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Die erste Single-Auskopplung „Atemlos“ geht nach vorne und beeindruckt wieder mit gelungenem Songwriting, kann es aber bei weitem nicht mit „1000 km bis zum Meer“ aufnehmen. Dafür spiegelt sich in „Der beste Tag meines Lebens“ erneut der Optimismus und ein Wunsch nach Freiheit wieder.

„Aus dem Sinn“ ist eine weitere Überraschung, die förmlich zum Tanzen aufruft. Das Rezept für den mitreißenden Hit: ein cooles Bassriff, eine funky Gitarre und wieder einmal die Stimmgewalt von Jini Meyer, die „Aus dem Sinn“ zum absoluten Hörerlebnis mit Ohrwurmcharakter machen.

Im Allgemeinen sind alle Lieder des Albums spielbarer Radio-Pop, der sich durchaus im Soundtrack einer Telenovela wiederfinden lassen wird. Man vermisst beim Hören jedoch die eigene Note der Band und eine musikalische Entwicklung. Mit „Carousel“ ist mit Sicherheit ein weiterer Schritt in Richtung der großen Musikerriege Deutschlands getan, wobei das Album an manchen Stellen Originalität vermissen lässt.

Veröffentlichung: 16.09.11

Interview vom 8. Dezember 2009 mit back view: „Luxus für die Ohren

(Text: Catrin Vogt, Ronja Heintzsch / Fotos: MCS Berlin)
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Über den Autor

Ronja Heintzsch
Ressortleiterin Kultur

Konstruktive Kritik in bitterscharfen Kommentaren üben, die Welt bereisen, auf aktuelle Problematiken hinweisen - all dies sind Gründe, aus denen Ronja beschloss, sich dem Metier Journalismus zu verpflichten. Schließlich gibt es noch einige unaufgedeckte Watergate-Affären in dieser Welt.

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