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USA möchten Einfluss auf Afrika stärken

Ein Blick auf den Stand der Dinge

Die Stuttgarter Zeitung meldet in ihrem Lokalteil vom 27.11.07, dass die US-Armee in Möhringen, einem Stadtteil von Stuttgart mit knapp 30.000 Einwohnern, ihr „Afrika-Hauptquartier“ aufbauen möchte. Hierzu soll die bereits existierende US-Kaserne „Kelley Barracks“ genutzt werden.

Der Begriff „Afrika-Hauptquartier“ beschreibt das Einsatzführungskommando für Afrika, welches nach US-Angaben für die militärischen Beziehungen zu 53 Staaten in Afrika verantwortlich sein soll. Derartige Kommandos gibt es bereits für den nord- und südamerikanischen Raum, für Europa, für den pazifischen Raum und für den Nahen Osten und Zentralasien (Zentralkommando).
Der afrikanische Raum wurde bislang zu je knapp einem Drittel von dem Europa-, dem Zentral- und dem Pazifik-Kommando abgedeckt. Das neue Kommando soll afrikanische Staaten unterstützen, die Sicherheitslage verbessern oder dabei helfen, effektiv auf Krisen zu reagieren. Dies wird mit der wachsenden Wichtigkeit Afrikas in „militärischen, strategischen und ökonomischen […] Angelegenheiten“ begründet.

Seit dem ersten Oktober diesen Jahres steht das „Afrika-Hauptquartier“ als vorläufiges Kommando. Es ist in seiner Aufbauphase dem Europa-Kommando untergeordnet und berichtspflichtig. Das „Europa-Hauptquartier“ des Pentagons liegt wenige Kilometer von Möhringen entfernt in Stuttgart-Vaihingen. Bis spätestens Oktober 2008 soll die Aufbauphase abgeschlossen sein und wird bis dahin im Steuerjahr 2008, welches von Oktober 2007 bis September 2008 geht, mit 75,5 Millionen US-Dollar budgetiert.

Nachzulesen ist dies auf www.africom.mil, wo übrigens ausdrücklich bestritten wird, dass die Einführung dieses Einsatzführungskommandos eine Antwort auf die momentanen Vorgänge in Somalia und Darfur sind. Es wird weiterhin bestritten, dass es um den Zugang zu Erdöl-Ressourcen, beziehungsweise darum geht, ein Gegenwicht, zu chinesischen Anstrengungen, Möglichkeiten zur Energieversorgung im Raum Afrika zu bilden. Das Ziel sei vielmehr, effektive Wege zu finden, die Sicherheitslage auf dem Kontinent zu verbessern.

Das Kommando für Afrika soll nicht, wie zum Beispiel das Kommando für den Nahen Osten und Zentralasien, das Bewegen großer Truppenteile der US-Armee bedeuten. Es soll vielmehr aus militärischem und zivilem Personal zusammengesetzt werden, welches zum einen vom Verteidigungsministerium und zum anderen vom Entwicklungsministerium gestellt wird. Der Kommandeur wird allerdings ein Militär, der afroamerikanische William E. Ward. Er verfügt bereits über Erfahrung in Afrika, da er -neben vielen anderen Verwendungen- bereits in Somalia und Ägypten eingesetzt wurde.

Die Einzigartigkeit der zivil-militärischen Struktur dieses Kommandos betrachtet die Bush-Regierung als Beweis für die Gutartigkeit ihres Unternehmens. Nach Angaben von Theresa Whelan, einer hochrangigen Mitarbeiterin der US-Verteidigungsministeriums für „Afrika-Angelegenheiten“, sei die Angst, dass die Afrika-Politik der Vereinigten Staaten militarisiert würde, vollkommen unbegründet. Dies allerdings wird von Daniel Volman, dem Direktor des „African Security Research Project“ in einem Artikel auf www.pambazuka.org angezweifelt.

Er glaubt zwar auch, dass es im Interesse der US-Regierung läge, beispielsweise die afrikanische Aids-Epidemie zu bekämpfen, friedenserhaltende Maßnahmen zu treffen oder humanitäre Katastrophen zu verhindern. Dies sei allerdings nur ein untergeordneter Teil des Interesses. Es sei wohl eher Ziel, Stellvertreter zu finden, die im Interesse des US-Verteidigungsministeriums Politik machen können.

Daniel Volman meint, dass diese Stellvertreterländer vorzugsweise solche mit Öl- oder Erdgasreserven sein sollten. Weiterhin hätten einflussreiche „Think-Tanks“ vor den wachsenden Anstrengungen Chinas gewarnt, sich Zugang zu afrikanischen Energiereserven zu schaffen, welche US-amerikanische Interessen gefährdeten. Nach Meinung von Volman könnte es somit Ziel Washingtons sein, ein deutliches Zeichen an Peking zu richten, dass es ein Gegenstück zu chinesischen Aktionen setzt.

(Text: Martin Böcker)
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