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Über Sozialdienst, Schleierverbot und Abitur

Ressortrückblick Gesellschaft 2011

Treffender als das Time Magazine es mit seinem letzten Heft des Jahres  – Person of the Year „The Protester“ – illustriert hat, kann man das Jahr 2011 kaum beschreiben. 2011 war das Jahr der Unruhen, der Katastrophen, der Revolten, der Gewalt und der Freiheit. 2011 war ein politisches Jahr. Ein Jahr in dem sich zum ersten Mal die Macht des Internets manifestierte.

Ob soziale Netzwerke oder Videoplattformen den arabischen Frühling ausgelöst bzw. ob die Demonstrationen gegen die autoritären Regime in Nahost ohne sie überhaupt möglich gewesen wären, bleibt dahingestellt. Dass sie eine, nicht unkritisch zu betrachtende, wichtige Rolle in der Berichterstattung einnehmen, ist aber unbestreitbar. Benjamin Eichler hat sich mit Presseberichterstattung – mit der „Macht der Bilder“ -beschäftigt und sich mit der Kontroverse um schockierende Bilder auseinandergesetzt.

Auch 2011 haben sich Printmedien nicht aus dem Sumpf aus Anzeigenkundenverlust und Belanglosigkeit auf dem Markt herauswuchten können. Die finanziellen Verluste werden größtenteils auf junge Journalisten abgewälzt. In der Praxis heißt das: Lange Arbeitszeiten, wenig Geld und schlechte Sozialversorgung. Aus diesem Grund hat Daniel Stahl einen offenen Brief an die Zeitungsverleger geschriebenKonrad Welzel hat mit ihm darüber gesprochen.

Neben der klassischen Presse haben „whistleblowern“ wie Wikileaks eine neue außerpolitische Opposition gebildet. Daneben haben soziale Netzwerke in Deutschland immer mehr an Bedeutung gewonnen. Über 70 Prozent der Deutschen über 15 Jahren haben einen Facebookaccount. Doch wie wichtig ist dieser soziale Aspekt des Internets. Miriam Keilbach kommentierte im April wie wichtig ihr ihre „429 Hilfsarbeiter“ sind. Lisa Büßler hingegen machte sich Gedanken, ob es überhaupt eine „Generation Facebook“ gibt.

In Deutschland hat sich im Bereich der Onlinevideoplattformen im Jahr 2011 ein neues Bild in die Sehgewohnheiten der User eingebrannt: „Dieses Video ist in Deutschland leider nicht verfügbar, da es möglicherweise Musik enthält, für die die erforderlichen Musikrechte von der GEMA nicht eingeräumt wurden.“

Die Diskussion über Urheberechte und Content im Internet hat einen neuen Zenit erreicht. Eine Lösung über die Gewinnverteilung ist bislang nicht in Sicht. Somit hat sich Regina G. Gruse mit einem altbewährten Bezahlsystem – dem der Öffentlich-Rechtlichen Fernsehanstalten – beschäftigt und ist zu dem Entschluss gekommen: „Natürlich zahl‘ ich“.

Eine der bisher erfolgreichsten Format im Privatfernsehen hingegen ist die Castingshow „Germany’s next Topmodel“. Unsere Autorin Julia Jung hat den Schritt gewagt und sich zum Topmodel-Casting getraut.

Der große innenpolitische Moment für Deutschland war der Rücktritt des Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg. Nachdem aufgedeckt wurde, dass seine Promotion zu erheblichen Teilen abgeschrieben worden war, legte er Anfang März 2011 alle seine politischen Ämter nieder. Miriam Keilbach schrieb für uns „Vom Abgang eines Helden, der noch immer einer ist“.

Sein Nachfolger im Amt ist Thomas de Maizière. Er führt die von zu Guttenberg angestoßene Umstrukturierung der Bundeswehr fort. Am 15. Dezember war endgültig Schluss mit dem Ersatzdienst für Kriegsdienstverweigerer in Bayern. Einer der bundesweit letzten Zivildienstleistenden hat seinen Dienst beendet. Über einen Zivildienst der Zukunft machte sich Martina Gewehr bereits im Januar Gedanken. Für Regina G. Gruse stellte sich mit dem Aussetzen der Wehrpflicht die Frage nach der Arbeitsverteilung im sozialen Sektor.

Thilo Sarrazin hatte bereits 2010 mit seinem Buch „Deutschland schafft sich ab“ eine kontroverse Diskussion über Muslime in Deutschland angeheizt. In Frankreich dagegen trat im April 2011 ein Gesetz in Kraft, das Frauen verbietet in der Öffentlichkeit einen sogenannten Vollschleier, also eine Burka oder Nikab zu tragen. Anna Franz erklärte hierzu die verschiedenen Positionen und warf einen näheren Blick auf das Schleierverbot in Frankreich.

Neben politischen hatte das Jahr 2011 auch große sportliche Ereignisse zu bieten. Im Juni und Juli war die Welt wieder zu Gast bei Freunden. Die Frauenfußballweltmeisterschaft wurde in Deutschland ausgetragen. Ein weiteres Großereignis aber, ging 2011 in die Entscheidungsphase. Die Städte München und Garmisch-Partenkirchen hatten sich für die Austragung der Olympischen Spiele 2018 beworben.

Schlussendlich entschloss sich das IOC, auch wegen schlechter Kommunikation mit der Bevölkerung, Nachhaltigkeit und des öffentlichen Protests in Garmisch-Partenkirchen, gegen München als Austragungsort und vergab die Spiele an die Südkoreanische Stadt Pyeongchang. Im Rahmen des Titelthemas über die Olympischen Spiele, hat Lea Kramer eine Bildstrecke mit Eindrücken zum Olympischen Dorf in München zusammengestellt, das für die Sommerspiele von 1972 großflächig angelegt wurde.

München kennt sich mit Großereignissen aus. Das ist klar. Lea Kramer hat sich auf dem größten Volksfest der Welt umgesehen und ein wiederkehrendes Muster entdeckt. Die Wiesntypen sind eben immer dieselben.
G20, G12, G8 – wer blickt da noch durch? Unsere Autorin Miriam Gräf schon. Denn es gab auch erfreuliche Ereignisse 2011. In diesem Jahr hat sie uns an einem spannenden Abschnitt in ihrem Leben teilhaben lassen: Sie hat ihr Abi gemacht.  (Teil II / Teil III / Teil IV)

(Text: Lea Kramer)

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Über den Autor

Lea Kramer
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