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Über die Hasskommentare zu Flüchtlingen

Leserbrief zu den Reaktionen auf unser Titelthema

Unser Titelthema „Flüchtlinge rein!“ vom August ist so umstritten wie kein anderes. 76 Kommentare gab es bisher – manche extrem positiv – manche extrem negativ. Eine unserer Leserinnen hat das extrem genervt. Deshalb hat sie uns eine Art Leserbrief geschickt, in dem sie all die Kommentare kommentiert.

Hallo ihr da draußen!

Ich bin Bianca und ich bin 18 Jahre alt.
Ich möchte euch gern etwas zuerst über mich erzählen, damit ihr meine Ansicht verstehen könnt.

Ich gehe auf ein sozialwissenschaftliches Gymnasium und beschäftige mich viel mit Themen wie Toleranz bzw. Intoleranz. Bei mir in der Klasse wird immer mehr über das Thema “Flüchtlinge” gesprochen. Natürlicherweise sind wir alle unterschiedlicher Meinung. Was ich jedoch erschreckend finde, ist, dass manche so Sätze raushauen wie ” Diese blöden Flüchtlinge, da muss man aufpassen, wenn man alleine rumläuft, da man sonst vergewaltigt wird.” oder “Deutschland sollte auch die Grenzen schließen und alle Flüchtlinge rausschmeißen”.

Jedes Mal, wenn ich solche Sätze höre, weiß ich nicht, wie ich mich verhalten soll. Soll ich Verständnis zeigen, da ich merke, dass sie einfach Angst haben und die ganze Situation sie verunsichert? Soll ich ihnen sagen, dass nicht jeder Flüchtling ein Vergewaltiger ist und es genauso deutsche Männer gibt, die Mädchen wider ihrem Willen anfassen ? Alle denken immer, dass Flüchtlinge so anders seien, als wir. Doch das sind sie nicht! Wer von uns will denn nicht in Sicherheit leben und träumt davon, einen Job zu haben, um seine Familie bzw. zukünftige Familie ernähren zu können? Ich bestreite nicht, dass es Ausnahmen gibt, jedoch bleiben sie lediglich Ausnahmen.

Kommentar Flüchtlinge

Stellt euch mal vor, ihr würdet in einem Gebiet wohnen, in dem Krieg ist, ihr keinen Job habt, es politische oder wirtschaftliche Probleme gibt und ihr verzweifelt und findet keinen Ausweg mehr. Würdet ihr euch denn nicht auch wünschen, irgendwo hingehen zu können, um ein neues Leben starten zu können. Wie in einem Buch ein neues Kapitel anfängt und sich alles ändern könnte? Zudem kommt es dazu, dass den Flüchtlingen in ihren Heimatländern Märchen erzählt werden. Sie bekommen zu hören, dass sie in Deutschland eine Zukunft haben; dass sie ein Haus, sowie einen Job bekommen und friedlich leben können. Natürlich kommen sie dann mit vielen Erwartungen nach Deutschland. Natürlich stellen sie fest, dass dies nicht so ist. Natürlich führt dies zu Eskalationen. Sie sind verzweifelt, sie haben keinen Job, können nicht zur Schule gehen, haben teilweise nicht ihre Familienmitglieder bei sich, können die Sprache nicht. Dort muss natürlich was geändert werden.

Viele Unternehmen wie das DRK oder die AWO kümmern sich um diese Menschen. Sie geben ihnen Sprachkurse, erledigen mit ihnen Papierkram und versuchen sie einzugliedern in unsere Gesellschaft. Mich regt es dann natürlich auf, wenn ich dann in den Nachrichten höre, wie erneut Flüchtlingsheime in Brand gesteckt werden und das nur, weil manche sie nicht dahaben wollen?! Das ist unmenschlich und egoistisch und gleichzeitig tun mir diese Menschen Leid, da ich durch diese Aktionen eine Hilfeschrei höre, da sie, glaube ich zumindest, einfach Angst haben vor der Zukunft. Angst davor, ob sie später mal einen Job bekommen etc. Sie haben Angst, zu kurz zu kommen.

Ich persönlich teile nicht diese Angst, versuche aber hiermit die Leute anzusprechen, die nicht nachvollziehen können, dass manche Menschen sich vielleicht aufgrund von diese Angst gegen Flüchtlinge äußern oder vielleicht durch Gruppenzwang so handeln oder das Gruppendenken übernehmen und dies nicht hinterfragen. Hier muss einfach viel mehr gemacht werden, wie beispielsweise in Schulen, auf Infoveranstaltungen etc. In meiner Klasse wird sehr viel diskutiert. Auch wird oft im Unterricht darüber diskutiert, wo uns die Lehrer aufmerksam auf manche Argumente machen können.

Leider fehlen manchmal so die entscheidenden Fakten, damit man besser seine Meinung vertreten kann. Hier ist jedoch zu sagen, dass dies leider auch nicht möglich ist, ständig im Internet zu recherchieren, da wir im Frühjahr unser Abitur schreiben. Ich bekomme jedoch mit, dass an vielen Schulen sowas leider nicht gemacht wird. Doch genau das ist wichtig ! Aufgrund dieser vielen Diskussionen verfasse ich hier auch gerade diesen Text! Ich bekomme alle Meinungen, Ängste und Vorurteile mit und versuche mit diesem Text, alle, egal ob pro oder contra Flüchtlinge, anzuregen, das Ganze auch mal aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Meine Klasse spaltet sich immer mehr aufgrund dieser Diskussionen. Ja, die meisten aus meiner Klasse machen dies nicht und deshalb spaltet sich die Klasse. Dies ist jedoch nicht so tragisch, da ja eh jeder seine Freunde hat und denen aus dem Weg geht, mit denen er nicht klarkommt. Doch alle Einwohner in Deutschland können sich nicht so spalten. Wo soll das hinführen? Wieder eine Mauer? Ein Krieg in Deutschland? Wollt ihr das wirklich? Vielleicht ist das auch alles zu extrem gedacht, doch wer sagt uns, dass das nicht einmal passieren wird?

wir müssen einfach versuchen, die Meinung von Anderen zu akzeptieren. Niemand sagt, dass ihr denken müsst wie andere und jeder Flüchtlingen helfen muss. Das ist jedem selbst überlassen. Schön wäre es natürlich!

Es gibt kein Falsch und kein Richtig. Die Antwort liegt vielleicht zwischen pro und contra, wer weiß das schon so genau?
Wichtig ist, dass wir uns gegenseitig unterstützen und helfen, wie wir es uns wünschen würden, wenn wir Hilfe bräuchten.

Vielleicht könnt ihr euch ja jetzt erstmal zurücklehnen und das alles auf euch wirken lassen, was ich geschrieben habe. Natürlich könnt ihr mir auch gerne eure Meinung zu meinem Text schreiben.

Eine frohe, ruhige Weihnachtszeit euch da draußen!
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