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Thank god, I’m a woman!

Über den Platz von MĂ€nnern in der weiblichen Gesellschaft

„Thank god, I’m a woman!“ – Schon eine große Modekette wusste, von dieser Wahrheit und warb mit dem Slogan, den eigentlich alle Frauen bestĂ€tigen können. Eine Frau zu sein, hat nĂ€mlich durchaus seine Vorteile. Abgesehen von der Tatsache, dass uns die TĂŒren aufgehalten werden (sollen), dĂŒrfen wir auch völlig ungeniert Unmengen an Klamotten besitzen und genauso unbefangen hemmungslos shoppen gehen.

Aber auch das ‘Mann sein‘ hat seine Vorteile. Denn gehen wir einmal davon aus, dass er die richtige Partnerin hat, kann er sogar im Alltag seine Muskeln stĂ€hlen und sich das Fitnessstudio sparen: ‘Frau‘ muss nicht selbst die TĂŒten (und wer auf den Schminkspiegel verzichten kann, auch die Handtasche) tragen und der Partner tut was fĂŒr die Gesundheit! Gut, wenn wir bei entsprechender guter Laune sind, lassen wir unseren Freund, Ehemann oder LebensabschnittsgefĂ€hrten nicht unbedingt unter der Last von zig EinkaufstĂŒten und zusammenbrechen, schließlich hat er ja auch gezahlt. Aber das sollte doch bei entsprechendem Training kein Problem sein.

Wir können feiern, so viel es uns beliebt und trinken, ohne als alkoholabhĂ€ngig zu gelten. Sogar mit unseren Geschlechtsgenossinnen tanzen wir, ohne fĂŒr schwul – pardon in diesem Falle eher lesbisch – gesehen zu werden. Selbst wenn wir uns tuntig benehmen – es nimmt uns eh keiner ab. Gut, wenn der stĂ€rkste Kerl mal seine weibliche Seite zeigt, so verliert keiner ein böses Wort ĂŒber ihn, aber schon so manche Übertreibung hat zu GerĂŒchten gefĂŒhrt, die man nicht mehr so leicht abschĂŒtteln kann.

Auch morgens haben wir im Bad einen entscheidenden Vorteil gegenĂŒber unserer schlechteren HĂ€lfte – brauchen aber trotzdem lĂ€nger: Die tĂ€gliche Gesichtsrasur fĂ€llt weg. Zugegeben, dafĂŒr verbringen wir auch einen Großteil der morgendlichen Zeit, uns fĂŒr den Rest der Welt herauszuputzen. Das ist vielleicht auch ein kleiner Nachteil, wir sollten eigentlich permanent gut aussehen (und doch ist es beim Spaghettiessen im Restaurant, wenn man gerade die ein Meter lange Nudel abbeißt, nahezu unmöglich).

Nichts desto trotz: GenĂŒgend Auswahl fĂŒr eine angemessene Bekleidung haben wir ja im Grunde. DafĂŒr sorgt unser Schuh-, Taschen- und Accessorie-Tick schon von ganz allein. Allerdings muss auch bemerkt werden, dass die MĂ€nnerwelt – besser gesagt, die MĂ€nnerwelt, die uns die Werbung suggeriert – immer mehr seine weiblichen Seiten entdeckt. Selbst der Mann könnte heute im Badezimmer schon sein eigenes KosmetikschrĂ€nkchen brauchen.

Jogi Löw macht es sogar vor. SĂ€mtliche „Nivea for men“-Produkte mĂŒssten laut Werbung in seinem Schrank stehen. Und die ganz großen Fashionistas gibt es sowieso auch unter MĂ€nnern. In dieser Hinsicht unterscheiden wir uns also gar nicht so sehr. Stehen MĂ€nner trotzdem unter diesem Druck, immer gut auszusehen? Ich wĂŒrde sagen: nein. Zumindest habe ich noch nie eine Frau gesehen, die behauptet hĂ€tte, einen Mann abstoßend zu finden, weil er nicht wie gestriegelt ausgesehen hĂ€tte.

Im Prinzip machen wir das ja auch gerne, uns schminken, Kleidung raussuchen und uns schön anziehen. Es erhöht auch die Chance, mal Hilfe zu bekommen, sollte diese von Nöten sein, besonders die von MĂ€nnern – schaut nicht so skeptisch, es ist doch wirklich so! Einer schönen Dame hilft man lieber als einer weniger attraktiven. Es kann auch kein Mann behaupten, fĂŒr sĂŒĂŸ gehalten zu werden, wenn er hilflos vor seinem fahruntĂŒchtigen Auto steht und Hilfe benötigt. Hilflosigkeit ist nur bei Frauen niedlich.

Wenn das Auto dann fĂ€hrt, wir aber trotzdem Schwierigkeiten haben, voranzukommen, verwenden wir eben alles an Hilfestellungen, was das Auto so hergibt. Das ist dann zwar typisch Frau, aber hey, wenn einem schon ein Navigationssystem und FrauenparkplĂ€tze angeboten werden – why not? Das typische Klischee eines Mannes ist doch, dass er diese Probleme lieber selbst mit seiner vollen Manneskraft lösen will – ob er das dann auch schafft, ist eine ganz andere Frage. Da greifen wir doch viel lieber auf Hilfsmittelchen zurĂŒck, anstatt uns stundenlang zu quĂ€len.

Stundenlange Qualen können wir uns aber auch nur ersparen, wenn wir das nötige Selbstbewusstsein haben. Einerseits kann man sich als Frau glĂŒcklich schĂ€tzen, andererseits steht man aber genauso unter enorm hohen Druck. Möglichst schlank soll man sein, im besten Falle mit Maßen von 90-60-90 ausgerĂŒstet sein und dann auch noch gebildet und erfolgreich.

NatĂŒrlich hat nicht jeder Traummaße und natĂŒrlich kann nicht jeder eine Spitzenposition in seinem Beruf haben – bekannterweise haben es Frauen in dieser Hinsicht sowieso schwerer. Davon sollte man sich jedoch nicht all zu sehr unter Druck setzen lassen. Immerhin dĂŒrfen Frauen zum Beispiel auch Kurven und ein BĂ€uchlein haben, ohne als dick zu gelten oder, wie MĂ€nner, unter einem Bierbauch leiden zu mĂŒssen. Mag man sich selbst, kann zu sich und anderen auch wirklich vollen Herzens „Thank god, I’m a woman“ sagen.

Aber es kann halt auch nicht jeder eine Frau sein. Sorry Jungs, aber auch ihr erfĂŒllt euren Sinn in unserem Leben. Nicht, dass ihr nur das Mittel zum Zweck wĂ€ret, aber so manchmal muss Frau eben doch betonen, dass sie das bessere Geschlecht ist. Aber tröstet euch, immerhin verdient ihr – meistens – mehr als wir. Was auch seinen Sinn in dieser ausgeklĂŒgelten Welt der Frauen hat, zum Beispiel beim Stichwort Shoppen.

(Text: Sarah-Janine Fischer)
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