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Sündenbock Islam

Kommentar über den Umgang mit dem Islam

Für Viele steht der Schuldige schon fest, wenn es um die Entstehung der Terrormiliz IS und die damit verbundenen Anschläge geht: der Sündenbock Islam. Doch wer so denkt, macht es sich leicht und ist von der Wahrheit weit entfernt.

Die Schuld ein paar radikalen Muslimen und Außenseitern aus Europa zu geben, die nach einer starken Hand greifen, die sie zu führen verspricht, reicht uns nicht. Vielmehr muss eine ganze Religion verantwortlich gemacht werden. Die Terrororganisation „Islamischer Staat“ hat sich in den letzten Monaten mit mehreren Anschlägen weltweit ins Zentrum der Weltpolitik gerückt. Neben dem Thema, wie man mit dem Problem umgehe, scheint vor allem die Frage zu interessieren, wer schuld an der Entstehung der IS sei. Viele haben dazu eine klare Position.

Sündenbock Islam

So berichten die Medien über den Sündenbock Islam

„1 in 5 Brit Muslims‘ sympathy for jihadis“ (einer von fünf britischen Muslimen sympathisiert Dschihadisten): Mit diesem Artikel stellt die britische Boulevardzeitung The Sun einen direkten Zusammenhang zwischen Muslimen und dem Bedürfnis nach einem Gotteskrieg her. Zum Entsetzen anderer britischer Medien wie The Guardian. Doch nicht nur die auflagenstärkste Zeitung Englands hält die zweitgrößte Weltreligion für den Ursprung des Terrors, auch der Berliner Autor Zafer Senocak schreibt schon 2007 in der deutschen Tageszeitung Die Welt, dass die Ursache des Terrorismus im Herzen des islamischen Glaubens liegt. Grund hierfür sei der Koran, der sich mit vielen seiner Regeln gegen Demokratien, andere Religionen und Glaubensgemeinschaften und vor allem gegen Frauen richtet.

Der wahre Islam sei nach Ansicht des Publizisten nicht der, den man auf einer deutschen Islamkonferenz antrifft, sondern der, der in Ländern wie Pakistan ausgelebt wird. Eine Religion von Barbaren, wie Senocak weiter schreibt, den es von den Muslimen, die im Islam mehr sehen als einen Entwurf für Barbarei, zu bekämpfen gilt. Statt dem Hass der islamistischen Fanatiker entgegenzuwirken, würde aber die Masse dem immer mehr verfallen.

Abgrenzung des IS zum Islam

Politiker, Publizist und Nahost Experte Jürgen Todenhöfer vertritt hingegen einen ganz anderen Standpunkt. Der 75-Jährige, der für sein Buch Inside IS – zehn Tage im „Islamischen Staat“ die Terroristen aus nächster Nähe erleben konnte, hält die Handlungen und Ansichten der Islamisten für eine Ideologie, die nichts mit dem Islam zu tun hat.

Vielmehr würden diese Extremisten die Religion als Maske verwenden und gleichzeitig in allem, was sie tun, gegen den Koran, also das Herzstück des Islam, verstoßen, wie Todenhöfer in einem Interview mit der ARD erklärt: „Man muss klar machen, dass der Islamische Staat nicht islamisch ist. Im Koran beginnen 113 der 114 Verse mit dem Satz ‘im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen’. Ich hab die IS-Kämpfer immer wieder gefragt ‘wo ist eure Barmherzigkeit’. Die haben nie eine Antwort.“

Weiter erklärt er, dass im Koran der Zwang zum Glaube, das Misshandeln und Töten von Zivilisten und das Anzünden von Moscheen, Synagogen und Kirchen verboten ist und die Islamisten dies dennoch ununterbrochen tun. Von 6.000 Versen suchen sich die Kämpfer des IS sechs Verse heraus und ignorieren den Rest der Heiligen Schrift des Islam.

Die Rolle einer Religion

Der Islam lässt sich also ebenso wenig mit den Kämpfern des sogenannten Islamischen Staats vereinbaren wie sich ultraorthodoxe Hassprediger mit dem Christentum vereinbaren lassen, die zur Gewalt gegen Homosexuelle aufrufen. Religionen berühren Menschen und wurden immer schon missbraucht, um die Ziele von Radikalen zu rechtfertigen. Auch das Argument, dass sich in der heiligen Schrift des Islams Suren zitieren lassen, die die extremistischen IS Kämpfer als Rechtfertigung für ihr Tun verwenden, ist kein Beleg dafür, dass die zweitgrößte Religion schuld an den zahlreichen Anschlägen ist. Sündenbock Islam? So einfach ist es nicht!

Eher sollte danach gefragt werden, was einen jungen Menschen dazu bringt, sein Leben aufzugeben, um sich für einen Gottesstaat selbst in die Luft zu sprengen. Denn nicht nur syrische Muslime schließen sich dem Dschihad der Terroristen an. Inzwischen ist bekannt, dass auch viele Europäer und Amerikaner konvertieren, um den Streifzug gegen die freie Welt zu unterstützen. Dies herauszufinden sollte im Kampf gegen die IS höchste Priorität haben.

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Über den Autor

Konstantin Schätz
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