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studiVZ und Co.: Nur was für Selbstdarsteller?

Kommentar zu Social Networks

So genannte „Social Network“-Internetportale erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Sie sind zum überwiegend kostenlos und finden viele Millionen Nutzer weltweit. Doch mittlerweile geht es dabei um mehr als nur Kommunikation. Es werden fleißig Profile mit allerhand persönlichen Informationen angelegt, Fotos veröffentlicht und die Netzwerke übertreffen sich gegenseitig mit allerlei zusätzlichen Sonderfunktionen. Doch was bieten diese Portale wirklich?

Sind sie nur etwas für profilierungssüchtige Egozentriker oder einfach ein nützlicher Weg zur Kommunikation und zum Informationsaustausch im 21. Jahrhundert? Um eine Antwort auf diese Fragen zu finden, wirft man am besten einmal einen Blick auf die vor allem bei der jüngeren Zielgruppe beliebtesten Websites.

Für Studierende ganz vorne dabei auf der Beliebtheitsskala ist das studiVZ, bei dem man sich ein persönliches Profil anlegen kann. Etwa vier Millionen Studenten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz nutzen derzeit diese Internet-Plattform. Es gibt mittlerweile sogar auch in vielen anderen europäischen Ländern Versionen des Studentenverzeichnisses. Denn das im Oktober 2005 von zwei Studenten gegründete Netzwerk will ein europäisches Hochschulnetzwerk aufbauen. Es soll den Studenten den Kontakt erleichtern und Möglichkeiten zum Informationsaustausch bieten. Auch soll die Anonymität an den Hochschulen dadurch gesenkt werden.

Es ermöglicht Studenten, neue Leute an der eigenen Uni treffen, aber auch alte Bekannte wieder zu finden. studiVZ wirbt damit, dass man durch das Internetportal auf dem Laufenden bleibt, was Freunde und die eigene Uni angeht. Und dem ist auch nichts entgegenzusetzen, denn zahlreiche Funktionen machen dies möglich. Sich und seine Person zu präsentieren ist durch den Eintritt in die verschiedensten Gruppen und ausreichend Platz für eigene Angaben selten so einfach gewesen.

So kann das Betrachten der selbst zusammengestellten Fotoalben von Bekannten viel Freude hervorrufen, aber natürlich auch das Gegenteil bewirken. Ungewünschte, unvorteilhafte Bilder lassen sich nicht so einfach entfernen. Weigert sich der „Besitzer“ das Foto herauszunehmen, folgt der bürokratische Weg des „Meldens“ beim Portal selbst, was erstens dauert und zweitens nicht immer von Erfolg gekrönt ist. Ebenso sorgt die Möglichkeit, von Freunde auf den Bildern verlinken zu werden von Zeit zu Zeit für Probleme. Man kann die Verlinkungen zwar löschen, nachdem man sie bemerkt hat, kann aber auch jederzeit wieder verlinkt werden. Diese Funktion wird daher auch oft bemängelt. Außerdem gibt es die Kritik, dass die Bilder, die auf einem Server gespeichert werden, unter Umständen Dritten zugänglich sein können, sobald diese die entsprechende Codierung entschlüsselt haben.

Diese Problematik mit Fotos im studiVZ hat jedoch noch einen weit größeren Stein ins Rollen gebracht: Nicht nur, dass die Fotos dem Abgebildeten persönlich peinlich und unangenehm seien könnten, es wurden auch Gerüchte laut, dass Personalchefs seit neuestem Bewerber auf Seiten im Studentenverzeichnis kontrollieren. Im Zweifelsfalle können einem also die Fotos von der letzten Party zum Job-Verhängnis werden und als inoffizieller Grund für eine Absage dienen. Diese Vorwürfe sind natürlich nicht offiziell bestätigt, regen aber sicher zum Nachdenken an. Nicht nur mit kompromittierenden Fotos, sondern auch mit provokativen Gruppen und bestimmten Äußerungen auf Pinnwand und Profil kann man also ganz schnell ins Fettnäpfchen greifen.

Keine schöne Vorstellung, aber deshalb ganz auf das Studentennetzwerk verzichten? Im World Wide Web gibt es, wie in jedem anderen Netz, nun mal Maschen, durch die immer einmal etwas hindurchkommen kann.

Ein anderer großer Kritikpunkt, der meist bei solchen Communities auftritt, bleibt jedoch, die Fragen rund um den Datenschutz. Wie sicher sind meine Daten im Internet und, wenn ich festlege, dass nur meine Freunde mein Profil sehen können, kann es dann auch wirklich niemand anderes? Doch selbst auf einer als privat angelegten Seiten kann noch jeder angemeldete studiVZler bestimmte Daten wie Namen und Universität ansehen. Zudem gab es einen Hackerangriff, der die Diskussion über den  Datenschutz wieder aufrührte, was dem Ruf des studiVZs zusätzlich schadete. Seit Ende letzten Jahres wurden außerdem Skandale über die Begründer der Internetplattform laut sowie der Vorwurf, vom amerikanischen Internetportal Facebook erhebliche Anteile übernommen zu haben.

Doch es gibt auch positive Nachrichten: Mit Hilfe der Nutzer entwarf studiVZ einen Verhaltenskodex, der im März 2007 vorgestellt wurde. Dieser regeln unter anderem den Datenschutz und den Umgangston innerhalb des Portals. Bei Nichteinhaltung dieses Kodexes drohen dem User Verwarnung, Sperrung oder die Löschung des Profils. Bei der beträchtlichen Mitgliederanzahl und den mittlerweile über eine Million Themengruppen ist die Kontrolle dieser Regeln jedoch kein leichtes Unterfangen.

Das Sympathische an studiVZ ist allerdings die direkte und charmante Art der Seite. Diese Atmosphäre ist sicher auch, was zu der großen Beliebtheit des Portals beiträgt. Seit Februar 2007 existiert auch der Ableger schülerVZ, der eine wachsende Zahl an Mitgliedern verzeichnet und mittlerweile bereits über 1.000.000 aktive User hat. Das Prinzip scheint also aufzugehen und hat durchaus Zukunft.

 

Ein weiterer großer und beliebter Anbieter des Social Networkings ist Myspace. Die 2003 gegründete Internetplattform zählt aktuell 180 Millionen Mitglieder. Seit Ende 2006 gibt es nun auch eine deutsche Myspace-Version. Zu Beginn dieses Jahres verzeichneten diese bereits 2, 5 Millionen Nutzer.

Auch Myspace verfolgt die Intention, ein soziales Netzwerk aufzubauen und bietet ebenso wie studiVZ kostenlose Benutzerprofile. Außerdem kann man seine Seite individuell nach den eigenen Vorlieben und Geschmäckern gestalten,. Die User haben ebenso die Möglichkeit, Fotos und Videos hochzuladen, Blogs – sogenannte Internettagebücher – anzulegen und Gruppen beizutreten. Außerdem gibt es noch einige besondere Funktionen. Den Fans ermöglicht Myspace nämlich eine neue Art der Kontaktaufnahme zu ihren Lieblingskünstlern. Jeder User kann zum Beispiel seine Lieblingsband zu seinen Freunden hinzufügen und so schnell und einfach auf deren Profil zugreifen oder sogar Kontakt mit den Musikern aufnehmen.

Das Portal spezialisierte sich von Anfang an auf den Schwerpunkt Musik und bot Bands und Künstlern die Chance, Profile anzulegen, auf denen Sie sich vorstellen sowie Songmaterial und Fotos veröffentlichen und Tourdaten eintragen können. Außerdem können sie jederzeit den direkten Draht zu ihren Fans suchen und sie über neue Veröffentlichungen, Neuigkeiten usw. unterrichten. Unzählige Künstler und Bands nutzen bereits diese Chance, sich ein Profil bei Myspace Music anzulegen und mittlerweile entdecken auch immer mehr Schriftsteller, Comedians und Schauspieler Myspace als Möglichkeit, ihre Fangemeinde kennen zu lernen und zu vergrößern.

An Myspace wird neben Datenschutz-Problemen auch oftmals kritisiert, dass viele unseriöse Spamnachrichten, als Freundschaftsanfragen getarnt, verschickt werden. Ebenso kamen schon öfter Probleme mit Nutzerprofilen und Nachrichten auf, die rassistische, sexistische oder pornografische Inhalte hatten.

 

Relativ neu unter den virtuellen Netzwerken ist das Portal Lokalisten.de. Es existiert seit Mai 2005 und ist ebenfalls kostenlos. Die Community verzeichnet bereits über eine Million Mitglieder. Die „Lokalisten“-Macher werben auf ihrer Website damit, dass dieses Netzwerk vor allen Dingen die Möglichkeit bietet, die Freunde seiner Freunde, die so genannten „Freundesfreunde“ kennen zu lernen. Das Projekt will die Verbindungen zwischen den Usern aufzeigen und wer wen über wie viele Ecken kennt. Die Zielgruppe ist jedoch nicht so klar definier: Bei Lokalisten.de können die Verknüpfungspunkte der Nutzer Schule, Universität oder Arbeit sein. Natürlich ist es auch möglich neue Bekanntschaften zu schließen und alte Freunde wiederzufinden. Dabei spezialisiert sich das Portal wie der Titel schon sagt, räumlich auf ein bestimmtes Gebiet. Man kann sich eine Stadt als Homebase einrichten, über die man dann die neuesten Informationen zu Events und Veranstaltungen mitgeteilt bekommt. Lokalisten.de setzt seinen Schwerpunkt dabei auf die Freizeitgestaltung und das soziale Leben seiner User. So gibt es Lokalisten-Parties, damit sich die Freunde nicht nur online, sondern auch im „realen Leben“ treffen können.

Bei der Gestaltung der eigenen Seite können die Benutzer auf selben Funktionen wie bei anderen Netzwerken zurückgreifen, außerdem gibt es Chats. Sogar ein virtueller Markplatz ist vorhanden, auf dem von der Mitfahrgelegenheit über Fahrräder bis hin zu freien Wohnungen alles Mögliche gesucht und angeboten wird. Als Ziel von Lokalisten.de wird formuliert, dass „jeder jeden kennt“ und somit ein großes Netzwerk in einer offenen und freundlichen Atmosphäre geschaffen wird.

Doch was treibt Menschen zu diesen Internetportalen? Ist es Neugierde, der eigene Profilierungswahn oder wirklich der ehrliche Wunsch, mit Freunden (ob nun alt, neu oder auch in aller Welt verstreut) Kontakt zu halten?

Man kann auf und mit diesen Plattformen viel Unfug anstellen und so manch einer nutzt sie wohl auch, um sich virtuell zur Schau zu stellen, doch die Vorteile des Social Networking liegen klar auf der Hand. Sie sind ein nützlicher Bestandteil der modernen Kommunikation und erleichtern das Kontakthalten ungemein. Beim Surfen im Internet hinterlässt man Freunden und Bekannten schneller mal eine kurze Nachricht auf der Pinnwand und erkundigt sich nach den Neuigkeiten. Außerdem bietet das World Wide Web natürlich die Möglichkeit, mit Freunden aus aller Welt Kontakt zu halten. Für diejenigen, die ohnehin wenig Zeit haben oder Kontakte in alle Welt pflegen möchten, sind diese Portale also eine sehr praktische Wahl. Die Motive mögen so unterschiedlich wie die Nutzer selbst sein, doch eines steht fest: Social Networking- Portale sind gerade sehr beliebt und solange die Nachfrage so groß bleibt, wird sich dieser Trend sicherlich nicht so schnell legen. Denn mit den Usern stehen und fallen die Internet-Netzwerke. Die Angebote werden momentan immer vielseitiger und so ist wohl für jeden das richtige Portal dabei.


In diesem Sinne: Viel Spaß beim gruscheln und adden.


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Über den Autor

Julia Radgen
Ressortleiterin Gesellschaft

Julia Radgen lebt in Mainz und schreibt am liebsten über Kultur- und Gesellschaftsthemen - und interessante Menschen. Sie ist Social Media-süchtig und verzichtet nur freiwillig auf Internet und Handy, wenn sie zu einem Festival fährt. Wenn sie groß ist, will Julia mal Journalistin werden.

Anzahl der Artikel : 41

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