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Student in Deutschland — Pros and Cons

Ich spreche mit zwei Studenten mit verschiedenen Herkünften

Wie unterschiedlich erleben junge Menschen ein Studium. Ich habe mit einem Deutschen und einer Bulgarin über ihre Erfahrungen gesprochen: Warum haben sie sich ausgerechnet für ein Studium in Deutschland entschieden?

Studium in DeutschlandEinfach weg hier

In meinen letzten beiden Schuljahren staute sich immer mehr der Gedanke in mir auf, dass ich nach dem Abitur nur eines möchte: Hauptsache raus aus Deutschland!

Warum? Ich weiß es selber nicht. Womöglich, weil es mir wichtig war, auf Englisch ein Studium zu absolvieren. Damit erreicht man mehr im Leben. Außerdem fällt es mir schwer, zu lange an einem Ort zu verweilen und in Deutschland lebte ich zu dem Zeitpunkt seit zehn Jahren. Dann habe ich aber die Studiengebühren in Amerika, England und Co. gesehen. Nein, so viel wollte ich nicht bezahlen. Also bin ich nach dem Abitur aus dem tiefsten Süden in den hohen Norden Deutschlands gezogen und muss sagen, dass es gar nicht so übel ist: Eine angesehene Bildung zu einem vernünftigen Preis.

Und das Tollste: Ich treffe mittlerweile in meinem Studium Menschen aus aller Welt. Und sie erzählen mir von allerhand interessanten Gründen, warum sie zum Studieren nach Deutschland gekommen sind. Dies hat mich auf die Idee gebracht, das Erleben des Studiums in Deutschland von einem deutschen Studenten mit dem, eines Studenten mit Migrationshintergrund zu vergleichen. Ausgesucht habe ich mir dabei Margarita I. und Lennart G.. Margarita kommt aus Bulgarien, hat dort auf der Schule Deutsch gelernt und ist dann zum Studieren nach Deutschland gekommen. Lennart G. ist in Deutschland geboren, aufgewachsen und hat hier sein Studium begonnen. Beide habe ich etwas ausgefragt.

Warum Deutschland?

Bei dieser Frage, warum es ausgerechnet Deutschland sein musste, bekam ich sehr unterschiedliche Reaktionen. Margarita antwortete damit, „[…] da das deutsche Hochschulsystem zum einem weltweit mit dem Stichwort „Qualität“ in Verbindung gebracht wird […]“. Überraschend ist auch, dass laut ihr, das studieren in Deutschland dank geringer Studiengebühren und Wohnkosten günstiger wäre, als in Bulgarien. Das hat mein Interesse geweckt und ich habe sie nach weiteren Vorteilen eines Studiums hier gegenüber ihrem Heimatland Bulgarien gefragt. Zum einen nannte sie die qualitativ bessere Ausbildung, durch die materielle Basis und zum anderen aktuelle Technologien. Außerdem genießt sie die Freiheit, bei der Gestaltung des Stundenplans. Die Auswahl der Studiengänge soll auchviel größer sein und der Kontakt zwischen Lehrer und Student ist offener.

Die Antwort von Lennart fällt da eher pragmatischer aus. Ihm hat die Stadt gefallen, in der er wohnt. Er hat dort auch die passenden Studiengänge gefunden und durch seinen Nebenjob bereits Kontakte, die ihm in seiner späteren beruflichen Laufbahn von Nutzen sein können.

Was findest du besonders gut am Studieren in Deutschland?

Auffällig ist, dass sich Lennarts Argumente stark mit den eben genannten Vorteilen von Margarita überschneiden. Das internationale Ansehen und die Finanzierung auch durch Hilfe des Staates sind für ihn definitiv gute Eigenschaften. Auch, dass man ins Ausland kann, für beispielsweise ein Auslandssemester, findet er gut.

Margarita hingegen tickt da etwas anders. Sie beharrt auf die Freiheit bei der Gestaltung des Studiums. Sprach- und Sportkurse für Studenten und die allgemeine Rücksicht, die auf die Studenten genommen wird, sind für sie sehr wichtig. Außerdem ist es nicht selbstverständlich, sagte sie, dass man Praktika machen darf, wenn man in Bulgarien studiert.

Wo wirst du vor Probleme gestellt?

Auch hier, finden sich wieder zwei komplett unterschiedliche Antworten. Maggie vermisst nur eines: In den bulgarischen Universitäten kann man bei einer bestandenen Hausarbeit von den Klausuren befreit werden. Selbst die Sprache empfindet sie nicht als Problem, denn sie kommt gut mit. Außerdem sagte sie, dass sie, wenn sie etwas einmal nicht versteht, auch gut klar kommt, denn „[…] dann frage ich einfach nach, das ist immer in Ordnung.“.

Lennart hingegen stört sich trotz des günstigen Studiums daran, dass es überhaupt Studiengebühren gibt, denn Bildung sollte für jeden zugänglich und umsonst sein—es macht fast den Anschein, als würde er ein wenig nach Problemen suchen? Eines hat mich dann doch noch interessiert: Wenn er sich ein anderes Land für sein Studium aussuchen könnte, welches wäre das? Er hat geschmunzelt und sagte: „Vielleicht Australien. Da sind die Leute aufgeschlossener und vor allem ist das Wetter um Längen besser!“

Es stellt sich für mich bei diesen beiden Beispielen also heraus, dass sich ein Studium in Deutschland echt sehen lassen kann. Wie man merkt, überwiegen die positiven Aspekte bei weitem. Auch wenn mein Studium leider nicht in englischer Sprache ist, muss ich sagen, dass ich stolz auf ein Studium in Deutschland bin. Und ich bin voller Zuversicht, dass ich damit auch international Chancen haben werde. Ob man nun das Wetter mag oder nicht, das Studium hier in Deutschland ist ein echter Gewinn.

(Text: Ulrike Botha / Foto: KW)

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