Sport /
Wintersport
05.04.09
Text:
Katrin Brunner
Das Comeback des Skispringers Janne Ahonen
Die Nachricht las sich wie ein verfrühter Aprilscherz: Janne Ahonen, der erfolgreichste Skispringer der letzten Jahre, will seine Skier wieder anschnallen. Ein Jahr zuvor hat er seinen Rücktritt erklärt. Aber eine olympische Goldmedaille fehlt noch in seiner sonst vollständigen Sammlung.
Im März 2008 gab Skispringer Janne Ahonen, ein Finne aus Hollola bei Lahti, unter Tränen seinen Rücktritt bekannt und sprang am 9. Juli vor über 11.000 Zuschauern das letzte Mal bei seinem Abschiedsspringen von einer Schanze. Zur Verblüffung aller kündete er beim Weltcupspringen von Lahti Anfang März gegenüber dem finnischen Fernsehen sein Comeback an.
Die Anfänge in der Kindheit
Schon im jungen Kindesalter sprang Janne Ahonen das erste Mal von einer Schanze. Seine großen Idole waren Matti Nykänen und Jens Weißflog. Die Bewunderung für Weißflog ist jedoch einiges höher, da er noch direkt gegen ihn antreten konnte. Mit nur 14 Jahren nahm er in Ruhpolding das erste Mal an einem Weltcupspringen teil. In derselben Saison startete er auch bei der Vierschanzentournee und bei den Weltmeisterschaften in Falun, Schweden. Fast genau ein Jahr nach seinem ersten Auftritt im Weltcup feierte Ahonen im Alter von 15 Jahren 1993 in Engelberg seinen ersten Weltcupsieg. Zu seinem ersten Sieg folgten in seiner 16-jährigen Karriere noch 35 weitere Weltcupsiege, zwei Weltcupgesamtsiege, zwei Team-Silbermedaillen bei Olympischen Spielen, fünf Weltmeistertitel und 104 Podestplätze – so viele wie nie zuvor. Außerdem hält er den Rekord der Vierschanzentourneesiege, denn keiner außer ihm gewann dieses traditionsreiche Ereignis gleich fünf Mal.
Früher war der finnische Adler auch als „Die Maske“ bekannt. Das lag daran, dass er eine Zeit lang eine Schutzmaske während des Fluges trug. Auch seine Zurückhaltung gegenüber der Presse und die Tatsache, dass man ihn nur selten lachen sah, trug zu der Festigung seines Spitznamens bei. Ahonen konzentrierte sich eher auf seinen Sport als auf Interviews, schließlich „…bin ich zum Springen an die Schanze gekommen und nicht zum Lachen.“ Heute kann er diese Aussage als Scherz sehen. Als er das jedoch einem Reporter gegenüber erwähnte, war es sein voller Ernst. Kontrovers, bei einem, dessen Motto „Keep Smiling“ ist.
Dass er Gefühle auch öffentlich zeigen kann, bewies er in den letzten Jahren seiner aktiven Karriere. Man sah ihn öfter vor den Kameras als noch zuvor und auch das ein oder andere Lächeln zeigte sich auf seinen Lippen.
FamilienmenschWer ihn näher kennt, der weiß, dass Rane, so sein Spitzname, privat ein ganz anderer Mensch ist. Der Familienvater von zwei Söhnen, dem siebenjährigen Mico und dem neunmonatigen Milo, gab im Sommer 2004 seiner heutigen Ehefrau Tiia das Ja-Wort. Die Familie hat für ihn eine große Bedeutung. Der beste öffentliche Beweis war wohl das vierte Springen der Vierschanzentournee 2004/2005. Seine Mutter Maarit, seine Frau und sein Sohn waren zum Finale nach Bischofshofen gekommen. Die Freude gepaart mit Tränen in den Augen über diese gelungene Überraschung ließ ihn den zweiten Platz in der Tourneewertung schnell vergessen.
Wenn er sich nicht seinen Kindern widmet oder trainiert, zeigt Ahonen seine kreative Seite. Er zeichnet leidenschaftlich gern und entwarf neben dem Logo des Nordic Tournaments auch sein eigenes Zuhause. Eine weitere Passion ist der Motorsport. Wenn er nicht auf seinem Motorrad sitzt oder sein Auto mit dem unverwechselbaren Kennzeichen „CXX 1“ fährt, setzt sich der 31 Jährige auch gerne mal in seine 6000 PS starke Drag Racing Maschine.
Schon während seiner aktiven Zeit als Skispringer fuhr Ahonen für das Eagle Racing Team und wurde 2003 zum „Race Rookie of the Year“ gekürt. 2004 gewann er sogar die Finnischen und die Nordischen Meisterschaften. Mit den Erfolgen der letzten Jahre erlang er auch die Lizenz für die Königsklasse „Top Fuel“ und startete 2008 bei der Europameisterschaft in Hockenheim. Nebenberuflich hat Ahonen zusammen mit seinem ehemaligen Servicemann Jari Mantila sein eigenes Unternehmen für Sport- und Freizeitprodukte im Bereich Winter- und Motorsport gegründet.
Dem Skispringen blieb er jedoch nie ganz fern. Er arbeite als Experte für den finnischen Fernsehsender MTV 3 und schreibt regelmäßig für seinen Blog. Auch an den Schanzen traf man ihn von Zeit zu Zeit an. Die endgültige Entscheidung zum Rücktritt vom Rücktritt traf Ahonen während der Weltmeisterschaft im tschechischen Liberec. Er hat fast alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Was ihm in seiner Kollektion von Medaillen jedoch noch fehlt, ist eine Einzelmedaille bei olympischen Spielen.
Fokus auf Olympia in Vancouver
Er will nicht an allen Weltcupspringen der Saison teilnehmen, denn seinen Hauptfokus legt der Überflieger aus Finnland auf die Olympischen Spiele 2010 im kanadischen Vancouver. Aber auch an der Vierschanzentournee und an der Skiflugweltmeisterschaft in Planica will der 31-Jährige teilnehmen. Für seine Teilnahme benötigt der Adler natürlich auch einen Platz in der finnischen Mannschaft. Die Anzahl der Startplätze sind von der FIS für jedes Team fest vorgeschrieben, was bedeutet, dass ein Finne seinen Platz für Ahonen für einige Wettkämpfe räumen muss. Natürlich muss sich Janne diesen Platz auch sportlich verdienen, denn geschenkt wird auch dem Altmeister nichts.
Das junge finnische Team hat sich in der vergangenen Saison von einer sehr positiven Seite präsentiert. Besonders Harri Olli hat sich sehr gut entwickelt. Es gab keine Eskapaden im Privatleben, und auf der Schanze hat er mit Rang vier im Gesamtweltcup und seinen ersten Weltcupsiegen seine beste Saison absolviert. Zudem drängt sich der junge Ville Larinto, Mannschaftskamerad von Ahonen aus Lahti, auf und machte in seiner ersten kompletten Weltcupsaison eine gute Figur. Die Athleten lobten besonders die Arbeit mit dem neuen Coach Janne Väätäinen, mit dem die Zusammenarbeit besser klappt als mit seinem Vorgänger Tommi Nikunen.
Skisprungfans und Insider sind sich noch nicht einig, was die Rückkehr des ehemaligen Überfliegers dem Team Suomi bringen wird und wie sie sich auf die Entwicklung der „Jungen Wilden“ auswirken wird. Wird es wieder „die Wand“ Ahonen geben, hinter dem der Rest der Mannschaft nicht hervorschauen kann oder kann der positive Entwicklungstrend weiter anhalten?
Eine weitere Frage ist die nach der physischen Verfassung. Ist er nach einem Jahr Pause noch fit genug um mit den besten drei des Jahres, Gregor Schlierenzauer, Simon Ammann und Wolfgang Loitzl, mitzuhalten? In der Nordischen Kombination hat der US- Amerikaner Todd Lodwick nach zwei Jahren Auszeit gezeigt, dass es durchaus möglich ist, noch einmal ganz oben mitzuspielen. Er wurde in Liberec Doppelweltmeister.
Das Team Finnland wird im nächsten Jahr nicht nur von Janne Ahonen Unterstützung bekommen, auch Janne Happonen wird nach seiner Verletzung wieder mit dem Skispringen beginnen. Die Teamwettkämpfe versprechen also Spannung.
Im April will Ahonen wieder mit dem Training beginnen. Rückhalt und Unterstützung für das Unternehmen Gold bekommt der Familienvater von seiner Familie und seinen Freunden. Es bleibt abzuwarten, ob er sein Ziel erreicht und sich den unerfüllten Wunsch der olympischen Goldmedaille erfüllt.
(Text: Katrin Brunner / Fotos: Franziska Herr)
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