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Wintersport
31.03.09
Text:
Claudia Macht
Am Wochenende endete die Biathlon-SaisonMit den Massenstart-Rennen der Damen und Herren am Sonntag, in denen die letzten Kristallkugeln verteilt wurden, ist die Biathlon-Saison 2008/2009 Geschichte. Ein Rückblick auf ein turbulentes Jahr, erreichte Rekorde, im Weltcup angekommene Talente, eine aufregende WM, Dopingfälle und den letzten Test vor der Olympiade in Vancouver 2010.
Viele Fragen waren zu Beginn der Saison Anfang Dezember im schwedischen Östersund offen. Werden die Titelverteidiger im Gesamtweltcup, Magdalena Neuner und Ole Einar Bjørndalen, ihre guten Resultate aus dem Vorjahr wiederholen können? Wie werden die Weltmeisterschaften im südkoreanischen Pyeongchang verlaufen? Wird es Bjørndalen schaffen, den seit 1989 bestehenden Rekord des mit 86 Weltcupsiegen bisher erfolgreichsten Skisportlers und schwedischen Skirennläufers Ingemar Stenmark zu überbieten? Wer wird von den jungen Athleten im internationalen Weltcupzirkus überzeugen können? Und natürlich immer wieder die Frage: Wer wird am Ende ganz oben stehen?
Nach 33 Wettkämpfen haben wir nun die Antworten auf all diese Fragen. Begonnen hatte alles im schwedischen Östersund, dem Austragungsort der letzten Weltmeisterschaften im Biathlon. Und es sollte für die deutschen Herren ein guter Start werden; mit Michael Greis stand im ersten Rennen der Saison gleich ein deutscher Biathlet auf dem Podium. Die eingefleischten Biathlonfans saßen zu Hause auf dem Sofa vor dem Fernseher und freuten sich: So konnte es weitergehen. Doch leider sollten Podestplätze für die deutsche Herrenmannschaft in dieser Saison nicht zur Regel werden. Lediglich drei weitere Male konnten sich die Herren den obersten Platz erkämpfen. Im Großteil der anderen Rennen standen die mit 14 Siegen und 21 weiteren Podestplatzierungen klar dominierenden Norweger auf dem Treppchen oder die Österreicher, die sich in dieser Saison überraschend stark wie seit Jahren nicht präsentierten. So konnte sich die österreichische Herrenstaffel im Februar bei den Weltmeisterschaften schon vorzeitig die kleine Kristallkugel in der Disziplinenwertung sichern.
Bei den Damen sah es hingegen anders aus, hier behielten zunächst die Russinnen die Oberhand. Zunächst, denn kurz vor den Weltmeisterschaften wurde bekannt, dass drei der russischen Biathleten positiv auf ein bisher noch nicht bekannt gegebenes Dopingmittel getestet wurden, unter ihnen die bis dahin Führende im Gesamtweltcup Ekaterina Iourieva und ihre Teamkollegin Albina Akhatova. Der dritte, mittlerweile dreifach positiv getestete Athlet war der im letzten Jahr sehr starke Dmitri Iaroshenko, der den Gesamtweltcup der letzten Saison als Zweiter beschlossen hatte. Der Präsident der Internationalen Biathlonunion (IBU), Anders Besseberg, erklärte, dass man es mit „systematischem Doping in großem Umfang in einer unsere stärksten Mannschaften" zu tun habe. Nach Öffnung der B-Proben und der Bestätigung der positiven Befunde wurden die Athleten nachträglich disqualifiziert, die im Anschluss korrigierten Ergebnislisten führten zu veränderten Resultaten. Die nun unter dem Schatten des Dopings stehende Weltmeisterschaft in Südkorea offenbarte einen „kalten Krieg“ in der Biathlonfamilie, der durch die dortige von vielen Athleten kritisierte mangelhafte Organisation und Vorbereitung nur noch verstärkt wurde.
Im Verfolgungswettkampf der Herren kam es zur Zuspitzung des Konfliktes zwischen den einzelnen Nationen. Mehrere der Top20-Läufer waren falsch abgebogen und trotz Absperrungen zwischen den blauen Streckenmarkierungen hindurch gelaufen und hätten somit nach Regelwerk disqualifiziert werden müssen, da die vorgegebene Strecke verlassen wurde. Damit wäre der bis dahin Zweitplatzierte Russe Maxim Tchoudov Weltmeister gewesen. Nach längeren Beratungen entschied die Jury sich für eine Zeitstrafe von einer Minute, welche Bjørndalen vom ersten auf den dritten Platz zurückwarf, Tchoudov war, wie es schien, offiziell Weltmeister. Doch die Freude darüber sollte nur kurz anhalten, denn am grünen Tisch wurde bereits erneut diskutiert, da gegen die Entscheidung Protest eingelegt worden war. Am Ende gewann nun doch Bjørndalen das für ihn zwölfte WM-Gold, nachdem die Jury sich darauf geeinigt hatte, dass durch das Verlassen der Strecken kein Zeitvorteil entstanden sei und das bestehende Regelwerk somit nicht zur Anwendung kommen könne.
Bei der anschließenden Pressekonferenz sprach Tchoudov die eskalierende Situation in der Biathlonfamilie an: „Wir müssen offen miteinander reden und die Probleme lösen“, sagte er und räumte bezüglich der Dopingsünder ein: „Das, was in unserer Mannschaft passiert ist, ist sehr, sehr unschön“. Nach dem Öffnen der B-Probe hatte der Schwede Mattias Nilsson auf seiner Homepage die betroffenen Athleten als „Idioten“ bezeichnet, woraufhin er mehrere Morddrohungen von russischen Fans erhalten hatte. Das schwedische Team unter der Leitung von Wolfgang Pichler hatte daraufhin überlegt, die letzte Weltcup-Station im russischen Chanty-Mansiysk auszulassen und die Saison vorzeitig zu beenden.
Bei den Damen schien die Weltmeisterschaft ganz im Zeichen von Kati Wilhelm zu stehen. Nachdem sie Sprint und Einzel für sich entschieden hatte, konnte sie auch mit der Staffel und in der Verfolgung jeweils Silber holen. Ole Einar Bjørndalen präsentierte sich in glänzender Form, konnte vier Goldmedaillen mit nach Hause nehmen, holte sich den 87. Weltcupsieg und wurde dadurch sowohl erfolgreichster Biathlet als auch erfolgreichster Wintersportler aller Zeiten.
Von Südkorea ging es für die Biathleten nun weiter nach Vancouver, dem Austragungsort der olympischen Winterspiele 2010. Die dort neuangelegten Strecken sollten vor der Olympiade noch einmal unter Wettkampfbedingungen getestet werden. Die Reaktionen der Sportler waren positiv, konnten die deutschen Biathleten sich doch bei fünf von sechs Rennen unter den Top drei platzieren – Feuertaufe bestanden, Olympia kann kommen.
Beim drittletzten Rennen der Saison in Chanty-Mansiysk konnte sich der im Dezember noch durch eine Krankheit geschwächte Bjørndalen vorzeitig den Gesamtweltcup sichern – zum sechsten Mal in seiner Karriere. Bei den Damen blieb es dahingegen bis zur letzten Sekunde spannend, denn Kati Wilhelm und die Schwedin Helena Jonsson gingen punktgleich ins letzte Rennen und führten bis zum letzten Schießen gemeinsam. Doch Helena Jonsson zeigte starke Nerven und blieb fehlerfrei, während Wilhelm zwei Strafrunden schoß und ihr damit die zweite große Kristallkugel verwehrt blieb. Am Ende gewannen die deutschen Damen die Nationenwertung ebenso wie die Disziplinenwertung der Staffel; die kleinen Kristallkugeln im Einzel und der Verfolgung gingen an Magdalena Neuner und Kati Wilhelm.
Doch auch unter den jungen Athleten stellten sich im Laufe der Saison einige vielversprechende Talente heraus: Sowohl Arnd Peiffer als auch Christoph Stephan und Tina Bachmann konnten ihre ersten Weltcups gewinnen, Christoph Stephan wurde mit einer herausragenden Leistung bei der WM sogar Vizeweltmeister im Einzel – für Nachwuchs ist also gesorgt.
Für einige Teams stehen nun noch die nationalen Meisterschaften an, danach gibt es für die Athleten ein paar Wochen Urlaub und ab Mai beginnt die nächste Saison mit intensiver Vorbereitung auf die Wettkämpfe im Winter und der Sommerbiathlon-Weltmeisterschaft in Oberhof im September. Und dann heißt es pünktlich zum Winteranfang wieder: Auf ein Neues!
(Text: Claudia Macht / Foto: [formula] Müller-Wohlfahrt)
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