Sport / Wintersport 21.12.09
Text: Katrin Brunner
Der olympische Weg der Nordischen Kombinierer
In der noch jungen Saison liest man schon jetzt einen Namen besonders häufig ganz oben in den Ergebnislisten: Jason Lamy Chappuis. Der Franzose hat von den ersten sieben Wettkämpfen vier gewonnen, führt mit großem Vorsprung die Gesamtwertung an und musste bisher nur für einen Wettkampftag das gelbe Leibchen abgeben. Chappuis, der sich in vergangen Jahren als einer der sprungstärkeren Athleten präsentierte, gewann 2006 in Sapporo seinen ersten Weltcup im Sprint. Damals wurden noch drei verschiedene Wettkampfformate (Gundersen, Sprint und Massenstart) ausgetragen. Fand man in den letzten Jahren hauptsächlich die laufstarken Athleten wie Gottwald, Manninen oder Moan auf dem Siegertreppchen, zeigt sich seit der Umstellung auf das neue Gundersenformat - mit nur noch einem Sprung und nur zehn km Langlauf - ein anderes Bild. Es kristallisiert sich heraus, dass ein Athlet in der neuen Wettkampfform mit Ausgeglichenheit von Schnellkraft im Springen und Ausdauer im Laufen Vorteile gegenüber dem Spezialisten einer einzelnen Disziplin hat. Chappuis, der sich in seiner Weltcuplaufbahn als sehr guter Springer nun auch zu einem taktisch sehr klugen Läufer entwickelt hat, übernimmt in dieser Saison die Rolle von dem Finnen Anssi Koivuranta, der den Weltcup im letzten Jahr ähnlich dominierte. Der Sohn einer US-Amerikanerin und Inhaber zweier Nationalitäten wurde bereits vom US-Team bezüglich eines Wechsels in die Mannschaft von Todd Lodwick, Bill Demong und Johnny Spillane umworben. Der Bezug nach Frankreich scheint jedoch größer zu sein, denn bisher sind noch keine Wechselpläne bekannt.
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Björn Kircheisen, Eric Frenzel und Tino Edelmann erfüllten mit Ihren Siegen und Platzierungen bereits die interne Olympia Norm des Deutschen Ski-Verbands DSV für die Olympischen Spiele ab Mitte Februar in Vancouver. Somit sind drei von fünf deutschen Plätzen vergeben. Die zwei verbleibenden Plätze werden unter dem Olympia Sieger im Gundersen von Turin 2006 Georg Hettich, Johannes Rydzek, Sebastian Haseney und natürlich Ronny Ackermann verteilt. Letzterer ist denkbar schlecht in die neue Saison gestartet. Bei drei Wettkämpfen kam der vierfache Weltmeister über einen 22. Platz nicht hinaus. Aber bis zu den Olympischen Spielen haben die DSV Athleten noch neun Wettkämpfe Zeit, die Norm zu erfüllen.
Die Comebacks 2009
Im März 2006 trat der US-Amerikaner Todd Lodwick vom Leistungssport zurück um mehr Zeit mit seiner Familie zu verbringen. Nur knapp drei Jahre später, in der Zwischenzeit traten auch seine stärksten Konkurrenten der Österreicher Felix Gottwald (März 2007) und der Finne Hannu Manninen (März 2008) zurück, beschloss Lodwick seine Ski wieder anzuschnallen und gewann auf Anhieb drei Rennen des Continental Cup. Und mit einem zweiten Platz im Weltcup Rennen in Oberhof machte er sein eindrucksvolles Comeback perfekt. Hannu Manninen beendete seine Karriere, um eine Pilotenausbildung zu beginnen. Als einer der erfolgreichsten Kombinierer gewann er insgesamt 45 Weltcupsiege, vier Gesamtweltcups, wurde Mannschaftswelt- und Olympiasieger sowie Weltmeister im Einzel. Bei seinem Comeback im finnischen Kuusamo im November 2009 erreichte er trotz stark reduziertem Training sofort einen zweiten Platz und gewann am nächsten Tag seinen 46. Weltcup. Da er nebenbei weiterhin an seiner Pilotenlizenz arbeitet, nimmt er nicht an allen Weltcuprennen teil und richtet seine Konzentration auf das Highlight der Saison in Vancouver.
Bereits nach seinem zweifachen Olympiasieg bei den Olympischen Spielen 2006 in Turin, so schreibt der Österreicher Felix Gottwald in seinem Buch: „Ein Tag in meinem Leben", dachte er über einen Rücktritt nach. Er verlängerte jedoch noch um ein Jahr und verließ den Weltcupzirkus nach der Saison 2006/2007 um als Unternehmer und Vortraggebender tätig zu sein. In seiner aktiven Zeit gewann er neben seinen Titeln bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften auch 20 Weltcuprennen und den Gesamtweltcup 2000/2001. Gottwald betonte gegenüber den Medien, dass es sich bei seinem Wiedereinstieg in den Weltcup in diesem Jahr nicht um ein Comeback sondern um einen Neuanfang handelt. Diesen musste er jedoch um eine Woche verschieben, da er beim Nordic Opening in Kuusamo mit Fieber das Bett hüten musste. Bei seinem Heimwettkampf in Ramsau am Dachstein belegte er jedoch gleich zweimal einen Platz auf dem Podest.
Auch wenn die drei Sportler unterschiedliche Strategien für die Erreichung Ihrer Ziele verfolgen, so haben doch alle aus demselben Grund wieder zu den Skiern gegriffen: aus Liebe zum Sport.
(Text: Katrin Brunner / Foto: Rainer Sturm by pixelio.de)
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