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Sport 26.03.09

Neue Regeln, neue Technik, neues Abenteuer

Text: Franziska Herr

altAuftakt der diesjährigen Formel 1 Saison
Viel Aufsehen erregten die Formel 1 Bosse in den letzten Tagen: Kurzfristige Regeländerungen mussten wieder zurückgenommen werden, weil die Teams sich dagegen wehrten. Am Wochenende geht es endlich wieder um das wirklich Sportliche: Das Auftaktrennen in Melbourne steht an. Mit vielen neuen Techniken und einem Geheimfavoriten.



Nur noch zweimal schlafen, dann beginnt für Millionen Fans auf der ganzen Welt die schönste Zeit des Jahres: Am Wochenende startet die Formel 1 mit dem Grand Prix im australischen Melbourne in die Saison 2009. Für die deutschen Fans heißt es dabei früh aufstehen, denn Training und Qualifikation am Samstag sowie das Auftaktrennen am Sonntag werden bereits ab sechs Uhr deutscher Zeit übertragen.

In insgesamt 17 Rennen suchen zehn Teams und ihre Fahrer bis zum 1. November wieder ihre Besten. Dabei findet das Saisonfinale zum ersten Mal in Abu Dhabi statt, die Wettbewerbe in Montreal und Magny Cours wurden gestrichen. Neben den altbekannten Rennställen wie der Scuderia Ferrari und McLaren Mercedes taucht dieses Jahr ein neuer Name auf: Brawn GP Formula One Team. Hinter dem vermeintlichen Neuling verbirgt sich das ehemalige Honda Racing Team, das Anfang März vom Management um Ross Brawn übernommen wurde.

Obwohl finanziell nicht unter den Stärksten zu finden, ließ der Rennstall in den ersten Testläufen mit dem Brawn BGP 001, an dem bereits seit 2007 gearbeitet wurde, aufhorchen. Rubens Barrichello und Jenson Button schockten die Konkurrenz mit Traumzeiten. Letzterer gilt unter den Buchmachern mittlerweile als Favorit auf den Sieg in Australien. Aber auch die anderen Teams zollen Brawn GP Respekt, und das nicht nur wegen der Leistungen auf der Strecke: Aufgrund der Finanzkrise und dem darauf folgenden Ausstieg von Honda verzichtete Jenson Button auf ca. 13 Millionen Euro, die ihm laut Vertrag zuständen, davon alleine fünf Millionen in diesem Jahr. Dafür könnte er nun mit dem zweiten Sieg seiner Karriere belohnt werden.

Doch die Neuerungen im Formel-Eins-Zirkus beschränken sich nicht auf ein einzelnes Team. Auch der Motorsport ist aufgrund der Wirtschaftskrise gezwungen Einsparungen vorzunehmen und so wurden zwischen den Saisons die wohl einschneidendsten Regeländerungen der Geschichte vorgenommen. Die spektakulärste davon ist KERS (Kinetic Energy Recovery System), ein Energierückgewinnungssystem. Die Energie, die während des Bremsvorgangs frei wird, wird in Akkus gespeichert und kann anschließend zusätzlichen Antrieb ermöglichen. Ziel des KERS ist es, die Formel-Eins-Wagen energieeffizienter und somit umweltfreundlicher zu gestalten.

Weitere Änderungen wurden im Bereich der Aerodynamik, der Reifen und des Motors vorgenommen. Der Frontflügel wurde von 140 auf 180 Zentimeter verbreitert. Die Drehzahl der Motoren wurde von 19.000 auf 18.000 Umdrehungen pro Minute beschränkt. Pro Saison darf ein Fahrer nur acht Motoren benutzen. Benötigt er mehr, wird er in der Startaufstellung um zehn Plätze nach hinten strafversetzt. Nach elfjährigem Verbot ersetzen die Slicks (profillose Reifen) in dieser Saison die Rillenreifen.

Testfahrten während der Saison wurden verboten. Eine Ausnahme bilden acht Aerodynamik-Tests auf Flughäfen. Auch die Testzeit im Vorfeld der Saison wurde beschränkt. Hier waren nur 20 Testtage und maximal 15.000 Kilometer erlaubt. Die Windkanäle der Teams dürfen nur noch 40 Stunden pro Woche betrieben werden.

Den Unmut der Fans und auch der Teams erregte letzte Woche die Entscheidung der FIA zur Punktevergabe beziehungsweise zum Gewinn des Weltmeistertitels. Nach dem Willen des Automobilweltverbandes sollte in der kommenden Saison nicht derjenige Weltmeister werden, der die meisten Punkte sammelt, sondern der, dem die meisten Siege gelingen. Diese Entscheidung wurde jedoch bereits vergangenen Freitag von der Teamvereinigung Fota gekippt. Als Begründung gaben die Fahrer und Teamchefs an, derart kurzfristige Änderungen bedürften der Zustimmung aller Teams. Da dies aber nicht der Fall war, gilt nun die alte Punkteregelung, wonach die ersten acht Fahrer punkten. Der Sieger erhält zehn, der Zweite acht Punkte. Unter den übrigen Platzierten werden ein bis sechs Punkte vergeben. Die neue Weltmeister-Regel ist damit aber noch nicht endgültig vom Tisch. In der Saison 2010 könnte die FIA ihr Vorhaben ohne Zustimmung der Teams durchsetzen.

Aber bis zu dieser möglichen Änderung ist noch Zeit. Für alle Teams ist zunächst einmal das Rennen in Melbourne richtungsweisend für die Saison. Werden die alt bekannten ganz oben stehen oder kann tatsächlich ein neu gegründetes Team den ersten Saisonsieg einfahren? Die Antworten gibt es erst am Sonntag.

Die Teams und Fahrer im Überblick
McLaren Mercedes: Lewis Hamilton, Heikki Kovalainen
Scuderia Ferrari: Kimi Räikkönen, Felipe Massa
BMW Sauber F1: Robert Kubica, Nick Heidfeld
Renault F1: Fernando Alonso, Nelson Piquet Jr.
Toyota Racing: Jarno Trulli, Timo Glock
Scuderia Toro Rosso: Sebastien Buemi, Sebastien Bourdais
Red Bull Racing: Mark Webber, Sebastian Vettel
Williams: Nico Rosberg, Kazuki Nakajima
Force India F1: Adrian Sutil, Giancarlo Fisichella
Brawn GP Formula One Team: Jenson Button, Rubens Barrichello

(Text: Franziska Herr / Foto: Miriam Keilbach)

Kommentare

avatar M.
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Klasse Text, steht alles wissenswerte drin!
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avatar Miriam
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Und der Geheimfavorit startet von der Pole ;-)
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avatar Tobi Wieland
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Spricht man über Brawn GP, sollte auch das Wort Diffusor fallen. Kers wird übrigens (noch) nicht von allen Mannschaften verwendet.
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avatar Franziska
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Da geb ich dir Recht Tobi, den Diffusor hab ich hier außer Acht gelassen.
Wegen KERS muss ich zugeben, dass mir das entgangen ist, dass es noch nicht von allen Teams verwendet wird. Hab mich erst recht kurzfristig tiefer in das Thema KERS eingelesen, wusste vor dem Artikel zwar, was es bewirkt, aber nicht genau, wie. Danke für die Info :-)

Und ein großes JUHU für Jenson!
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