Sie trotzen allem, was sich in den Weg stellt. Manipulationsvorwürfe der internationalen Spiele seit 2000, die von einem Ligarivalen kundgetan wurden. Dem Wechsel-Coup um Welthandballer Nikola Karabatic, der mit der Absage von Zvonimir „Noka“ Serdarusic wohl doch nicht zu den Rhein-Neckar Löwen wechseln wird. Und vorübergehendes Verletzungspech, das Børge Lund, Nikola Karabatic und Stefan Lövgren für mehr oder weniger lange außer Gefecht setzt. Dennoch ist der THW in dieser Saison weder in der Bundesliga, noch in der Champions League, noch im DHB-Pokal geschlagen worden. 22 Siege in Serie in der Bundesliga bedeuten einen neuen Rekord. Lediglich am ersten Spieltag gaben sie einen Punkt gegen den TSV Dormagen ab.

Obwohl der deutsche Handball derzeit in einer Krise steckt, da mit der HSG Nordhorn nach dem TUSEM Essen der zweite Verein pleite ist und die Bestechungsvorwürfe gegenüber dem THW imageschädigend für die Sportart waren, spielt eine Mannschaft mit Lust und Leidenschaft. „Wir versuchen eben, aus jedem Spiel das Beste zu machen“, erklärt der Schwede Kim Andersson. „Ich weiß nicht genau, was wir anders machen als die anderen. Aber das Team funktioniert. Wir spielen zusammen und wir kämpfen füreinander. In unserer Mannschaft haben wir nur super Spieler, trotzdem hat jeder seine eigene Rolle, die er gut erfüllt.“ Auch Landsmann Marcus Ahlm sieht das ähnlich: „Es macht einfach viel Spaß, in diesem tollen Team zu spielen. Wir haben einen echten Zusammenhalt.“
Der aktuelle Weltmeister und Olympiasieger Thierry Omeyer schließt sich an: „Wir sind sehr gut, wir spielen sehr konzentriert. Jeder Spieler will seine Leistung bringen. Die Stimmung ist einfach sehr gut und man sieht auf dem Feld, dass es Spaß macht, in dieser Mannschaft zu spielen.“
Dass der THW die Tabellenspitze anführt, ist nicht ungewöhnlich. Die Dominanz aber, mit der er in dieser Saison die Gegner deklassiert, ist neu. 43:1 Punkte, das gab es in der Geschichte der Bundesliga noch nicht. Die Ziele im deutschen Oberhaus bleiben hoch. Nationalspieler Dominik Klein holt sich die Motivation für das Siegen aus dem einen Punkt, der auf der Gegenseite steht: „Unser Ziel ist es, den einen Punkt zu verteidigen. Wir wollen mit nur einem Verlustpunkt in die Zielgerade einkehren.“
Dieses Unterfangen hält der isländische Trainer Alfred Gislason, der erst vor dieser Saison das Erbe vom erfolgreichsten Bundesligatrainer aller Zeiten, Zvonimir „Noka“ Serdarusic, antrat und mit einem derartigen Auftrumpfen seines Teams nicht rechnen konnte, allerdings für nahezu unmöglich. „Die Meisterschaft ist sehr wichtig und es kann noch immer viel passieren. Natürlich würde ich die Liga gerne mit nur einem Minuspunkt beenden, aber das wird schwierig. Wir haben in Hamburg, Lemgo, Nordhorn und Göppingen noch schwere Spiele vor uns.“ Außerdem ist bei der Vierfach-Belastung der Spieler, durch Bundesliga, Champions League, DHB-Pokal und Nationalmannschaft, die Verletzungsgefahr hoch: „Ich hoffe, dass nicht noch mehr Verletzte dazu kommen, sonst wird die Anstrengung für die anderen zu hoch.“

Dennoch ist das Ziel klar definiert. Wer die Liga mit 43:1 Punkten anführt, kann nur die Meisterschaft und den DHB-Pokalsieg anvisieren. Und wer gegen den aktuellen Champions League Sieger mit sieben Toren Differenz gewinnt, hat auch in der Königsklasse die Favoritenrolle inne. „Wir sind Sportler. Es liegt in unserer Natur, dass wir jedes Spiel gewinnen wollen“, sucht Thierry Omeyer nach dem Erfolgsgeheimnis. Und das kann in dieser Saison nur die Wiederholung des Tripples, dem Gewinnen aller drei Titel, aus dem Jahre 2007 bedeuten.
Der isländische Trainer Gislason, der vom SC Magdeburg an die Förde kam, weiß, was er an seiner Mannschaft hat. „Das Team hat schon im Vorfeld gut gearbeitet, es ist eine sehr homogene, aber auch lebendige Mannschaft. Einfach eine außergewöhnliche Truppe.“ Aber auch sportlich kann den THW scheinbar nichts aus dem Konzept bringen: „Unser Gerüst steht gut, auch wenn einzelne Spieler ausfallen. Die Mannschaft zeichnet aus, dass die anderen sich in so einem Fall dann noch mehr konzentriere

n und sich noch mehr zusammenraffen. Sie haben einfach eine unglaubliche Siegermentalität“, sagt der Coach, der vom Erfolg seiner Truppe selbst ein wenig überrascht sein dürfte. „Ich muss die Jungs gar nicht motivieren. Sie sind sofort auf das nächste Spiel fixiert und vergessen alles andere sofort. Das ist der Charakter dieser Mannschaft.“
Aber vielleicht ist es die Bescheidenheit, die das Team trotz ihrer Dominanz so stark macht. „Motivation ist bei uns kein Problem, dafür sind wir nicht die Typen. Wenn wir aufs Feld gehen, wollen wir auch siegen“, sagt Kreisläufer Ahlm. Und so werden sie wahrscheinlich weiter siegen, bis eine andere Mannschaft stärker ist oder die Zebras einfach einmal einen schlechten Tag haben.
(Text und Fotos: Miriam Keilbach)
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