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Sport / Handball 16.01.09

"Wir haben uns vorgenommen, den Titel zu verteidigen"

Text: Miriam Keilbach

dominikInterview mit dem Handballer Dominik Klein
Heute Abend beginnt in Kroatien die Handball Weltmeisterschaft. Das deutsche Team um Trainer Heiner Brand hat einen Titel zu verteidigen, denn im eigenen Land wurde man 2007 Weltmeister. Linksaußen Dominik Klein erwähnt gegenüber back view, dass es schon im ersten Spiel gegen Russland hart wird.

Sie war etwas anders, die Vorbereitung auf das Handballereignis des Jahres. Für gewöhnlich trifft sich die Nationalmannschaft, fährt ins Trainingslager und trainiert bis zum Turnierauftakt. Doch 2009 setzte Bundestrainer Heiner Brand auf Spielpraxis. Zwar kam das Team schon am 2. Januar zusammen, doch dann wurde getestet.

In Minden besiegte das Team, angeführt von einem starken Lars Kaufmann, zwar Griechenland, doch im deutschen Spiel waren noch grobe Mängel zu finden. In Kassel schlugen sie am Tag danach erneut die Griechen, dieses Mal mit einem souveränen Pascal Hens, aber erneut gab es viel zu kritisieren. Nach einem kurzen Trainingslager im SportCentrum Kaiserau, standen wieder Testspiele an. Beim Abschiedsspiel von Markus Baur etwa, in Stuttgart, bei dem Spielmacher Michael Kraus nach seiner Verletzung sein Comeback feierte.

Dann flog der Trupp nach Spanien zum Vier-Nationen-Turnier und einem echten Kräftemessen. Gegen Portugal siegten die Brand-Mannen trotz einiger Fehler in der Abwehr noch deutlich. Gegen Handballzwerg Argentinien mühte man sich zu einem Drei-Tore-Sieg und gegen Spanien war man letztendlich chancenlos. Zwar spielte das deutsche Team recht gut, doch mit einem Ergebnis von 17:28 reichte es nur zu einem Platz hinter den Spaniern.

Nach der Testserie reiste die Mannschaft am Mittwoch nach Kroatien. „Alles in allem war das dieses Mal schon eine etwas andere Vorbereitung als sonst. Im Endeffekt haben wir mehr Spiele als Trainingseinheiten absolviert. Aber das muss reichen", gibt sich Linksaußen Dominik Klein gegenüber back view kämpferisch und fügt hinzu. „Wir haben uns vorgenommen, den Titel zu verteidigen. Kommen wir ins Halbfinale ist alles drin."

Nach den für einen Weltmeister eher schwachen Testspielen und einem weniger guten Abschneiden bei der Europameisterschaft in Norwegen und bei den Olympischen Spielen in Peking im vergangenen Jahr haben andere Teams die Favoritenrolle inne. Olympiasieger Frankreich zum Beispiel, oder Kroatien, die im eigenen Land endlich den ganz großen Triumph schaffen wollen. „Bei einem solchen Turnier sind viele Faktoren ausschlaggebend. Deshalb kann es sein, dass ein Überraschungskandidat, wie auch wir es sind, auf dem Treppchen ganz oben steht", so der 25-Jährige vom Seriensieger THW Kiel.

Die Enttäuschungen des letzten Jahres hat das Team hinter sich gelassen. Bei der Europameisterschaft reihte sich Deutschland hinter Dänemark, Kroatien und Frankreich auf dem vierten Platz ein. In Peking war hingegen schon in der Vorrunde Schluss. „Man muss das wegstecken, bei einer derart hohen Spiel- und Turnierfrequenz. Man sollte sich nicht lange negativ mit einer solchen „Pleite" beschäftigen. Man muss das Positive mitnehmen und aus den Niederlagen lernen." In dieser Phase ist das Team laut dem Kieler gerade, doch er ist optimistisch: „Wir sind eine junge Turniermannschaft und können noch acht Jahre so zusammenspielen." In der Tat, von der Weltmeistermannschaft von vor zwei Jahren sind nur noch wenige Spieler übrig.

Bei der WM wird es vor allem auf eine stabile Abwehr von Chef Oliver Roggisch und eine gute Chancenverwertung ankommen. Holger Glandorf und Pascal Hens sind die bekannten Hoffnungsträger, aber auch die Jungen müssen sich einfügen und können eigentlich befreit aufspielen. Martin Strobel und Sven-Sören Christophersen zum Beispiel. Außen werden die beiden erfahrenen Nationalspieler Dominik Klein und Torsten Jansen gebraucht. Johannes Bitter, Carsten Lichtlein und Silvio Heinevetter sollen im Tor den nötigen Rückhalt gewähren. Dass Spielmacher Michael Kraus zum Auftakt verletzungsbedingt pausieren muss, ist ein herber Rückschlag für die Mannschaft. Aber Deutschland ist gewohnt, sich zu Turnierbeginnen mit Verletzungen herumzuschlagen, so war es in den letzten Jahren immer. Doch wird sich erst zeigen, wie sich die Mannschaft ohne die Routiniers Henning Fritz, Markus Baur, Christian Schwarzer und Florian Kehrmann machen wird.

Während heute die Heimmannschaft gegen Südkorea das Turnier eröffnet, wird es für die Deutschen morgen im Spiel gegen Russland ernst. „Wir denken nur an dieses Duell. Mit Russland haben wir zum Auftakt natürlich einen richtig starken Gegner erwischt", erwähnt Klein. Russland ist neben Polen und Deutschland Favorit in der Vorrundengruppe. Doch alles andere als ein Weiterkommen bei weiteren Gegnern wie Tunesien, Mazedonien und Algerien wäre eine große Enttäuschung. Vorbereitet wird sich nicht nur physisch: „Ich denke, dass uns Heiner Brand noch das ein oder andere Video vorspielen wird."

Da drei Mannschaften in die Hauptrunde einziehen, sollte das ein Minimalziel für die Deutschen sein - am besten ohne Verlustpunkte. Denn die Punkte aus den Vorrundenspielen, die gegen ein Team erzielt wurde, das ebenfalls in die Hauptrunde einzieht, werden mit in die Hauptrunde genommen. Dort würde voraussichtlich mit Europameister Dänemark die erste Herausforderung warten. Auch die nicht favorisierten Norweger, Serben und Ägypter dürfen sich Hoffnungen auf die Hauptrunde machen, weshalb das Wort Halbfinale im deutschen Fanlager nur all zu gerne fällt. Doch von den Spielern unterschätzt die Gegner keiner. „Vom ersten Tag an müssen wir kämpfen und gar nicht erst an das Halbfinale denken. Wenn wir es schaffen, dorthin zu kommen, haben wir schon wahnsinnig viel erreicht", versucht Klein die hohen Ansprüche herunterzuschrauben.

Dennoch weiß jeder um den Stellenwert des diesjährigen Turniers. Denn erstmals werden die Spiele der deutschen Handballnationalmannschaft im privaten Fernsehen ausgestrahlt. RTL sicherte sich nach der siegreichen WM in Deutschland 2007 die Rechte an der WM in Kroatien. Und dass es dort um den Erfolg geht, ist kein Geheimnis. Stimmen die Ergebnisse des deutschen Teams, stimmen die Einschaltquoten. Und darum geht es RTL. Mit einem schlechten Abschneiden in Kroatien wird der TV-Sender keinen Gewinn machen. „Generell müssen wir uns als Handballer schon freuen, wenn Spiele im Fernsehen übertragen werden. Dass dies nun RTL in die Hand genommen hat, ist toll. Denn was sie bisher auf die Beine gestellt haben, ist mehr, als man erwarten kann", so Dominik Klein. Er weiß, dass es jetzt um alles geht. Und er weiß, dass es einen Titel zu verteidigen gibt.


Der DHB Kader:
Tor: Johannes Bitter (HSV Hamburg), Carsten Lichtlein (TBV Lemgo) und Silvio Heinevetter (SC Magdeburg)
Rückraum: Pascal Hens (HSV Hamburg), Michael Müller (TV Großwallstadt), Martin Strobel (TBV Lemgo), Holger Glandorf (HSG Nordhorn), Sven-Sören Christophersen (HSG Wetzlar), Michael Kraus (TBV Lemgo) und Lars Kaufmann (TBV Lemgo)
Kreis: Oliver Roggisch (Rhein-Neckar Löwen), Sebastian Preiß (TBV Lemgo) und Jens Tiedtke (TV Großwallstadt)
Außen: Dominik Klein (THW Kiel), Torsten Jansen (HSV Hamburg), Christian Sprenger (SC Magdeburg) und Stefan Schröder (HSV Hamburg)


Die deutschen Vorrundenspiele:
17. Januar       Deutschland - Russland (ab 16:45 Uhr)
18. Januar       Tunesien - Deutschland (ab 16:45 Uhr)
19. Januar       Deutschland - Algerien (ab 17 Uhr)
21. Januar       Mazedonien - Deutschland (ab 17 Uhr)
22. Januar       Deutschland - Polen (17 Uhr)


(Textund Fotos: Miriam Keilbach)

 

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