Sport / Fußball 25.05.09
Text: Robert Reiche
Felix Magath war beim VfL Trainer und Manager in Personalunion, ein Novum im deutschen Profifußball. Doch so war es ihm möglich, sich einen Kader nach seinen persönlichen Wünschen und Vorstellungen zusammenzustellen. Zu diesen Personalien gehörten letztendlich Grafite, Misimovic und Dzeko, die absoluten Topspieler der Saison. Magath baute den Kader von Grund neu auf und schaffte den Sprung zur Meisterschaft nach nur zwei Jahren im Amt.
Doch nun sucht der Erfolgsgarant sein Glück beim krisengeschüttelten FC Schalke 04. Und auch einige Spieler scheinen für sich keine große Zukunft beim VfL zu sehen. Der Meistertitel steigert eben auch im Ausland das Interesse nach eben jenen Spielern, die am Erfolg beteiligt waren. Und von dort könnte auch das ganz große Geld in die Autostadt fließen, obwohl der Verein das dank seines VW-Konzerns im Rücken gar nicht nötig hätte.
Warten wir vorerst noch ab mit Spekulationen und planen wir einmal mit dem jetzigen Team. Keine Frage, die einzelnen Positionen sind beim VfL jeweils überragend besetzt, doch die volle Stärke erreicht erst das Kollektiv. Deshalb muss man konstatieren, dass Wolfsburg auch in der nächsten Saison absolut das Potential hat in der Ligaspitze mitzuspielen. Auch der neue Trainer Armin Veh, der ja bereits vor zwei Jahren den VfB Stuttgart zur Meisterschaft führte, dürfte in Wolfsburg erst einmal mit nicht allzu vielen Problemen zu kämpfen haben. Die einzige Gefahr für Wolfsburg besteht nicht im eigenen Handeln, sondern in dem der anderen Vereine. Denn die großen Clubs der Liga, angeführt vom FC Bayern, werden sich zur kommenden Saison deutlich verstärken müssen, um selbst wieder die Liga dominieren zu können. Ob sich der VfL allerdings an einem solchen Wettrüsten beteiligen möchte, ist fraglich - „never change a winning team" lautet die Devise.
Mit Spannung kann man auch auf das Abschneiden in der Champions League blicken, denn zumindest die internationale Erfahrung fehlt den Wolfsburgern fast gänzlich. Stuttgart schied nach der letzten Meisterschaft sang- und klanglos aus dem Wettbewerb aus und man kann nur hoffen, dass der VfL dort ähnliche Leistungen zeigen wird wie in dieser Bundesligasaison.
Interessant dürfte auch sein, ob sich das Trainer-Manager-Personalunion-System von Felix Magath in der deutschen Liga durchsetzen könnte. In England wird dies bereits seit Jahren von den großen Clubs praktiziert und auch in Deutschland könnten sich aufgrund des Erfolgs der Wölfe noch einige willige Nachahmer finden lassen. Armin Veh wird als Trainer und Manager das Erfolgskonzept von seinem Vorgänger Magath übernehmen."
Es wird also hoffentlich spannend bleiben in der Liga und wer würde sich nicht regelmäßig ein ähnliches Saisonfinale wünschen wie in dieser Spielzeit, in dem noch drei Mannschaften Meister werden konnten und die Spitze eng wie selten zuvor war. Diese Entwicklung dürfte nicht nur den Topteams, sondern jedem Fußballfan in Deutschland gut gefallen haben.
(Text: Robert Reiche)
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