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Sport / Fußball 11.05.09

Der Ausgang der nordischen Festspiele

Text: Robert Reiche

„Nimm du, ich hab ihn sicher!" - Die Fußballkolumne
Vier mal in den letzten 19 Tagen trafen der SV Werder Bremen und der Hamburger SV aufeinander. Die Bremer konnten sich hierbei mit drei Siegen für zwei ausstehende Finals qualifizieren, Hamburg hingegen trauert um den verkorksten Saisonendspurt. Eine Geschichte über Bremer Freude und Hamburger Leiden.

Viel wurde im Vorfeld über die historisch einmaligen Derbywochen berichtet. Denn für beide Mannschaften war klar, dass der Ausgang dieser Spiele auch über das sportliche Schicksal der kommenden Saison entscheiden würde. Denn während der Hamburger SV mit DFB-Pokal, UEFA-Cup und Meisterschaft noch in drei Wettbewerben vertreten war, tanzten die Bremer seit Monaten nur noch auf den beiden erstgenannten Hochzeiten und dümpelten im Mittelfeld der Liga herum.

Der Gesamtsieg nach den teils spektakulären Spielen ging letztendlich an den SV Werder Bremen, der damit in den Finals um DFB-Pokal und UEFA-Cup steht. Der HSV hingegen findet sich plötzlich nach weniger als drei Wochen um fast alle Titelchancen dieser Saison gebracht, denn die letzte Niederlage bedeutete gleichzeitig das Abrutschen auf Platz sechs in der Bundesliga. Somit lässt sich auch festhalten, dass Werder Bremen sogar zwei „raabsche Matchballspiele" auf die Teilnahme am UEFA-Cup für nächste Saison hat und dieses Ziel aus eigener Kraft erreichen kann. Die Hamburger hingegen können für einen Platz für die internationale Spielberechtigung nur noch auf einen Ausrutscher der Konkurrenz hoffen. Die Chancen auf die Meisterschaft sind auch nur noch rechnerisch vorhanden.

Doch gibt es auch neben den spielerischen Ereignissen einige erwähnenswerte Tatsachen, die die beiden Clubs während der Derbywochen in den Schlagzeilen hielten. Bei Werder Bremen stand in dieser Beziehung die Zukunft des brasilianischen Spielmachers Diego auf der Tagesordnung. Geht er, bleibt er, wohin, wie lang, und wieviel Geld holt Klaus Allofs als Entschädigung an die Weser, um einen adäquaten Ersatz zu verpflichten? Nach dem UEFA-Cup-Rückspiel hatten die Bremer Fans schon ihren zukünftigen Star in Form einer Papierkugel gefunden, der Werder die Ecke zum vorentscheidenden 3:1 einbrachte. Und weil Schadenfreude die schönste Freude ist, kugelte eine übergroße Kopie davon am Sonntag im Heimspiel gegen den HSV auf den Händen der Bremer Fans durchs Stadion. Ihren Platz im Bremer „Wuseum" hat die Papierkugel sich jetzt schon verdient.

Es schien zumindest vor den Nordderbys so, als wären die Hamburger in ihrer Situation gefestigter und abgeklärter als ihre Bremer Konkurrenten. Dieser Eindruck verfiel aber schon nach dem Aus im DFB-Pokal fluchtartig. Bei den Hamburgern ist besonders die magere Punkteausbeute aus den letzten drei Spielen negativ aufgefallen: Die Gegner Hertha BSC und Borussia Dortmund, direkte Konkurrenten in der Liga, stehen nun vor dem HSV. Doch auch hier schlägt die Personalsituation der nächsten Saison aufs Gemüt, denn mit Ivica Olic verlässt ein erfolgreicher Stürmer den Verein Richtung München. Kurios ist auch, dass Hamburg mit einem Torverhältnis von plusminus Null auf dem sechsten Tabellenplatz steht und damit in der gesamten Liga völlig aus der Reihe tanzt.

Es bleibt festzuhalten, dass die vergangenen Nordderbys sowohl die Bundesliga als auch die Pokalwettbewerbe mit Leben und Spannung erfüllt haben, wobei der SV Werder Bremen sich letztendlich auch verdient durchsetzen konnte und damit noch die Chance auf gleich zwei Saisontitel gewahrt hat. Der HSV wird dagegen seine Mühen haben, die Saison doch noch zufriedenstellend zu beenden.

(Text: Robert Reiche)

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