Sport /
Fußball
16.12.08
Text:
Matthias Hoffmann
Ein Kommentar zum Phänomen TSG Hoffenheim
Aufsteiger TSG 1899 Hoffenheim überwintert als Tabellenführer. Das Team von Ralf Rangnick hat 42 Tore nach 17 Spielen auf dem Konto. Mit Ibisevic führt ein Hoffenheimer die Torschützenliste an. Höchste Zeit also, sich diesem Phänomen kritisch zu widmen.
Die nackten Zahlen bestätigen sich, wenn man ein Spiel der neuerdings 1899 genannten Sportgemeinschaft betrachtet. Es gibt im Prinzip nur eine Richtung: Gegnerisches Tor. Hoffenheim brennt auf dem Platz ein Feuerwerk ab. Erfrischender Offensivfußball, stetes Nachsetzen und erschreckend wenig Rückpässe kennzeichnen die Spielweise des Provinz-Clubs. Ob das Team dieses Tempo auch in der Rückrunde beibehalten kann, bleibt abzuwarten. Nimmt man jedoch sowohl Vereins- als auch Anti-Hoffenheim-Brille ab, muss ein jeder Fan sich eingestehen, dass das der Fußball ist, den er von seiner Mannschaft sehen möchte.
Sportlich ist Hoffenheim in der ersten Liga angekommen, doch längst nicht alles ist erstligareif. Erschreckend, was dem Gästefan bei der noch in Mannheim spielenden TSG geboten wird. Der Gästebereich wird in einer selten vernommenen Lautstärke mit Musik a la Scooter beschallt. Der Stadionsprecher verkündet voller Stolz, dass „fast 600 Hoffenheimer in Bremen waren – Waaahnsinn!“ Ja, der absolute Wahnsinn.
Ein erstes Anzeichen fehlender Fanstrukturen wird direkt vor Anpfiff deutlich. Hoffi, das Hoffenheimer Maskottchen, läuft vor den Block der Aktiven – der kleiner als so manch Gästebereich ist – und der Block lässt sich von einem Elch dirigieren. Schlimmer kann es eigentlich nicht werden. Kann es doch. Eine Blockfahne mit Dietmar Hopps Konterfei, dazu ein Spruchband mit den Worten „Wir sind alle Hopp“. Man muss sich ernsthaft fragen, ob die Leute dafür bezahlt werden. Schlussendlich genügt ein Blick auf die Gründungsdaten der wie Pilze aus dem Boden geschossenen Fanclubs, um Gewissheit zu erlangen: Fanszene nicht vorhanden. Aber zur TSG sind alle schon vor über zehn Jahren gegangen – ist klar…
Spielerisch ist Hoffenheim eine Bereicherung der Liga. Dass dafür eine nicht versiegende Geldquelle in großem Maß verantwortlich ist, soll nicht Gegenstand des Kommentars sein. Rangnick und sein Betreuerstab verfolgen ein Konzept und leisten schlichtweg gute Arbeit. Schlechte Stimmung und deplatziert wirkende Zuschauer sind die andere Seite des Konstruktes Hoffenheim. Es ist schwer vorstellbar, dass sich hier jemals eine mündige, kreative und leidenschaftliche Fanszene entwickeln kann.
(Text: Matthias Hoffmann)
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