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Sport / Fußball 11.11.09

Niemals geht man so ganz

Text: Miriam Keilbach

Zum Gedenken an Nationaltorwart Robert Enke
Es gibt Momente, in denen man die Augen schließt und hofft, dass man nur schlecht geträumt hat. Gestern und heute waren solche Tage. Für alle Fußballer, Fußballfans und Menschen. Robert Enke war bewundert von Tausenden, als Fußballstar umjubelt von Millionen und geachtet und geliebt als Mensch. Trotzdem war er alleine. Ganz alleine, als er sich gestern Abend um 18:17 das Leben nahm.  

Deutschland trauert um einen großartigen Fußballer und Menschen. Um einen, der nicht in einer Altbau-Villa wohnte und ein schickes Auto fuhr. Um einen, der mit acht Hunden, seiner Frau Teresa und seiner kleinen Adoptivtochter Leila auf einem Bauernhof wohnte. Nicht im schmucken Hannover, sondern in einem kleinen 600-Einwohner-Dorf.

Es wurde viel gesagt und geschrieben in den letzten 24 Stunden. Über Robert Enke. Seinen Selbstmord. Seine Familie. Den frühen Tod seiner zweijährigen Tochter Lara vor drei Jahren. Seine Karriere. Seinen Verein Hannover 96.

Aber nichts kann den Schmerz beschreiben, den seine Frau Teresa Enke spürt. Wenn der Tod des eigenen Kindes das schlimmste ist, was einem Menschen passieren kann - was ist die Steigerung davon? Was ist, wenn das Kind und der Mann sterben? Wenn alle das Wort Freitod benutzen, obwohl es kein frei gewählter Tod war. Weil er für die Öffentlichkeit immer ein Mensch sein musste, der er gar nicht war: Stark und stabil.

Robert Enke war für seine Fans und Freunde, für alle da. Nach dem Tod von Lara half er anderen Eltern, deren Kinder die gleiche Krankheit hatten. Für seine kleinsten Anhänger nahm er sich immer Zeit - regelmäßig war er der letzte Spieler, der in die Kabine kam, weil auch jeder sein Autogramm bekommen sollte.

Dabei hat er aus Angst verheimlicht, was sein Leben bestimmte. Depressionen. Das dunkelste aller Kapitel. Sie dachten, mit Liebe kann man es schaffen. Die bewegenden Worte der Witwe Teresa. Die sich heute den Respekt einer ganzen Nation verdiente. Irgendwann in den vergangenen Tagen scheint Robert Enke den Glauben daran verloren zu haben. Als er sich bei Neustadt in Niedersachsen vor einen Zug stellte. Und mit seinem Leben auch das von anderen zerstörte, ohne, dass er sich aufgrund seiner Krankheit darüber noch hätte Gedanken machen können. 

Wie schrecklich muss sich ein Mensch fühlen, wenn er Angst davor hat, eine Krankheit zuzugeben, die doch eigentlich Volkskrankeit ist. Weil er Angst hat, das Jugendamt könnte ihn als schlechten Vater sehen und ihm die Tochter wegnehmen. Dabei, so sagt seine Frau, war er der beste Vater für seine Tochter Leila.

Die Frage nach dem Warum steht im Raum. Doch beantworten kann sie niemand. Viele müssen nun lernen, mit dem Tod eines Freundes umzugehen.

Und zum ersten Mal zeigte der Fußball Größe und Menschlichkeit. Zum ersten Mal hieß es nicht "Er hätte gewollt, dass wir spielen." Zum ersten Mal darf getrauert werden - zum ersten Mal wird getrauert. Ein weinender Oliver Bierhoff, stellvertretend für die ganze Mannschaft. Vielleicht hatte sein Tod doch etwas Gutes - vielleicht wird der Fußball jetzt menschlich. Vielleicht verstehen wir bald wieder, dass hinter den Spielern, die für Millionen verkauft und verliehen werden, doch auch nur Menschen stecken.

In Gedanken an Robert Enke, seine Frau Teresa, die Tochter Leila und alle Angehörigen und Freunde.  

Kommentare

avatar Leoni
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Ganz toller Artikel, Danke für diesen Nachruf.
Wir werden Robert nicht vergessen!
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