Sport / Fußball 19.10.09
Text: Tobias Wieland
Gelb-rot - Die FußballkolumneEs gibt Mannschaften, die man ohne langes Überlegen sofort und in jeder Spielzeit zu den Abstiegskandidaten zählt. Energie Cottbus gehört beispielsweise in diese Kategorie. Nie gelang es den Lausitzern besser als Rang 13 in Liga eins abzuschneiden. Der Kampf um den Klassenerhalt ist fast schon Bestandteil der Klubidentität, gehört man dem Fußball-Oberhaus an. Übermäßige Unruhe erzeugt er zumeist nicht.
Ganz anders stellt sich die Lage bei Vereinen dar, die mit weit höheren Ambitionen in eine Saison starten, sich nun aber in den Tiefen der Tabelle wiederfinden. Mit dem VfB Stuttgart spielt eines dieser Sorgenkinder nach Position drei im Vorjahr gar in der Königsklasse. Auch dort bekleckerten sich die Cannstatter nicht mit Ruhm. Einem überaus vermeidbaren 1:1 im Heimspiel gegen Glasgow folgte ein ebenso unnötiges Remis in Rumänien. Der Europapokal muss kein Segen sein, auch wenn er reichlich Geld in die Taschen spült.
Der Elf fehlt es im Moment an Führungsspielern. Eckpfeiler wie Thomas Hitzlsperger oder Serdar Tasci befinden sich von ihrer Bestform derzeit so weit entfernt wie die gesamte Truppe von der Tabellenspitze. Die hoch gehandelten Neuzugänge wurden erst spät integriert, Alexander Hleb ist zudem von Verletzungen geplagt. Scheitert mit Markus Babbel ein weiterer Übungsleiter an der Doppelbelastung Trainer-Lehrgang/Bundesliga? Trotz zumindest kämpferischer Einstellung gegen Schalke bleiben die Anhänger kritisch, hielten sich mit Pfiffen jedoch zurück. „Sie haben sich mal wieder in die Kurve getraut", dachten einige von ihnen über ihre Mannschaft. Und meinten den mittlerweile obligatorischen Marsch nach Spielende in Richtung der Unterstützer, der in Krisenzeiten nicht mehr ganz so selbstverständlich ist.
Dies ist momentan auch bei der Berliner Hertha der Fall. Als Einziger suchte Mittelfeldrackerer Patrick Ebert den Dialog mit der Anhängerschaft. Das Gespräch dürfte ein schnelles Ende gefunden haben, ist das Hauptübel der Hauptstädter doch offensichtlich: Kein Kampf, kaum Aufbäumen gegen eine drohende Niederlage. Und man mag Friedhelm Funkel beinahe bedauern die Nachfolge von Lucien Favre angetreten zu haben. Dem Schweizer, der sich mit seiner akribischen Vorliebe für das Detail ins Aus manövrierte. Es war abzusehen, dass die Herthaner ihren Siegeszug aus der vorherigen Runde nicht würden fortsetzen können. Eine wohl einmalige Gelegenheit auf den Meistertitel wurde ausgelassen. Nun stehen erneut bittere Zeiten an.
Die kurioseste Szene des Wochenendes - sieht man von dem Eigentor des Freiburgers Du-Ri Cha ab - ereignete sich derweil in Wolfsburg. Allerdings auf Seiten der Gäste aus Mönchengladbach. Noch so ein Abstiegskandidat. Neuzugang Raul Bobadilla machte für die Fohlen nun wirklich kein schlechtes Spiel. Was ihn jedoch geritten hat aus gut 16 Metern mit der Hacke abzuschließen, als die Wölfe Madlung und Benaglio schon geschlagen am Boden lagen, das dürfte ihm Schwierigkeiten bereiten seinen Vorgesetzten näher zu bringen. Bobadilla verwies auf einen vermeintlichen Pfiff des Schiedsrichters. Übungsleiter Michael Frontzeck und Sportdirektor Max Eberl dürfte diese Erklärung wohl kaum zufriedenstellen. Als die beiden zum ersten Mal in der Bundesliga aufliefen, gab es das Wort Hacke noch gar nicht.
Nun ist freilich nicht davon auszugehen, dass sich ein Verein wie der VfB auf Dauer in den Niederungen des Tableaus befindet. Doch für so manchen Klub stellt sich die Lage schon zu dieser frühen Zeit der Saison als bedenklich dar. Für die Bochumer beispielsweise, die sich im Auswärtsspiel in Dortmund einmal mehr auf fremdem Terrain an Harmlosigkeit übertrafen. Und vielleicht gibt es für einige Erstligisten ein schnelleres Wiedersehen mit Cottbus, die derzeit Platz zwölf im Fußball-Unterhaus belegen, als sie sich vorstellten. Dann in Liga zwei.
(Text: Tobias Wieland / Zeichnung: Christina Koormann)
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