Sport / Fußball 12.10.09
Text: Robert Reiche
Gelb-Rot - Die Fußballkolumne
Der deutsche Sieg im Spiel gegen Russland bedeutete für die DFB-Elf den direkten Einzug in die WM-Hauptrunde 2010. Die Russen hingegen müssen in zwei Playoff-Spielen nochmal alles geben, um auch nach Südafrika fliegen zu dürfen. Im Gipfeltreffen der Gruppe vier konnten sich auf deutscher Seite besonders Torwart René Adler, Spielmacher Mesut Özil und Stürmer Miroslav Klose auszeichnen. Sie waren mit ihrer individuellen Klasse der Garant für den deutschen Sieg.
Das soll die Leistung aller anderen Spieler jedoch nicht schmälern. Die Schlacht auf dem Kunstrasen im russischen Lushniki-Stadion wurde von allen Akteuren zusammen gewonnen. Der so oft thematisierte „Teamgeist" der deutschen Mannschaft passte diesmal. Dieser Zusammenhalt ist die Tugend, die deutsche Teams seit Langem an der Weltspitze hält. Das ist das Mittel, mit dem man gegen jede andere Elf der Welt gewinnen kann.
Eins ist klar: Die Qualifikation kann nicht die Messlatte für die bevorstehende Endrunde der Weltmeisterschaft sein. Gegner wie Liechtenstein, Aserbeidschan oder Wales haben nicht annähernd die Klasse der Teams, die die deutsche Truppe in Südafrika erwarten werden.
Diesmal fällt jedoch ein bedeutender Teil der WM-Vorbereitung weg, der noch 2005 für wichtige Erkenntnisse in Bezug auf die eigene Leistung gesorgt hat: der Confederations Cup. Dort waren ein Jahr vor der letzten Endrunde Argentinien und Brasilien Gegner der deutschen Mannschaft, und damals erkannte man schon, dass die Elf vom damaligen Bundestrainer Klinsmann sich vor niemandem verstecken musste. Die bittere 0:4-Niederlage in einem Vorbereitungsspiel gegen Italien führte schließlich wenige Monate vor der WM zu einem Systemwechsel, der sich während des Turniers auszahlte - Deutschland wurde immerhin Dritter.
Finnland, Chile und Ägypten - das sind die letzten Mannschaften, gegen die Deutschland noch im Jahr 2009 antreten wird. Und hier müssen drei Siege für die Truppe von Joachim Löw her. Unmittelbar vor dem Turnier in Südafrika sollte man sich aber nochmals nach höherwertigen Gegnern umsehen, um sich standesgemäß auf eine Weltmeisterschaft vorzubereiten. Das deutsche Team muss sich vor keiner Mannschaft auf der Welt verstecken und hat das Potential, wieder einmal Weltmeister zu werden.
Deutschland hat sogar noch einen großen Vorteil gegenüber vielen anderen Ländern: Es ist nicht nur von einer „goldenen Generation" abhängig. Denn während beispielsweise in Portugal oder Russland momentan die wohl stärksten Spieler seit Langem auftreten, kommen in Deutschland schon wieder neue „junge Wilde" nach, die den „alten Hasen" in nichts nachstehen. Die Generationen Ballack, Schweinsteiger und Adler spielen in einer Mannschaft zusammen und zeigen, dass Deutschland schon immer ein Land großartiger Fußballer war und es hoffentlich noch lange sein wird.
(Text: Robert Reiche / Zeichnung: Christina Koormann)
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