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„Spenden? Wozu denn bitte?“

Ein Auszug aus Diskussionsforen im Internet über Somalia

Was sagen die Jugendlichen zur Hunger-Katastrophe am Horn von Afrika? Bekommt man überhaupt mit, was sich dort unten zuträgt? Wie verhaltet ihr euch? Spendet ihr? Und hätte die Krise durch rechtzeitiges Eingreifen eigentlich verhindert werden können? back view hat in einem Online-Portal nachgeforscht und eure Antworten gesammelt.

User 1:
„Spenden? Wozu denn bitte? Damit die korrupten Machthaber sich noch mehr Geld in die Taschen stecken können und ihr Volk weiter hungern lassen? Man sollte denen beibringen, wie man anständig wirtschaftet, wie Landwirtschaft funktioniert. Aber wenn sie das Saatgut aufessen, anstatt es auszusäen, ist doch jegliche Hilfe vergebens. Sobald Afrika von Menschen regiert wird, die sich wirklich um ihr Volk sorgen, und sobald ich sehe, dass meine Spende ankommt, bin ich gerne bereit zu spenden. Momentan trifft keins von beidem auf Somalia zu, deswegen spende ich nicht.“

Kommentare zu User 1:
„Ich denke, auch ein afrikanischer Bauer hat das Prinzip von Saatgut und Aussaht und Ertrag im nächsten Jahr verstanden. Da braucht es keine Hilfe vom weißen Mann aus dem Norden. Wenn hingegen dem Bauern in der EU das Geld eimerweise in den Hintern geblasen wird, damit der Nordeuropäer auch weiterhin Salat, Bohnen und andere Feldfrüchte „made in EU“ genießen kann, wundert es nicht, wenn der afrikanische Bauer, trotz seinem Verständnis landwirtschaftlicher Zusammenhänge, sein Saatgut am Ende aufisst, weil er von dem Angebauten doch nix verkaufen kann. Wenn kein Wasser im Boden ist nützt alles nichts.

Des Weiteren stellt sich ja die Frage, wie man Menschen an die Macht bekommt, die sich „um ihr Volk kümmern“. Die Menschen dort unten so lange verhungern zu lassen bis ein uns genehmer Herrscher regiert, halte ich für wenig hilfreich. Lieber spende ich fünf Euro, von denen vielleicht nur zwei Euro zur Nahrungsmittelhilfe gelangen, als dass ich keinen Euro spende und somit auch kein Euro helfen kann.“

User 2:
„Ich spende schon, allerdings nur an offizielle Organisationen. Wenn man direkt ans Rote Kreuz oder WFP/UNHCR spendet, geht das Geld auch nur in deren Hilfsaktionen bzw. in die Transportkosten. Es kann gut sein, dass Hilfslieferungen von Rebellen oder Regierungstruppen überfallen und geklaut werden. Aber trotzdem finde ich, das ist eine ziemlich einfache Ausrede um wegschauen zu können.“

User 3:
„Mir bricht es jeden Tag das Herz, wenn ich die armen Kinder sehe. Trotzdem konnte ich mich nicht durchringen, zu spenden. Warum? Ich hab nicht das Gefühl, dass das irgendwas bringt. Wir – also Deutschland – spenden schon so lange immer wieder, aber die Länder kommen nicht auf die Beine. Sicher einerseits wegen der Machthaber, andererseits aber auch – das hab ich mal in einer Studie gelesen -, weil den Menschen nicht geholfen wird, sich selbst zu helfen.“

User 4:

„Ich halte mich über die Facebook-Seite vom UNHRC und über eine Freundin auf dem Laufenden, die im Dadaab Flüchtlingslager für die UN arbeitet und dort Pressearbeit macht. Ich habe einmal übers WFP für Somalia gespendet und einmal übers Rote Kreuz. Nicht viel, 40 Euro insgesamt. Aber ich denke besser als nix. Bei uns im Wohnheim sagen auch viele, wie schlimm es doch ist, allerdings will keiner spenden. Aber ich finde Studentenbudget hin oder her, wenn es einem scheinbar so nah geht, kann man doch fünf oder zehn Euro spenden.“

User 5:
„Ich bin gerade in der Lernphase und frage mich, wie es sein kann, dass ich meinen Tag damit verbringe stupide Gewinnmaximierungen durchzurechnen, während andere Menschen ums nackte Überleben kämpfen. Und das nicht aufgrund einer Katastrophe, sondern aus dem einfachen Grund nichts zu essen haben. Dass so was in der heutigen Zeit noch möglich ist, finde ich traurig. Und einzelne Spenden helfen da auch nicht wirklich. Mein Vorschlag: Die UN sammelt von allen Mitgliedsstaaten Geld ein und ruft eine Organisation ins Leben die den Hunger ein für alle mal beendet.“

Anmerkungen der Redaktion:
– Die Kommentare wurden Anonym abgegeben, dienen dennoch als Stimmungsbild im Internet.
– Zur Antwort von User 5: Für die Forderung gibt es schon Organisationen; wie zum Beispiel: http://www.fao.org; http://www.wfp.org; http://www.ifad.org.
– Zudem hat back view einen Filmtipp für euch: „We feed the world“ von Erwin Wagenhofer

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(Text: Julia Jung)
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Über den Autor

Julia Jung
Stellvertretende Chefredakteurin und Ressortleiterin English

Hauptberuflich ist Julia Weltenbummlerin, nebenberuflich studiert sie Politik. Wenn sie nicht gerade durch Australien, Neuseeland, Südafrika oder Hongkong reist, schreibt sie ein paar Zeilen für back view und das schon seit 2009.

Anzahl der Artikel : 40

© back view e.V., 2007 - 2017

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