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„Spenden sind nicht die richtige Lösung.“

Umfrage zum Titelthema „Hungersnot“

Bei Hungersnot denkt man vielleicht erst mal an Blähbäuche von afrikanischen Flüchtlingskindern in überfüllten Camps, an fragende Kulleraugen und Unicef-Anzeigen. Aber Hungern bedeutet auch Suppenküchen in der Stadt und prestigeträchtige Wohltätigkeitsveranstaltungen von Bürgermeistern. Sehen es die französischen Nachbarn genauso?

gautierGautier, 29, arbeitet bei Mc Donalds:
„In den Dritte-Welt-Ländern ist die Hungersnot ein großes Problem. Aber auch in den Industrieländern sollte man das Thema nicht vernachlässigen. Ich arbeite bei McDonald’s, da ist es etwas heikel über Hungersnot zu sprechen, so viel, wie wir immer wegwerfen müssen. Das tut weh, aber wir müssen das tun, wegen der Gesundheitsbestimmungen. Dort sterben die Leute vor Hunger, und wir schmeißen so viel Zeug weg. Das ist schon absurd.“

morganeMorgane, 18, studiert DUT GEA (etwa: Wirtschaft und Verwaltung):
„Es ist falsch, zu glauben, auf dieser Welt gäbe es keine Hungersnot mehr. In den afrikanischen Ländern sterben die Kinder an Hunger, sie leben auf der Straße und können sich nicht ernähren. Das liegt auch am fehlenden Geld. Die Lösung ist, ihnen mehr Essen zu schicken, wie es zum Beispiel Unicef macht. Sie senden ihnen Essen und Kleidung, damit sie überleben können.“

julienJulien, 22, studiert Sprachen und Wirtschaft im Master:
„Das Hauptproblem ist, dass die Ressourcen ungleich verteilt sind. Manche Länder haben mehr Geld und damit mehr Macht als andere. Die scheren sich nicht um gerechte Verteilung, sondern nur um Finanzen. Die Lösung wäre eine Gesellschaft, in der jeder mehr Wert darauf legt, mit anderen zu teilen, als auf den persönlichen Profit. Als einzelner Bürger kann ich jedoch wenig ausrichten. Ich denke nicht, dass Spenden die richtige Lösung sind.“

liseLise, 22, studiert Lehramt (Master):
„Ich weiß nicht, was ich zur Hungersnot sagen soll. Da denkt man ja nicht unbedingt drüber nach. Mir fällt nur das Beispiel der „restos du coeur“ ein (entspricht etwa den deutschen „Tafeln“ und „Suppenküchen“, A.d.R.), die sicher vielen Leuten helfen, indem sie sehr sehr günstige Mahlzeiten anbieten. Das Problem ist, dass es die Verantwortung vom Staat nimmt, obwohl es doch dessen Aufgabe sein sollte, dafür zu sorgen, dass niemand Hunger leidet. Das ist nicht die Aufgabe von Ehrenamtlichen.“

thomasThomas, 26, Jazz-Musiker (Saxophon):
„Klar ist die Hungersnot heute noch ein Problem. Die internationalen Institutionen müssen etwas in Gang setzen, damit in den armen Ländern mehr Landwirtschaft betrieben werden kann und ein vernünftiger und fairer Handel zustande kommt. Das Problem ist, dass es in vielen Ländern Bodenschätze gibt, die wir uns aneignen, ohne den Ländern etwas zurückzugeben. Den Ländern muss einfach mehr geholfen werden.“

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(Umfrage und Fotos: Anna Franz / Zeichnungen: Christina Koormann)
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Über den Autor

Anna Franz
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