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Spenden für Bedürftige! Wozu?

Viele Leute haben Angst vor kriminellen Organisationen

Immer häufiger schrecken Spendenskandale die Menschen ab, für soziale, kulturelle oder ökologische Projekte eine finanzielle Wohltat zu tun. Traditionelle Spender misstrauen plötzlich den Hilfsorganisationen, andere fangen erst gar nicht an, zu spenden. Die Angst, dass das Geld nicht ankommt, ist bei vielen zu groß.

Seien es die Spendenmarathons für soziale Projekte auf den Fernsehkanälen, die Aufrufe der großen Hilfsorganisationen im Internet oder die Aktivisten auf der Straße, die die Passanten als neue Spender gewinnen wollen: Spendenaktionen berühren die Gesellschaft heutzutage über alle vorhandenen Medien. Diese Reizüberflutung sorgt bei vielen Menschen für Unsicherheit und Unlust, überhaupt Organisationen mit kleinen Beträgen zu unterstützen.

Nach dem Motto „Auch, wenn ich spende, verändere ich die Welt nicht“ oder „Wenn ich für alle spende, werde ich selbst arm“ verbreitet sich in vielen Köpfen die Auffassung, das Spenden eher anderen zu überlassen. Man selbst weiß oft auch gar nicht, für welche Projekte es sich bei einer so großen Auswahl lohnt, für welche bedürftigen Gebiete man sich persönlich einsetzen will oder, wie viel Geld für eine Spende angebracht ist. Doch diese eher allgemeine Meinung vom Spenden hat vielleicht nur den geringsten Einfluss.

Ist die Spenden-Flaute der Euro-Krise geschuldet?
Vermutlich ist die Anti-Spenden-Haltung der Menschen der aktuellen europäischen Situation zuzuschreiben. Die Einsparungen und politischen Reformen wirken sich auf die Kaufkraft des Einzelnen aus, was ihn dazu führt, zweimal nachzudenken, ob er für den guten Zweck Geld gibt, da es ihn – drastisch ausgedrückt – mehr oder weniger selbst in die Rolle eines Bedürftigen bringt.

Doch der wohl größte Faktor ist die Angst, in eine Falle von Betrügern zu tappen, die gezielt die Spenden zum Eigenzweck verwenden. Denn organisierte Machenschaften von angeblichen Initiativen gab es schon immer. Ebenso stoßen hohe Verwaltungs- und Aufwandskosten von seriösen Einrichtungen auf Unverständnis der Menschen, deren Geld dadurch nur in sehr geringem Maße direkt in die Projekte einfließt.

Laut eines Artikels im STERN verlor UNICEF Deutschland 2008 einen großen Teil seiner Spender, da ihm Verschwendungen von Spendengeldern, die mit der einsetzenden schlechten Lage in Europa zu tun hatten, vorgeworfen wurde. Derartige Imageverluste prägen die Gesellschaft und vermindern den Willen zu spenden nachhaltig. Nur sehr schwer konnte das Kinderhilfswerk seinen Ruf wiederherstellen.

Bedeutet Spenden nie Sicherheit?
Der Verdruss gegenüber Spendenorganisationen in der Gesellschaft ist groß, wenn auch bei vielen Leuten eher geringwertig, da sie sich sagen, dass man jederzeit aufhören kann und es kein Fehler ist, nicht zu spenden.

Almosen sind freiwillig. Und wo kein Geld überwiesen wird, kann nicht betrogen werden. Betrüger sind ärgerlich, aber man muss sich nicht über sie ärgern. Sehr betroffen sind nur diejenigen, die mit hohen Beträgen an falsche Organisationen geraten. Weil sie sich nicht oder zu wenig informiert haben, bereuen sie die getätigte Überweisung oder Unterschrift.

Diese Angst ist berechtigt und, weil viele jahrelange Spender nicht wissen, wie sie sich besser informieren können, werden sie vielleicht nie wieder einer Organisation Geld zukommen lassen.

Zugegeben, die hundertprozentige Gewissheit, was mit jedem gespendeten Euro passiert, wird man nie haben, sobald er in den Geldtopf der Hilfsaktivisten landet. Möchte man diese absolute Gewissheit haben, müsste man persönlich zu einem Waisenhaus in  Tansania fahren, um ihm auf direktem Wege das Geld zu überbringen. Da der Aufwand zu groß ist, macht es für einzelne Privatpersonen keinen Sinn. Aber dennoch ist es nicht unmöglich, sich mit einem Gefühl der Sicherheit bei organisierten Hilfsgruppen finanziell zu beteiligen.

Wer sich informiert, kann Wunder bewirken
Spenden sind wichtige sozialpolitische Maßnahmen, die Projekten aller Art in bedürftigen Gebieten dazu verhelfen, sich eine gezielte Struktur aufzubauen, um sich eigenständig zu entwickeln und später auf weniger Spenden angewiesen zu sein.

Es zählt die Idee, die Anfangsphase eines Projekts zu fördern, damit es sich als entwickeltes Auffanggebiet für die bedürftige Gesellschaft etablieren und sich selbst organisieren kann. Schon aus diesem Grund lohnt es sich, zu spenden. Ein Kinderheim in Südafrika, das jahrelang besteht, ist ein voller Erfolg für den Spender. Er ist stolz, dafür Geld gegeben zu haben und will oft weiterhin für andere Projekte spenden.

Man sollte sich gut über die Hilfsorganisation informieren: Steht sie unter dem Spendensiegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI)? Welche Projekte werden wo gefördert? Wie hoch sind die tatsächlichen Profite und Verwaltungskosten? Oder handelt es sich um eine Non-Profit-Organisation? Wie vertraulich klingt die Webseite der Organisation? Kann man sich über die Hilfsprojekte direkt telefonisch informieren? Das alles sind wichtige Fragen, die beantwortet werden sollten, bevor eine Spende getätigt wird.

Der Verein „Schüler Helfen Leben“ (SHL), der vor 20 Jahren von Jugendlichen zur Unterstützung der Balkanländer während des Bürgerkrieges gegründet wurde, ermöglicht seinen Unterstützern zum Beispiel, neben dem klassischen Spenden, direkt für die Projekte zu arbeiten und auf diese Weise Geld zu sammeln. Auch haben sie die Chance, in die betroffenen Gebiete zu fahren, um die Projekte vor Ort kennen zu lernen.

Zeigen sich solche Aktionen von Organisationen, gibt es keinen Grund Misstrauen zu haben. SHL unterstützte unter anderem Jugendzentren in Serbien, Mazedonien und im Kosovo, die zugänglich für alle dort lebenden Bevölkerungsgruppen sind. Sie gelten als Treffpunkte für die verschiedenen nationalen Minderheiten, die seit dem Kriegsende 1999 von gegenseitigen Vorurteilen und Abneigungen geprägt sind. Die Gesamtsituation in den Ländern ist noch annähernd wie vor zehn Jahren, aber dennoch wurde in kleinem Maße das Unmögliche möglich gemacht.

(Text: Tom Pascheka)
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Über den Autor

Tom Pascheka
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