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Spannend und langweilig zugleich – geht das?

Frankreichs Kulturecke: DVD-Kritik zu „La Grande Illusion“ von Jean Renoir

„La Grande Illusion“ (zu deutsch: „Die groĂźe Illusion“) ist alt, ohne Zweifel. Den Film aus dem Jahr 1937 heben jedoch zwei Dinge von anderen Filmen ab: Das positive Bild, das er vom Krieg zeichnet, sowie seine spannende Entstehungsgeschichte.

Wer den Film in der Originalfassung ansieht und nicht gerade französischer Muttersprachler ist, wird mit der ungenĂĽgenden Tonqualität so seine Probleme haben. Kein Wunder, wurde der französische Klassiker doch bereits in den dreiĂźiger Jahren gedreht.Wer erfährt, dass die Geschichte in deutschen Kriegsgefangenenlagern spielt, wird zunächst an brutale Wachmänner denken, die mehr Monster als Mensch sind, an misshandelte Gefangene, zitternde Gestalten, von Wasser und ihrem eigenen SchweiĂź durchtränkt. Doch nichts von alldem wird in „La Grande Illusion“ gezeigt. Im Gegenteil, die drei gefangenen Helden vermitteln eher den Eindruck, als wĂĽrden sie einen angenehmen Urlaub zusammen verbringen. Da sie hohe Offiziere sind, essen sie oft besser als ihre deutschen Aufpasser und vergnĂĽgen sich mit einem TheaterstĂĽck. Trotz dieser vergleichsweise luxuriösen Behandlung haben sie nur ein wahres Ziel: die Flucht.

Warum dieses versöhnliche Bild der Deutschen?  „La Grande Illusion“ kam bereits 1937 in die französischen Kinos. Damals lag der zweite Weltkrieg mit all seinen Schrecken noch in der Ferne und erst danach entstand das Bild der brutalen deutschen Soldaten.  Der Regisseur Jean Renoir bediente sich seiner eigenen Erfahrungen aus dem ersten Weltkrieg, als er das Drehbuch zur „Grande Illusion“ schrieb. Ihm zufolge war es ein Krieg zwischen „guten Franzosen“ und „guten Deutschen“. Die Soldaten waren nicht verfeindet, lediglich die Länder, fĂĽr die sie kämpften, waren es. Diese gegenseitige Sympathie konnte Renoir selbst in Gefangenenlagern erleben und wollte mit dem Film die Realität zeigen, so wie er sie wahrgenommen hatte.

„La Grande Illusion“ ist ein pazifistisches Werk, da es die menschlichen Seiten der Gegner hervorhebt. Schon während der ersten AuffĂĽhrungen in den Kinos 1937 hatte der Film einen enormen Erfolg. Doch Deutschland und Italien verboten den Film im Handumdrehen, da er nicht ihr Ideal eines starken Nationalismus widerspiegelte: SchlieĂźlich zeigte der Film, dass alle Menschen, egal welcher Nationalität, die gleichen Werte, WĂĽnsche und Ă„ngste hatten. Dem französischen Staat wurde der Film nach einigen Jahren auch unheimlich, da er angeblich ein „pro-deutsches“ Bild vermittelte. So war der Publikumserfolg „La Grande Illusion“ kurz nach seinem Erscheinen sowohl in Deutschland als auch in Frankreich verboten.

Als sich Europa nach dem zweiten Weltkrieg wieder in einem jungen vorsichtigen Frieden befand, kam der Film erneut in die Kinos. Dieses Mal mit weniger Erfolg. Die Morde und die schrecklichen Geschehnisse des Zweiten Weltkriegs waren noch zu frisch. Der Film, der von sich behauptete, die Realität zu zeigen, war für die Zuschauer nur eine Farce. Krieg war kein Krieg zwischen Menschen, das wussten sie inzwischen, sondern zwischen Monstern.

Fazit: Heute ist „La Grande Illusion“ als „Kunstwerk“ nicht so anziehend, wie er es einmal gewesen sein mag. Die pazifistische Nachricht ist noch immer vernehmbar, aber ĂĽberrascht nicht mehr. Um zu verstehen, warum dieser Film als „Klassiker“ gilt, sollte man ein wenig ĂĽber die Entstehungsgeschichte Bescheid wissen, dann erscheinen einige Passagen in einem anderen Licht und der Film kann als eine Art „historisches Dokument“ betrachtet werden.

(Text: Anna Franz)
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