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Soziale Netzwerke und die eigene Identität

Generation ohne Datenschutz

Die Bedeutung von sozialen Netzwerken nimmt immer weiter zu. Dabei rückt der persönliche Datenschutz allerdings scheinbar in den Hintergrund. Und das, obwohl viele Arbeitgeber Wert auf die Recherche im Netz legen. Doch wie viel Wahrheit steckt überhaupt in einem Online-Profil?

datenschutzSo gut wie jeder unserer jüngeren Generation hat mindestens ein Online-Profil. Nur die wenigsten können sich ganz von SchülerVZ, MeinVZ, StudiVZ, Facebook, Lokalisten oder Twitter fernhalten. Es ist ein nicht zu stoppender Trend, eine Identität in sozialen Netzwerken zu entwerfen. Facebook hat auf der ganzen Welt mehr als 400 Millionen Nutzer – allein in Deutschland sind es 3,4 Millionen. Dabei bilden die Nutzergruppen 18-24 Jahre (29 Prozent) und 25-34 Jahre (37 Prozent) zusammen eine Mehrheit von etwa 66 Prozent. Der Trend zur Online-Identität scheint demnach tatsächlich eine ganze Generation zu betreffen.

Fragwürdig ist aber, wie nah diese virtuelle Identität der eigenen realen kommt. Ein Online-Profil scheint es auf vielen Wegen zu ermöglichen, negative Eigenschaften zu verschleiern und somit ein neues Idealbild zu erschaffen. Über Fotos, Gruppen und Hobbies kann man die virtuelle Identität besser als die reale darstellen- „Pimp my Profile“ statt „Pimp my ride“. Doch die Studie der Psychologen Mitja Back, Juliane Stopfer und Boris Egloff von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz zeigt, dass die spontanen Eindrücke Fremder in der Regel mit den tatsächlichen Eigenschaften der Profilbesitzer übereinstimmen. Es handelt sich also doch oftmals um die eigene Identität, die online dargestellt und nicht verbessert wird.

„Die Ergebnisse haben uns selbst überrascht“, sagt die Psychologin Mitja Back und ergänzt: „Online-Profile vermitteln tatsächlich ein sehr genaues Bild der Profilinhaber.“ Dies legt den Schluss nahe, dass den Profilen meist zu trauen ist. Und genau das ist auch sehr wichtig, denn es ist kein Mythos, dass Arbeitgeber vor einem Bewerbungsgespräch die Bewerber Googeln und deren Netzwerkseiten ansehen. Wie das Bundesministerium für Verbraucherschutz im Juli 2009 ermittelte, nutzen fast 80 Prozent aller Unternehmen das Internet zur Informationssuche bereits vor der Einladung zum Bewerbungsgespräch. Bei einem Viertel der Unternehmen kommt es vor, dass Bewerber wegen Informationen aus dem Internet nicht eingestellt werden. Ablehnend bewerten Arbeitgeber hier negative Aussagen über die Arbeit oder das Arbeitsumfeld. Außerdem schadet es, wenn die Glaubwürdigkeit leidet, weil private Inhalte von den Aussagen in der Bewerbung abweichen.

Aber die Recherche der Arbeitgeber kann sich auch positiv auswirken. Für 56 Prozent der Unternehmen kann jemand wegen der Informationen aus dem Internet interessanter werden. Fast zwei Drittel der Internet nutzenden Unternehmen schätzen es, wenn Hobbys und soziales Engagement angegeben sind.

Eine seriöse Präsentation ist also extrem wichtig. Trotzdem gibt es unzählige Profile, die frei zugänglich sind und auf denen Verlinkungen zu Partyfotos und unseriöse Gruppen zu finden sind. Es scheint, als wäre die Generation nicht mehr um ihren Datenschutz bemüht. Jeder kann scheinbar also über jeden twittern oder buschfunken und die eigene Profilseite platzt fast aus allen Nähten. Dabei ist es ja nicht so, als gäbe es keine Möglichkeit sich zu schützen. In jedem professionellen Netzwerk ist es möglich, sich über die Accounteinstellungen zumindest etwas „geheimnisvoller“ darzustellen. Dann bringt die eigene Profilseite zwar auch keinen wirklichen Vorteil, wenn der Arbeitgeber darauf klickt, doch immerhin ist man vor negativen Auswirkungen geschützt.

Die virtuelle Identität muss gewahrt und gepflegt werden, denn sie ist kein Spiel, sondern Wirklichkeit. Da Unternehmen und Freunde daraus Rückschlüsse auf die reale Persönlichkeit ziehen, wird das Virtuelle zur Realität. Ebenso, wie das Online-Banking kein Spielgeld darstellt, so ist auch die Netz-Identität echt. Und sie sollte ebenso wie das Konto vor Trojanern und Datenmissbrauch geschützt werden. Denn Fakt ist: Es kommt heutzutage (fast) niemand mehr am Internet vorbei. Es gehört zur Welt, in der wir leben, in der wir uns tagtäglich bewegen und dieser Trend wird sich immer weiter verstärken. Etwas, das einmal im Internet auftgetaucht ist, ist kaum wieder zu eliminieren.

Deshalb ist es wichtig, von Anfang an gewissenhaft mit seiner Online-Identität umzugehen, um sie für den Rest des Lebens beibehalten zu können. Denn ist sie einmal negativ vorbelastet, hilft nur noch eins: neuer Name – neue Online-Identität!

(Text: Regina G. Gruse / Foto: Konrad Welzel)
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