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Das Phänomen „Simpsons“

Der Kult der gelben Familie kommt ins Kino

Eigentlich sind sie eine „ganz normale“ Familie. Eigentlich… Aber was bedeutet schon normal, wenn man in Springfeld lebt? Matt Groenings Schützlinge „Die Simpsons“ sind schon längst Kult. Die erfolgreiche Zeichentrickserie, die bereits mit zahlreichen Emmys auszeichnet wurde, hat jetzt sogar den Sprung auf die große Leinwand geschafft.

„Die Simpsons- Der Film“ lief hierzulande am 26. Juli 2007 in den Kinos an. Die Simpsons-Manie erreichte damit diesen Sommer ihren vorläufigen Höhepunkt. Im Vorhinein gab es jedoch allerhand Skepsis. Die Story und die Gags des Streifens wurden zwar mit Spannung erwartet, allerdings waren viele nicht davon überzeugt, dass der Film so begeistern würde wie die Serie. Die ersten Wochen nach dem Kinostart in Deutschland belehrten Skeptiker aber eines Besseren. Der Film verzeichnete einen grandiosen Start und verdrängte sogar Zauberlehrling Harry Potter von Platz 1 der Kinocharts.

Bei den Fans gibt es nun aber auch im Nachhinein gemischte Meinungen über die Kinoversion ihrer Lieblingsserie. Zum Teil werden „Die Simpsons“ in Spielfilmlänge akzeptiert und die Erwartungen der Zuschauer wurden sogar übertroffen. Selbst Forderungen nach einem zweiten Film wurden laut. Zum Anderen wird der Film als niveaulos und die Story als lächerlich bewertet. Hier gehen also die Meinungen ziemlich auseinander und das Urteil über die Geschichte rund um Homer und Co. schwankt zwischen Extremen. Der Film wird von den Einen für genial befunden und von den Anderen als Quatsch abgestempelt.

Auch die Meinung über Anke Engelke, die neue Stimme der Marge, sind gespalten. Während viele Fans zwar zugeben, sich erst an die neue Synchronstimme gewöhnen zu müssen, sie aber zu akzeptieren, lehnen andere Engelke als Sprecherin grundsätzlich ab.

Die deutschen Stimmen der Simpsons-Figuren waren bis dato durchgehend von den zugehörigen Sprechern synchronisiert worden. Jedoch musste nach dem Tod der 2006 verstorbenen Elisabeth Volkmann ein Ersatz für die Stimmgeberin der Marge Simpsons gefunden werden. Seit Mitte der 17. Staffel synchronisiert nun Engelke die Simpsons-Mutter mit der blauen Turmfrisur.

Die neueren Folgen der Serie, von der zuletzt bereits die 17. Staffel angelaufen ist, werden ebenso von vielen Zuschauer kritisch betrachtet. Im Gegensatz zu den alten Simpsons-Folgen wurden sie von so manchem als wesentlich schlechter und weniger lustig als diese bewertet. Es bleibt wohl nichts Anderes übrig als sich eine eigene Meinung zu bilden, und zur Not kann man sich ja immer noch die alten Folgen ansehen.

Nichtsdestotrotz können die Simpsons auf eine einmalige Erfolgstory zurückblicken. Alles begann damit, das Groening die Geschichten um die gelbe Familie erstmals für die „Tracy Ullman Show“ in den USA erfand. Dort liefen die Simpsons als Kurzfilmreihe, ihnen wurde aber vorerst wenig Beachtung geschenkt. Seit dem 17. Dezember 1989 liefen die Simpsons dann auf Fox Network als halbstündige Version in dem  Format, wie wir sie heute kennen. Fortan war der Siegeszug der Trickfilmserie nicht mehr zu stoppen.

1991 schafften die Simpsons dann auch endlich den Sprung über den großen Teich und am 13. September jenes Jahres wurden sie erstmals im deutschen Fernsehen ausgestrahlt. Zuerst lief die Serie hierzulande auf dem ZDF, 1994 wechselte sie jedoch zu ProSieben.

Seither zeichnen sich die Simpsons durch ihre chaotischen und verrückten Storys aus, doch gerade dies macht den Charme der Serie und ihrer Figuren aus. Die Charaktere sind ungewöhnlich detailliert angelegt und vom ihrem Schöpfer Groening gut durchdacht, was sie sehr „real“ erscheinen lässt.

Was die Serie aber vor allem ausmacht ist ihr satirischer Charakter. Die Simpsons bedienen sich wie keine andere Trickserie der Ironie und des Sarkasmus um Zustände und Verhaltenweisen in Amerika anzuprangern. Stets ist diese Kritik jedoch versteckt. In zynischen Anspielungen und mithilfe beißenden Spotts macht sich das kreative Erfinderteam der Simpsons über politische und gesellschaftliche Sachverhalte lustig. Die ganze Serie dient als Karikatur der typischen amerikanischen Gesellschaft. Ob sich nun über den Präsidenten, die Religions- und Moralvorstellungen der Amerikaner oder den American Dream lustig gemacht wird, stets passiert dies mit einem Augenzwinken und verpackt in eine originelle und witzige Handlung.

Auch typische Aspekte des Lebens in den USA dürfen bei den Simpsons nicht fehlen. So besitzt auch Springfield Fast-Food-Restaurants und einen kleinen Laden, den „Kwik-e-Markt“ mit indischem Besitzer. Bei den Simpsons wurden sicherlich schon sämtliche amerikanischen Klischees bedient und dabei auf den Arm genommen. Die Serie wurde schon oft gelobt für diese ironische Art der  Auseinandersetzung mit gesellschaftskritischen Themen. Unter anderem wurde auf diese Weise schon Kritik an der Umweltproblematik, dem amerikanischen Bildungssystem und der Rolle der Medien geübt.

Doch nicht überall stießen die Simpsons auf Lob. Oft wurde auch an der Serie selbst scharfe Kritik geübt, vor allem aus konservativen Kreisen, die der Überzeugung sind, die Simpsons repräsentierten den familiären und gesellschaftlichen Niedergang.

Und so wie es aussieht, werden die Simpsons ihre Erfolgsgeschichte fortsetzen können: Die 18. Staffel wurde in den USA schon ausgestrahlt und wird demnächst auch bei uns in Deutschland in der synchronisierten Fassung gesendet werden. Ebenso ist eine 19. Staffel der Simpsons in Planung, die voraussichtlich Ende dieses Jahres in den USA starten wird. Die Simpsons sind damit die am längsten ausgestrahlte US-Zeichentrickserie.

In der Welt der Simpsons gibt es auch allerhand Kurioses, das nur dem aufmerksamen Zuschauer auffällt, denn oft laufen im Hintergrund allerlei interessante Dinge ab. So gibt es Schilder mit doppeldeutigen Aufschriften oder Wortspielen und ähnlichem. Auch die Geschichte zum Namen der Heimatstadt der Simpsons ist kurios, denn Springfield sollte als fiktive Stadt überall sein können. Die Wahl fiel daher auf diesen Namen, da es fast in jedem US-Bundesstaat ein Springfield gibt. Tatsächlich ist es mit ca. 23-mal der am häufigsten vorkommende Städtename in den USA.

Wissenswert ist auch, wie Matt Groening die Ideen für die Namen der Familienmitglieder der Simpsons kamen. „Namensgeber“ waren zum einen seine Eltern. Deren Namen Margaret, abgekürzt Marge, und Homer haben sowohl die der Simpson-Eltern, als auch den Namen von Baby Maggie inspiriert. Bart ist ein Anagramm für das englische Wort „brat“, was soviel bedeutet wie Balg und damit charakteristisch für diese Figur ist.

Übrigens sind die meisten Figuren bei den Simpsons Linkshänder, weil auch Matt Groening selbst Linkshänder ist. Es existiert sogar eine Nachbildung des Hauses der Simpsons in der Stadt Henderson im US-Staat Nevada, kurz vor Las Vegas. 1997 organisierten der Sender Fox und Pepsi aus Werbezwecken diesen Nachbau und verlosten ihn in einem Gewinnspiel. Von der Einrichtung bis zur Wandfarbe wurde alles sehr detailgetreu so wie in der Trickserie umgesetzt. Das Haus war zuerst eine Weile in Privatbesitz und fungierte danach als Touristenattraktion. Inzwischen wurde das Haus aber neu gestrichen und zieht keine Simpsonsfans mehr an. Auch der Vorspann zur Serie ist längst Kult und wurde schon oft nachgeahmt. Er ist in jeder Folge ein wenig abgewandelt, hat jedoch im Grunde immer dieselbe Szenenabfolge.

Der Produktionsaufwand der Serie ist vergleichsweise groß. Die Produktion einer Folge von „Die Simpsons“ dauert aktuell ca. 6 Monate laut Produzent und Regisseur David Silverman und kostet über $ 1.000.000. Übrigens verdienen die Synchron-Sprecher der Hauptcharaktere pro Episode ca. $50.000.

Die Serie lebt vor allem auch von ihrer Absurdität. Oft werden Dinge übertrieben dargestellt und Slapstick ist ein wichtiges Stilmittel bei den Simpsons, vor allem bei der Figur des Homer. Groening selbst gibt zu, dass ihn persönlich diese körperbezogene und wortlose Komik in der Serie immer am ehesten zum Lachen bringt. Die Fans der Simpsons haben vor allem die zahlreichen Running Gags ins Herz geschlossen, so wie Barts Ausspruch Ay caramba!“, Homers „Nein!“ oder Marges Grummeln, wenn sie sich aufregt.

Der Zeichenstil veränderte sich immer mehr und mehr durch neue technische und graphische Möglichkeiten, sodass sich die Simpsons von früher von den jetzigen sehr unterscheiden. Die Strukturen wurden klarer, die Farben immer kräftiger und die Bewegungen fließender. Besonders bei den Zeichnungen für den Kinofilm ist dies der Fall und sie sind im Gegensatz zu den älteren Folgen der Serie viel ausgearbeiteter. Natürlich gibt es heutzutage für die Macher auch mehr Möglichkeiten, visuelle Effekte zu benutzen, was die Simpsons detaillierter und vielseitiger denn je erscheinen lässt.

Seit dem 8. August zeigt ProSieben die Kultserie sogar zur Primetime. 3 Wochen lang wird es montags um 20:15 Uhr jeweils eine Doppelfolge Simpsons zu sehen geben, in denen Prominente auftreten. Unter anderem werden U2, George Bush senior und Stephen Hawking als gelbe Trickfiguren den Bewohnern von Springfield einen Besuch abstatten.

Die Simpsons haben sich über die Jahre eine treue Fangemeinde aufgebaut. Menschen überall auf der Welt und aller Altersklassen können sich für die Serie begeistern, weil sie so facettenreich ist. Die Simpsons sind für ihre Fans mehr als nur eine Zeichentrickserie, denn sie sind vielseitig und schaffen sogar allerhand Kontroversen, weshalb sie von vielen als genial bezeichnet werden. Was auch immer man von den Simpsons halten mag, eines steht jedenfalls fest: Homer, Marge, Bart, Lisa und Maggie werden uns bestimmt auch weiterhin auf der Mattscheibe und vielleicht sogar noch einmal auf der Kinoleinwand begegnen, denn in Springfield wird es niemals langweilig…

(Text: Julia Radgen)
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Über den Autor

Julia Radgen
Ressortleiterin Gesellschaft

Julia Radgen lebt in Mainz und schreibt am liebsten über Kultur- und Gesellschaftsthemen - und interessante Menschen. Sie ist Social Media-süchtig und verzichtet nur freiwillig auf Internet und Handy, wenn sie zu einem Festival fährt. Wenn sie groß ist, will Julia mal Journalistin werden.

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