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Sex, Liebe, oder beides?

Julias Kinoecke: Freunde mit gewissen Vorzügen
„Sex ist was rein Körperliches. So wie Tennisspielen“ – in dieser Hinsicht sind sich Dylan und Jamie einig. Also spielen sie regelmäßig, nun ja, Tennis. Eine Weile geht das gut, dann kommen ihnen die Gefühle dazwischen. Das klingt ein wenig abgedroschen, ist aber erstaunlich unterhaltsam.


julias_kinoecke_kleinKönnen Mann und Frau nur gute Freunde sein? Ist Sex ohne Gefühle dauerhaft möglich? Und gehen Freundschaft und Liebe nicht doch Hand in Hand? Hunderte von Filmen haben sich diesen Fragen gewidmet, von Frühstück bei Tiffany über Harry & Sally bis hin zu Freundschaft Plus. Auch Regisseur Will Gluck („Einfach zu haben“) unternimmt einen Versuch, diesem scheinbar zeitlosen Dilemma auf den Zahn zu fühlen. Und er macht es auf äußerst amüsante Weise.

Das Genre der romantischen Komödien wird in „Freunde mit gewissen Vorzügen“ reichlich persifliert. Etwa wenn Headhunterin Jamie (Mila Kunis) vor dem Poster eines Katherine Heigl-Filmes steht und mit „Halt dein Maul, du Lügnerin“ auf die romantischen Kuschelkomödien der Hollywoodschauspielerin anspielt. Oder wenn sich Redakteur Dylan (Justin Timberlake) über die Musik in romantischen Komödien lustig macht, die dem Zuschauer genau suggerieren soll, wie er sich zu fühlen hat. Nicht zu vergessen die großartige Schlussmach-Szene zu Beginn des Films, in der Timberlake mit den Worten „Es liegt nicht an dir, sondern an mir. Ich bin es, die dich nicht mehr mag“ abserviert wird.

Auch erscheint Glucks Film erfrischend zeitgemäß und aktuell. Neue Medien sind ein wesentlicher Bestandteil der Story. Dylan konnte sich als Blogger einen Namen machen, Flashmobs beleben den Time Square und für nahezu jeden Anlass gibt eine App, sei es zum Feststellen ob eine Frau ihre Tage hat oder eine Bibel-App, auf die man in der Eile schwören kann.

Für Hollywood-Verhältnisse ist diese Komödie äußerst freizügig. Statt romantischen Kuschelmomenten gibt es wilde Liebesszenen und Bettakrobatik mit deutlichen Ansagen. Vulgär wird es dennoch an keiner Stelle. Mit Dylan und Jamie präsentiert Gluck zwei Menschen, die offen über ihre Bedürfnisse reden und sie auch ausleben.

Dass „Freunde mit gewissen Vorzügen“ so gut funktioniert und aus dem Gros der romantischen Komödien heraussticht, liegt hauptsächlich an der schauspielerischen Besetzung, die mit Justin Timberlake und Mila Kunis kaum besser sein könnte. Beide liefern sich einen rasanten Schlagabtausch, der witzig ist, aber nie ins Alberne abdriftet. Regisseur Will Gluck sagte kürzlich in einem Interview, er hätte den Film nicht gedreht, hätten Timberlake und Kunis nicht zugesagt. Auch mit der Wahl seiner Nebenfiguren hat er ein glückliches Händchen bewiesen. Patricia Clarkson ist als Jamies freigeistige Hippie-Mutter überaus amüsant, während Richard Jenkins durch seine Alzheimer-Erkrankung ernste Töne anklingen lässt.

„Freunde mit gewissen Vorzügen“ ist eine lustige und erfrischende Komödie, die sich dank grandioser Hauptdarsteller und spritziger Dialoge vom Mittelmaß der romantischen Komödien abzuheben weiß.

Fazit: 4 von 5 Sternen

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(Text: Julia Hanel / Zeichnungen: Christina Koormann)


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