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Schwule und Lesben in die Ecke, bitte

Kommentar √ľber die vorget√§uschte Freiheit f√ľr Homosexuelle

Homesexuelle k√∂nnen auch in einem aufgekl√§rten Land wie Deutschland nach wie vor nicht frei leben. Da muss man gar kein Fu√üballer sein, um die Grenzen der eigenen pers√∂nlichen Entfaltung am eigenen Leib zu sp√ľren.

Wir spielen zwar recht freundlich und mittlerweile auch sehr gekonnt die Toleranz vor, aber k√ľssen sich zwei Frauen an der U-Bahnhaltestelle oder halten zwei M√§nner H√§ndchen im Park, dann schauen wir gerne zwei Mal hin.

Das tun wir aber nicht, um sich mitzufreuen, sondern um leicht angewidert oder zumindest verwundert den Kopf zu sch√ľtteln. Es ist einfach nach wie vor ungew√∂hnlich in der √Ėffentlichkeit, ohne Scheu mit der eigenen gleichgeschlechtlichen Liebe umzugehen.

HomosexualitaetEingeschränkte Partnersuche
Doch f√ľr mich ist der Schritt davor noch viel dramatischer und hemmender f√ľr Schwule und Lesben. Wie soll man sich in einer fundamental heterogen gepr√§gten Gesellschaft, wie es unsere nun mal nach wie vor ist, unbek√ľmmert auf Partnersuche begeben?
Als heterosexueller Mann lächelt man gerne mal eine sympathisch wirkende Frau an. Als heterosexuelle Frau wirft man einem attraktiven Mann gerne mal einen Wimpernaufschlag mehr zu. In unserer Gesellschaft ist das eben der normale Gang: Frau sucht Mann und Mann sucht Frau.

Kaum jemand √ľberlegt sich am Wochenende, eine Person nicht anzusprechen, weil sie eventuell homosexuell sein k√∂nnte und damit aus dem eigenen Beuteschema herausfallen w√ľrde. Nein, wir gehen davon aus, dass alles schon seine Richtigkeit haben wird, ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden. M√ľssen wir auch nicht, werden sich die meisten sagen. Denn die Mehrheit geht nach wie vor den traditionellen Weg.

Heterogene Welt
Doch das macht es um so schwieriger f√ľr all die Lesben und Schwulen, die nicht nur die H√ľrde des ersten Ansprechens einer fremden Person auf sich nehmen m√ľssen. Nein, die viel gr√∂√üere H√ľrde ist die Frage: Ist der Typ eigentlich auch schwul? Ist die h√ľbsche Blonde auch lesbisch?
Es ist ein Prinzipienproblem, das die Suche nach einer ernsthaften Beziehung unheimlich erschwert. Homosexuelle k√∂nnen keine Liebe auf offener Stra√üe finden. Denn in der √Ėffentlichkeit schwebt die Hand der fremdgeschlechtlichen Partnerschaft √ľber uns. Unbewusst sicherlich. Aber es ist da.

Schwule und Lesben m√ľssen sich deshalb auf spezielle Veranstaltungen und Partys fixieren, um √ľberhaupt Menschen mit gleicher sexueller Ausrichtung identifizieren und ansprechen zu k√∂nnen. In gewisser Weise schaffen sie damit ihre eigene kleine Welt. Und das m√ľssen sie auch. Aus Selbstschutz und sicherlich auch aus Angst. Denn die Gefahr eines herabw√ľrdigenden Blickes oder einer Konfrontation mit konservativen Idealbildern ist nach wie vor sehr gro√ü.

(Text: Konrad Welzel / Foto: Lara Dengs by pixelio.de)
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Kommentare (2)

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    Florian

    Danke f√ľr diesen Gedanken-Impuls. Es gibt leider immer noch einige Menschen, die das extreme Zuschaustellen von Sexualit√§t seitens Homosexueller/Transsexueller/Intersexueller/… bem√§ngeln. Allerdings wird auch Heteronormativit√§t sehr oft im Alltag dargestellt, es f√§llt uns nur nicht (mehr?) so auf. Zum Beispiel….
    … wenn die Kollegin im B√ľro erz√§hlt, was sie am Wochenende mit ihrem Partner unternommen hat
    … wenn M√§nnlein und Weiblein H√§ndchen haltend durch die Stra√üen gehn oder sich in aller √Ėffentlichkeit k√ľssen
    … wenn M√§nner Frauen hinterherschauen bzw. deren Aussehen kommentieren
    … wenn die Oma ihre Enkelin fragt, ob sie denn keinen Freund habe
    … usw.
    (sicher lassen sich Mann und Frau in meinen Beispielen auch beliebig austauschen! ;-))

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    Anja

    Ich finde, man muss genauer differenzieren! Dass wir in einer heterosexuell gepr√§gten Gesellschaft leben, ist zun√§chst einmal nicht grunds√§tzlich „schlecht“. Es gibt eben mehr heterosexuelle Menschen als homosexuelle Menschen.

    Das Problem ist nicht die Norm der Heterosexualität. Das eigentliche Problem ist die mangelnde Toleranz in der heterosexuellen Gesellschaft und die daraus folgende Diskriminierung von Menschen außerhalb dieser Norm.

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√úber den Autor

Konrad Welzel
Gr√ľnder und Chefredakteur von back view

Konrad hat back view am 06. April 2007 gegr√ľndet - damals noch in diesem sozialen Netzwerk StudiVZ. Mittlerweile tobt sich Konrad ganz gerne im Bereich Social Media aus und versteht Menschen ohne ein Facebook-Profil nicht - daf√ľr ist er viel zu neugierig!!!

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