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S raschdestwom i s nowin godom!

Oder auf deutsch: Frohe Weihnachten in Kasachstan!

W√§hrend man in Deutschland oft sehns√ľchtig auf wei√üe Weihnachten hofft, ist es in Zentralasien ganz normal, die Festtage im Schnee zu feiern. Kasachstan, im Zentrum Eurasiens, kann im Winter bis zu minus 50 Grad kalt werden.

Kasachstan ist die Heimat von Roman. Als er sechs Jahre alt war, immigrierte seine Familie nach Deutschland und lebt seither im Kreis Karlsruhe. ‚ÄěIch habe Weihnachten auch schon in meinem Vaterland gefeiert. Eigentlich sind die Festtage das gr√∂√üte Highlight in unserem Dorf. Man freut sich das ganze Jahr auf die Weihnachtszeit, weil es Geschenke gibt. Vor allem f√ľr die Kinder ist das nat√ľrlich der H√∂hepunkt „, erz√§hlt der 23-J√§hrige.

Temperaturen zwischen minus 30 und 40 Grad sind Alltag im kasachischen Winter, da das Klima kontinental geprägt ist. Während im Sommer bis zu 40 Grad plus gemessen werden, kehrt sich die Temperatur im Winter.Kasachstan

In den Gro√üst√§dten ist wenig von den Stereotypen zu sehen, die in europ√§ischen K√∂pfen gegen√ľber Kasachstan vorherrschen. Das Bild vom zur√ľckgebliebenen Land, dessen Einwohner wie im Mittelalter leben, ohne Strom und gepflasterten Stra√üen. Aber Kasachstan hat sich Europa angepasst: Wie auch hierzulande werden in der Vorweihnachtszeit H√§user mit bunten Lichtern dekoriert. Auf den amerikanischen Weihnachtskitsch gibt man allerdings wenig, die Kasachen legen Wert auf andere Dinge. Zumindest im Norden des Landes.

Die Bev√∂lkerung Kasachstans besteht zu jeweils etwa der H√§lfte aus Muslimen und Christen. ‚ÄěIm S√ľden leben traditionell eher Muslime, da feiert man also kaum Weihnachten. Es ist alles etwas strenger in diesen Gebieten“, wei√ü Roman. Im n√∂rdlichen Teil Kasachstans hingegen leben √ľberwiegend Christen, weshalb dort die Weihnachtstraditionen ausgepr√§gter sind.

Die deutschen Br√§uche √† la Adventskranz, Adventskalender und Weihnachtsmarkt gibt es hingegen nicht. Einen Christbaum allerdings haben die christlichen Kasachen im Wohnzimmer stehen. ‚ÄěEin Tannenbaum ist quasi Pflicht bei uns. Und es ist auch getreu dem Motto: Je gr√∂√üer desto besser.“ Wie auch in Deutschland werden die B√§ume geschm√ľckt und bunt dekoriert. Pl√§tzchen zu backen z√§hlt nicht gerade zu den Traditionen in der Vorweihnachtszeit. Vereinzelt geschieht es trotzdem, vor allem die Gro√üm√ľtter versorgen ihre Liebsten gerne mit Geb√§ck.

Weihnachten selbst wird am 24. Dezember, zu Heilig Abend, gefeiert. Die ganze Familie findet sich an diesem Abend zusammen – auch Tanten und Onkels kommen und treffen sich meist bei der Gro√ümutter, um das Fest gemeinsam zu beginnen. Traditionelles Essen oder Getr√§nke gibt es nicht. ‚ÄěAber es gibt ein richtig gro√ües Festessen. Weihnachten ist bei uns sehr sch√∂n und vor allem sehr famili√§r.“ Zusammen wird nicht nur gegessen, auch Lieder werden gesungen.

Bekannte Weihnachtslieder sind zum Beispiel ‚ÄěWlesu radilas jolotschka“ (zu Deutsch: Im Wald ist eine Tanne geboren) oder ‚ÄěMalinkoj jolotschki cholodno simoi“ (Im Winter ist der kleinen Tanne kalt). Am Abend kommt der Weihnachtsmann, zusammen mit Knecht Ruprecht. ‚ÄěDaran erinnere ich mich noch genau. Ich hatte immer Angst vor ihm“, erz√§hlt Roman. Eine Helferin bringt der Weihnachtsmann f√ľr gew√∂hnlich auch mit: ‚ÄěSnegurotschka.“

Bis 1991 stand Kasachstan als Teil der Sowjetunion unter dem Druck der russischen Regierung. Weihnachten musste √ľberall gleich gefeiert werden, wie es dem Kommunismus beliebte. Nach der Unabh√§ngigkeit wurden viele Traditionen aus der ehemaligen Sowjetunion √ľbernommen. Noch heute besteht die Bev√∂lkerung des Landes zu 30 Prozent aus Russen, und nur zu 54 Prozent aus Kasachen. Allgemein ist eine Generalisierung des Weihnachtsfestes im Land nur schwer m√∂glich, weil √ľber 50 diverse Nationalit√§ten in Kasachstan heimisch sind.

Obwohl Deutschland und Kasachstan etwa 6000 Kilometer trennen, unterscheiden sich die Bräuche und Traditionen zum Weihnachtsfest nur gering. Ohne den europäischen Wohlstand und den amerikanischen Kitsch geht es in Kasachstan vor allem um eins: Zusammen mit der Familie sein. In diesem Sinne: S raschdestwom i s nowin godom!

(Text: Miriam Keilbach / Foto: Roman Kessel)


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√úber den Autor

Miriam Keilbach
Redakteurin

Miriam war 2007 im Gr√ľndungsteam von backview.eu. Sie volontierte beim Weser-Kurier in Bremen und arbeitet seit 2012 als Redakteurin bei der Frankfurter Rundschau. Ihre Themen: Menschen, Gesellschaft, Soziales, Skandinavien und Sport.

Anzahl der Artikel : 59

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