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„Rummel, rummel, ruttje!“

Ein Silvesterbrauch aus dem hohen Norden

Feiert man in Norddeutschland Silvester, dann sind die fantasievoll verkleideten Gestalten, die nach Einbruch der Dunkelheit von Haustür zu Haustür ziehen, nicht aus dem Straßenbild wegzudenken. Dabei handelt es sich nicht um Halloween-Fans, die sich um zwei Monate vertan haben, sondern um einen alten norddeutschen Brauch.

Seinen Namen hat das Rummelpottlaufen dem gleichnamigen Instrument zu verdanken. Man spannt eine Schweinsblase oder auch ein Stück dünnes Leder über eine Blechdose und steckt einen Stock hinein. Dreht oder reibt man den Stock mit feuchten Fingern, so entsteht ein dumpfer Ton. Zu dieser etwas unheimlich klingenden „Musik“ werden überlieferte Lieder gesungen, welche von Region zu Region sehr unterschiedlich sein können. Eins ist ihnen jedoch allen gemein: Fast ausnahmslos werden sie in der jeweiligen Mundart dargeboten.

Das Singen und Lärmen (niederdeutsch „rummeln“) soll die Geister des alten Jahres vertreiben, um Platz zu machen für das neue Jahr. Die Verkleideten klingeln an allen Türen der Nachbarschaft, um dort mit ihrem Gesang und dem Lärm des Rummelpotts das Haus von den Geistern des alten Jahres zu befreien und erhalten als Dank hierfür von den Bewohnern Süßigkeiten oder Futjes (ein traditionelles Weihnachts- und Silvestergebäck ähnlich den niederländischen Poffertjes).Ein Rummelpott (Foto: Wikipedia, JoachimG, GNU Free Documentation License)

Sind die Nachbarn nicht bereit Süßigkeiten zu geben, so müssen sie mit einem Spottlied rechnen. Haben sie jedoch die Taschen der Verkleideten gefüllt, so verabschieden sich die Beschenkten meist mit dem kurzen Lied “Hau de Katt de Steert aff/ hau em nich to lang aff/ lat en lüdden Stummel stahn/ dat de Katt kann wieder gahn.”

Anders als Halloween erfreut sich das Rummelpottlaufen jedoch nicht nur bei Kindern großer Beliebtheit, sondern je später der Abend wird, desto mehr kostümierte Erwachsene sind unterwegs. Diese werden meist jedoch nicht mit Süßigkeiten entlohnt, sondern mit einem Glas Schnaps gegen die Kälte. Das Rummelpottlaufen ist heute noch in weiten Teilen Schleswig-Holsteins, Niedersachsens und Sønderjyllands verbreitet.

Die genaue Herkunft dieses Brauchs ist zwar ungeklärt,  seinen Ursprung hat er aber wahrscheinlich in den Niederlanden. Auch hier gehen die Kinder an Silvester schon seit vielen Jahrhunderten „rommelpotten“, werden jedoch nicht mit Süßigkeiten, sondern mit Geld entlohnt. In den letzten Jahren ist die Konkurrenz durch Halloween jedoch spürbar stärker geworden und das Rummelpottlaufen wird nicht mehr überall praktiziert.

Traditionelles Lied zum Rummelpottlaufen aus Nordfriesland und Dithmarschen:
„Rummel, rummel, ruttje,
Kreech ik noch en Futtje?
Kreech ik een, blev ik stohn,
Kreech ik twee, so will ik gohn.
Kreech ik dree, so wünsch ik Glück,
dat de Osche mit de Posche dür de Schosteen flüch.
Dat ole Johr, dat nie Johr,
sind de Futtjes noch nicht gor,
pros Niejohr, pros Niejohr!”

(Text: Jana Lück, Foto: Wikipedia, JoachimG, GNU Free Documentation License)

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