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Cornish pastries und Cliff Diving

Ronjas England-Urlaub, der letzte Teil

london neu

Heute erz√§hlt back view-Autorin Ronja von der letzten Etappe ihrer England-Reise. In der K√ľstenstadt Newquay bestaunt sie K√ľsten, Ausblicke, das Wetter und die mutigen Engl√§nder.

Next stop: Newquay. Das Surferparadies an der Nordk√ľste Cornwalls, das im S√ľdwesten Englands liegt, ist das Ziel unserer Reise. Hier verbringen wir die n√§chsten zwei Wochen. Bevor wir die Stadt erreichen, passieren wir jedoch zun√§chst Stonehenge, wo sich an diesem sonnigen Tag die Touristen tummeln. Als wir am sp√§ten Samstagnachmittag in Newquay angelangen, erinnert die Stadt mehr an einen √ľbergro√üen, bunten Vergn√ľgungspark, als an das ‚Äěverregnete, langweilige England“, wie es von dem ein oder anderen beschrieben wird. Wir finden nach einigem Suchen unsere Ferienwohnung und beziehen diese sogleich. Anschlie√üend machen wir uns zum ersten Mal auf den Weg in die Innenstadt, die, wie wir feststellen werden, abends ein wenig an eine Miniaturausgabe von Las Vegas erinnert. Auf der Suche nach einem Restaurant begegnen wir mehr kost√ľmierten als tats√§chlich ‚Äěnormal“ bekleideten Leuten. Hier werden Junggesellen- und Junggesellinnenabschiede in Hasen- oder Supermankost√ľmen gefeiert und Pubs reihen sich an eine Spielhalle und Restaurants. Nach einigem Suchen werden auch wir f√ľndig und essen Fish‚Äėn‚ÄėChips mit Blick auf das nun tiefschwarze Meer.

 

Am n√§chsten Morgen zeigt der Blick aus dem Wohnzimmerfenster einen blau-grauen Himmel und eine von Wasser geflutete Bucht. Man kann dem Wasser hier an der K√ľste beim Kommen und Gehen nahezu zusehen, denn schon nach wenigen Stunden geht das Wasser zur√ľck und gibt einen gro√üen Sandstrand frei, der bis an den Hafen angrenzt. W√§hrend sich die Engl√§nder in die Fluten schmei√üen, schauen wir aus sicherer Entfernung dem Treiben zu und machen uns auf den Weg an die Spitze des ‚ÄěNewquay Bay“. Dort befindet sich die ‚ÄěHuers Hut“, von der aus zu fr√ľheren Zeiten mit einem Horn die Ankunft der Fische angek√ľndigt wurde.Am Montagmorgen zieht es uns dann in die Innenstadt zu Sainsbury‚Äės. Aufgrund der Tatsache, dass Newquay rund 20.000 Einwohner z√§hlt, aber nur einen Supermarkt, ist Sainsbury‚Äės von entsprechender Gr√∂√üe und beherbergt alles: Papaya-Bananen-Passionsfrucht-Saft, Smarties-Kekse, preiswerte Surfausr√ľstung, ein gro√ües Sortiment Ben & Jerry‚Äės Eis und sogar die typischen Cornish Pastries, die ich noch am Mittwoch in St Ives probieren werde.

St Ives befindet sich circa drei√üig Meilen s√ľdwestlich von Newquay entfernt und ist allgemeinhin als K√ľnstlerstadt bekannt, da sich viele Zeichner und Schriftsteller von der malerischen K√ľstenstadt inspirieren lie√üen. W√§hrend wir durch die engen Gassen St Ives‚Äė schlendern, zeigt sich langsam die Sonne. Der kleine Strand, neben dem sich auch die Tate St Ives befindet, ist bereits von hunderten Engl√§ndern und Touristen bev√∂lkert. Das Gr√ľn der Landschaft wettet hier mit den zahlreichen Blau-Abstufungen des Wassers um die Wette und erkl√§rt, weshalb sich hier im 20. Jahrhundert zurecht eine K√ľnstlerkolonie bildete. Anstatt uns in das Get√ľmmel am Strand zu st√ľrzen, erklimmen wir einen kleinen Berg, der einen perfekten √úberblick √ľber die gesamte Stadt bietet. Als wir abends zur√ľck in unsere Ferienwohnung in Newquay kehren, herrscht wieder Ebbe.

Dass in einer K√ľstenstadt das Wetter so schnell wechselt, wie das Wasser in der Bucht, wird uns am n√§chsten Tag bewusst, als sich Sonne am Mittag mit Regen abwechselt und meinen Schwestern erst am Abend die M√∂glichkeit gibt, Neoprenanz√ľge und Bodyboard bei pl√∂tzlich strahlendem Sonnenschein auszuprobieren. Auch Kitesurfer stellen hier nun ihre Kenntnisse unter Beweis. Um zweiundzwanzig Uhr taucht die Sonne Newquay noch ein letztes Mal in geheimnisvolles Licht, bis sie anschlie√üend hinter den Umrissen der Stadt verschwindet.

Nach einer Woche in Newquay √ľberwinde auch ich mich zum Schwimmen in eiskaltem Wasser. Tapfer st√ľrze ich mich bei Sonnenschein und Ebbe in die Fluten, um den Engl√§ndern ein wenig nachzuf√ľhlen. Selbstverst√§ndlich ohne Neoprenanzug. Es ist kalt und gewagt: Es ist England. Nach meinem Selbsttest verstehe ich nun, dass die Engl√§nder gerne ihre Grenzen austesten, bis zum Extremen gehen.

Nicht anders ist es zu erkl√§ren, dass einige hart gesottenen Engl√§nder bei Flut das in England popul√§re ‚ÄěCliff-Diving“ (Klippenspringen) betreiben. Nicht anders ist es zu erkl√§ren, dass einige Jugendliche sich bei Nacht auf eben jenen Klippen dem ebenso popul√§ren Alkohol widmen.
Doch solange dies Englands Charme und seinen unvergleichlichen Charakter aufrecht erhält, sei ihnen dies verziehen.

(Text: Ronja Heintzsch / Foto: Laura Horn by Jugendfotos. de)

 
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√úber den Autor

Ronja Heintzsch
Ressortleiterin Kultur

Konstruktive Kritik in bitterscharfen Kommentaren √ľben, die Welt bereisen, auf aktuelle Problematiken hinweisen - all dies sind Gr√ľnde, aus denen Ronja beschloss, sich dem Metier Journalismus zu verpflichten. Schlie√ülich gibt es noch einige unaufgedeckte Watergate-Aff√§ren in dieser Welt.

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