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„Rollstuhlbasketball ist eine der attraktivsten paralympischen Sportarten“

Interview mit dem Pressesprecher der Europameisterschaft 2013

Andreas Joneck, zuständig für Presse und Marketing der Europameisterschaft der Rollstuhlbasketballer vom 28. Juni bis zum 7. Juli in Frankfurt, spricht mit back view über die Entwicklungen der Sportart und die Erwartungen für die Europameisterschaft.

Herr Joneck, Rollstuhlbasketball – das ist für viele Menschen immer noch ein eher unbekannter Sport. Was ist für Sie das besondere am Rollstuhlbasketball?
Rollstuhlbasketball ist „the most spectacular game on wheels“, temporeich, action-geladen und gleichzeitig mit einem besonderen Charakter ausgestattet, heute nennt man dies wohl Inklusion.

joneckWie haben sich die Popularität und die Akzeptanz des Sports in Deutschland durch die Paralympics 2012 in London verändert?
Die Tendenz ist seit 2000, den Spielen Sydney, anhaltend positiv. Rollstuhlbasketball ist eine der attraktivsten paralympischen Sportarten und gewinnt überproportional mit der Wahrnehmung dieser Spiele. London hat zudem den Paralympics einen Respekt erwiesen, wie keine Nation zuvor.

Spiegelt sich das auch in den Zuschauerzahlen bei den Ligaspielen wieder? Oder konzentriert sich das Interesse dann doch mehr auf internationale Turniere?
Ja und nein. Dort wo professionelle Arbeit betrieben wird, boomt die Sportart. Dort, wo man noch immer im Dornröschenschlaf des Behindertensport ist, werden Chancen verschlafen.

Bei den Paralympics war der Fokus ja sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen auf die Finalteilnahme gelegt. Dass dann letztlich die Frauen die Goldmedaille geholt haben, war ja kein Zufall, oder?
Das deutsche System zeichnet sich durch ein durchdachtes Nachwuchskonzept aus, das Kinder ab dem achten Lebensjahr an den Sport heranführt, dies ist in seiner Gesamtheit auch international einmalig.

Nun steht die Europameisterschaft in Frankfurt in den Startlöchern und natürlich sind die Erwartungen hoch, nach den erfolgreichen Paralympics vor heimischer Kulisse nun beide Titel zu holen. Machen sich die Mannschaften auch Druck oder überwiegt die Vorfreude?
Die Erwartungen sind nicht beide Titel zu holen, dazu ist die Konkurrenz der Herren zu ausgeglichen. Natürlich wollen wir Edelmetall bei den Damen wie bei den Herren, sonst wären wir keine Sportler. Ich hoffe auf einen gesunden Druck ohne Verkrampfung.

Der Behindertensport wird in den Medien und auch in der Gesellschaft ja erst seit wenigen Jahren richtig ernst genommen. Sind Sie der Meinung, dass die Rollstuhlbasketballer mittlerweile als Hochleistungssportler anerkannt werden?
Ja, absolut. Die gesellschaftliche Akzeptanz, dass Rollstuhlbasketball in der Spitze Hochleistungssport ist, ist mittlerweile durchaus gegeben. Dies hat ja nichts mit der quantitativen medialen Präsenz zu tun, die ist in allen Sportarten gegenüber der Krux Fußball zu gering.

Wie sieht die finanzielle Lage der Spieler im Rollstuhlbasketball eigentlich aus? Können die Profis von dem Sport leben?
Sie können zumindest einen Teil ihres Lebens damit finanzieren. Es gibt Spieler, insbesondere in Südeuropa, die sehr gut von ihrem Sport leben können, dies ist aber natürlich quantitativ zu gewichten.

Der sportliche Aspekt und der Spaß auf dem Feld ist das eine – aber gerade im Behindertensport ist die Kehrseite der Medaille nicht zu vergessen. Denn hinter den Sportlern stehen ja oft bewegende Schicksale. Viele müssen betreut und unterstützt werden. Wie groß ist der Betreuungsaufwand im Hintergrund, in der Kabine, im Training und vor allem auf Reisen.
Betreuung ist der falsche Terminus, er impliziert Betreuungsbedarf und der ist nicht größer wie in jeder herkömmlichen Sportart auch. Natürlich ist unser logistischer Aufwand groß, aber im Rudern oder Reiten transportiert man sein „Sportgerät“ auch nicht so einfach durch halb Europa. Betreuung bedarf es aber nicht, da sind unsere Athleten mental deutlich aufgeräumter als in vielen anderen etablierten Sportarten!


Lieber Herr Joneck, vielen Dank für das Interview und viel Erfolg bei der anstehenden Europameisterschaft.

Weitere Informationen: eurobasketball-2013.de

(Interview: Konrad Welzel / Foto: Mediashots Werbefotografie)
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Über den Autor

Konrad Welzel
Gründer und Chefredakteur von back view

Konrad hat back view am 06. April 2007 gegründet - damals noch in diesem sozialen Netzwerk StudiVZ. Mittlerweile tobt sich Konrad ganz gerne im Bereich Social Media aus und versteht Menschen ohne ein Facebook-Profil nicht - dafür ist er viel zu neugierig!!!

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