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Das Rezept für eine perfekte Nacht

Auf der Suche nach der wichtigsten Zutat

„Die letzte Nacht war einfach unglaublich! Sowas hab‘ ich noch nie erlebt!“ Mit diesen Worten eröffnet meine Freundin Theresa das Gespräch. Wir haben uns getroffen, um den gestrigen Abend Revue passieren zu lassen. Ist es für eine perfekte Nacht eigentlich wichtig, was man macht? Oder nur, mit wem?

Theresa erzählt von ihrer neuen Eroberung, mit der sie im Club anscheinend noch richtig Gas gegeben hat, als ich schon längst im Bett war. Eine Stunde quatschen wir über den gestrigen Abend, was für witzige Dinge vorgefallen sind und, wie genial es doch war. „Das war echt nah dran an der perfekten Nacht!“, sagt sie noch, ehe wir uns wieder verabschieden.
Zu Hause denke ich darüber nach, was Theresa gesagt hat. Eine perfekte Nacht – was gehört denn überhaupt dazu? Gibt es ein Rezept für die „Nacht der Nächte“? Und wenn ja, was wären dann die Zutaten? Ich beginne zu überlegen.

Die perfekten Zutaten

Die Basis des Rezepts ist zunächst, ganz klar, richtig leckeres Essen! Am besten viel davon. Dazu ein gutes Glas Wein oder einen Cocktail und schon ist man gestärkt für eine perfekte Nacht.

Nächste Zutat: die Location. Es muss ja nicht London, New York oder Tokio sein, aber wie wäre es mit dem neu eröffneten Szene-Club um die Ecke? Dazu gehört natürlich auch das angemessene Outfit. Eine Prise Chic, ein Schuss Lässigkeit – die perfekte Mischung, um ordentlich die Tanzfläche zu rocken.

Apropos Tanzen: Die passende Musik darf auf keinen Fall fehlen! Einen Esslöffel der aktuellen Charthits, einen gehäuften Teelöffel Oldies und eine Messerspitze Elektro, das Ganze gut umrühren – fertig ist der perfekte Soundtrack für eine perfekte Nacht.

Am Ende die perfekte Nacht noch abschmecken und mit einer guten Prise Nervenkitzel verfeinern. Einfach mal was Unvernünftiges tun, etwas, das man schon immer tun wollte, sich aber nie getraut hat! Klingelstreiche beim verhassten Nachbarn? Einbruch ins Freibad? Jetzt ist der Moment dafür gekommen!

Irgendetwas fehlt!?
Als ich mein Rezept noch einmal betrachte, bin ich ziemlich zufrieden mit mir. Doch, da ist wirklich alles dabei, was man so braucht für eine perfekte Nacht! Doch dann denke ich daran zurück, welche Nacht mir persönlich als perfekt in Erinnerung geblieben ist. Und zwar diese eine laue Nacht im letzten Sommer, die ich mit einem besonderen Menschen völlig unspektakulär verbracht habe.

Coole Location? Fehlanzeige. Wir saßen auf einer Bank mitten im Wald, als es anfing, dunkel zu werden und auf einmal Tausende Glühwürmchen zu leuchten begannen. Wir blieben einfach so lange sitzen, bis es wieder hell wurde und redeten über Tiefsinniges genauso wie über Belanglosigkeiten.

Kulinarische Köstlichkeiten? Das Dosenbier war ziemlich schnell alle. Designerfummel? Damit hätte ich wohl ziemlich gefroren mitten in der Nacht. Soundtrack? Das Geschrei eines Uhus wird es wohl kaum in die Charts schaffen. Nervenkitzel? Wenn man einen vorbeipirschenden Hirsch in der Dämmerung so bezeichnen möchte. Und trotzdem war jeder Moment dieser Nacht perfekt.

Da wird mir klar, dass ich eine wichtige Sache in meinem Rezept vergessen habe, sogar die wichtigste Zutat überhaupt für eine perfekte Nacht. Klar, Party bis zum Umfallen macht richtig Spaß, aber muss es immer so spektakulär sein? Kommt es wirklich darauf an, wie man seine Zeit verbringt? Ist es nicht viel ausschlaggebender, mit wem man sie verbringt?

Ich glaube, ich rufe gleich Theresa an und frage sie, was sie heute Abend macht. Denn erst die richtigen Menschen machen eine gewöhnliche Nacht zu einer perfekten Nacht.

(Text: Anja Menzel / Foto: Christina Lange by jugendfotos.de)

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Über den Autor

Anja Menzel
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