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Reise trifft Rehabilitation

Medizintourismus wird immer populärer

Navid Gupta, ein indischer Chirurg, kann sich gl√ľcklich sch√§tzen, wenn er seinen Arbeitsplatz Tag f√ľr Tag betritt. Anstelle von Stra√üenstaub, L√§rm und den Abgasen der zahlreichen Mopeds, die durch die Stadt flitzen, begr√ľ√üt ihn die blank geputzte Eingangshalle eines Klinikums in Mumbai.

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Jeden Tag warten neue Patienten darauf, von Navid Gupta Hilfe zu bekommen. Der hochqualifizierte Arzt hat √Ąhnlichkeit mit einem heiligen Samariter. Denn seine Behandlung kostet viel weniger als √ľblich.

Sowohl der reichen als auch der wachsenden armen Bev√∂lkerungsschicht Indiens will die Klinik die gleiche medizinische Versorgung zukommen zu lassen. Schlie√ülich garantiert der Staat nicht f√ľr eine Krankenversicherung.

Besonders sorgenvoll blickt Gupta, wenn eine der W√§scherinnen aus dem ‚ÄěDhobi Ghat“, dem Waschviertel in Mahalakshmi, zu ihm gebracht wird. Oftmals tragen die Frauen schwerwiegende Verletzungen davon, weil ihre blo√üen H√§nde mit Chemikalien in Kontakt geraten sind.

Der Amerikaner, den er heute operieren soll, verkehrt in besser betuchten Kreisen. Er ist einer von vielen, die nach Asien reisen, um von niedrigen Behandlungskosten zu profitieren. Nur ein Zehntel der Kosten, die in den USA auf ihn zuk√§men, zahlt er bei Gupta, dem es an Kompetenz nicht mangelt. Nach seiner Operation will der Texaner am Juhu Beach flanieren oder die T√ľrme des Schweigens besichtigen. Reisen kombiniert mit Rehabilitation.

text_medizintourismusSpezialgebiete Asiens
Der wirtschaftliche Aufschwung Indiens segnete das Land mit neuesten Technologien, die nun im Gesundheitswesen Einzug finden. Insbesondere auf alternative Medizin, Knochenmarktransplantationen und Bypässe haben sich die asiatischen Länder spezialisiert. Die prachtvollen Bauten, in denen sie ihre ausländischen Gäste unterbringen, lassen so gar nicht vermuten, dass in einem Land operiert wird, in dem nach wie vor 30 Prozent der Bevölkerung unter der Armutsgrenze leben.

Das Kalari Kovilakom in Kerala beispielsweise gaukelt Patienten die perfekte Idylle vor. Eingebettet in die paradiesischen Annamalai-H√ľgel befindet sich der Ayurveda-Palast mit den 18 Suiten, in denen kein Fleisch, Leder oder Alkohol erlaubt ist. Wer eine entspannende Therapie, begleitet von Yoga und vegetarischen Gerichten, durchf√ľhren m√∂chte, ist im Kovilakom richtig.

Ganz nebenbei l√§sst der Ausblick auf die m√§rchenhaft gr√ľnen Berge keinen Zweifel daran aufkommen, warum der Medizintourismus so attraktiv geworden ist. In einer solchen Umgebung l√§sst es sich wohl gleich viel schneller und besser gesund werden als im tristen Heimatland. Die Globalisierung macht es m√∂glich und l√§sst das Gesch√§ft mit der Gesundheit in Indien um 30 Prozent j√§hrlich wachsen.

Doch w√§hrend der Amerikaner auf Guptas OP-Tisch die 10.000 Dollar teure Prozedur √ľber sich ergehen l√§sst, d√ľrfen die Einheimischen Schlange stehen. Die Gesundheitstempel werden nicht f√ľr die Millionen von Indern aus ruralen Gebieten gebaut, die vergeblich auf medizinische Hilfe warten, sondern f√ľr weitaus lukrativere Ausl√§nder.

‚ÄěCured in Germany“
Diese nahmen bis vor einigen Jahren auch noch deutsche Kliniken in Anspruch. Mit hohen Qualit√§tsstandards, kompetenten √Ąrzten, Komfort und einem sehr guten Image konnte die Bundesrepublik finanziell unabh√§ngige Patienten aus den Vereinigten Arabischen Emiraten oder Russland f√ľr sich gewinnen, in deren Heimatl√§nder die gesundheitlichen Standards zu w√ľnschen √ľbrig lie√üen. Doch der Preis kann l√§ngst nicht mehr mit dem indischen oder thail√§ndischen mithalten.

Ob Medizintouristen die Wirtschaftskraft Indiens weiter st√§rken und den Lebensstandard der Bev√∂lkerung nachhaltig heben k√∂nnen, bleibt fraglich. Navid Gupta muss heute Abend einen Japaner an der H√ľfte operieren, w√§hrend seine Frau im bescheidenen Zuhause auf ihn wartet. Ihr Sohn hat schweren Husten, sie hofft, dass Navid Medikamente aus dem Krankenhaus mitbringen wird.


(Text: Ronja Heintzsch / Foto: Alex Viebig by jugendfotos.de)

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√úber den Autor

Ronja Heintzsch
Ressortleiterin Kultur

Konstruktive Kritik in bitterscharfen Kommentaren √ľben, die Welt bereisen, auf aktuelle Problematiken hinweisen - all dies sind Gr√ľnde, aus denen Ronja beschloss, sich dem Metier Journalismus zu verpflichten. Schlie√ülich gibt es noch einige unaufgedeckte Watergate-Aff√§ren in dieser Welt.

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