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Rache ist süß-sauer

Die Frauennationalmannschaft holt Gold
Am 30. Juni 2002 verlor die deutsche Männerfußballnationalmannschaft das Finale der Weltmeisterschaft gegen Brasilien mit 2:0. Bei der WM 2006 im eigenen Land war bereits im Halbfinale gegen Italien der Titel verloren. Allerdings sorgte die begeisternde Spielweise der deutschen Mannschaft dafür, dass diese Zeit der WM als Sommermärchen im kollektiven Gedächtnis des deutschen Fußballs für ewig bleiben wird. Nun hat auch die deutsche Frauenfußballnationalmannschaft ihr Sommermärchen – die Revanche gegen Brasilien ist gelungen.

Deutschland ist wieder Weltmeisterin! Der Titel von 2003 konnte erfolgreich verteidigt werden, einmalig in der Geschichte des Frauenfußballs. Mit dem unglaublichen Torverhältnis von 21:0 schenkten die DFB-Damen ihrer Trainerin Sylvia Neid den ersten Titel.

Die erste Halbzeit begann hektisch für die deutsche Mannschaft. Brasilien erspielte sich ein Übergewicht auf dem Spielfeld und konnte durch schnelle und gefährliche Vorstöße immer wieder Chancen herausarbeiten. Eine Direktabnahme von Daniela krachte in der 24. Minute an den deutschen Innenpfosten, weitere gute Chancen konnten nur noch durch die deutsche Torhüterin Nadine Angerer entschärft werden. Doch auch die DFB-Auswahl kam zu einigen guten Möglichkeiten, die größte durch Kerstin Garefrekes, die den Ball bereits in der 5. Minute ans Außennetz donnerte. Mit null zu null ging es nach 45 Minuten wieder in die Kabinen.

Nach dieser packenden ersten Halbzeit, in der die Brasilianerinnen um die Weltfußballerin Marta zur Hochform aufliefen und sich eine Vielzahl hochkarätiger Chancen mit beeindruckender Leichtigkeit herausspielten, drehte die deutsche Nationalmannschaft zur zweiten Halbzeit auf. Bereits in der 52. Minute erzielte Birgit Prinz nach schöner Vorarbeit von Sandra Smisek den Führungstreffer. Nadine Angerer schwang sich in der 64. Minute zur Heldin auf, als sie einen Foulelfmeter von Marta parierte und kurz darauf noch einen gefährlichen Freistoß hielt. Die Halbzeitpause schien den deutschen Spielerinnen zu neuem Mut verholfen zu haben. Wie bereits in der ersten Hälfte entwickelte sich ein offener Schlagabtausch, brasilianische Leichtfüßigkeit gegen deutsche Effektivität. Die deutsche Abwehr sah sich zunehmend in Bedrängnis, das Team von Bundestrainerin Sylvia Neid ließ sich das Spiel langsam wieder aus der Hand nehmen. Mit eisernem Willen gelang es jedoch ein ums andere Mal, die Angriffe Brasiliens zu entschärfen.

Ein packendes Spiel, dessen Ausgang erst in der 86. Minute entschieden wurde. Simone Laudehr schraubte sich in ihrem erst achten Länderspiel nach einer Ecke im brasilianischen Strafraum hoch und köpfte den Ball unhaltbar in die Maschen. Die Spannung blieb weiterhin auf einem Höhepunkt, Chancen gab es noch auf beiden Seiten. Getanzt wurde dann allerdings nicht mehr auf dem Rasen, sondern nur noch auf der deutschen Bank. Das Spiel war entschieden, Deutschland ist Weltmeister. Nach dem Abpfiff stürmten die deutschen Reservespielerinnen und Betreuer das Spielfeld und feierten ausgelassen auf dem Rasen des ausverkauften Hongkou-Stadion in Shanghai, während die Brasilianerinnen sichtlich enttäuscht die Niederlage hinnehmen mussten.

Eines der besten Turnierspiele überhaupt, das von unglaublichem Tempo, Spannung und Dramatik sowie von technischer Brillanz auf beiden Seiten geprägt war, konnte Deutschland für sich entscheiden und sich nach einer beeindruckenden Leistung bei dieser Weltmeisterschaft wieder den Titel sichern. Birgit beendete schließlich dieses fantastische Turnier mit dem wohl emotionalsten und wichtigsten Griff, den es im Fußball gibt: dem Griff nach dem Weltmeisterschaftspokal.

Deutschland ist Weltmeister!

(Text: Robert Reiche)


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Wenn Robert mal groß ist, will er es auch bleiben. Bis dahin verbringt er seine Zeit in virtuellen Welten und denkt, redet und schreibt über Filme, Spiele sowie über Gesellschaftsthemen. Der studierte Historiker arbeitet dazu noch als IT-Berater und verreist gern mit dem Fahrrad, um Länder und Leute kennenzulernen.

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