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„Mama ich will nicht auf die Welt kommen“

Terror und Gewalt in Tibet

Kann sich noch jemand an das Lachen des Dalai Lama erinnern, was vor einiger Zeit durch die Fernsehmedien ging? Das kichernde „hihihi“ Lachen?! Ich kann mich noch genau daran erinnern und es schallt jedes Mal beim Gedanken an ihn in meinen Ohren. Vielleicht können sich noch einige daran erinnern und sie mĂŒssen schmunzeln, weil es so ein erfrischendes „Gutelaunelachen“ war. Die, die sich noch nie wirklich mit Tibet auseinandergesetzt haben bringen dann vielleicht aber den Dalai Lama mit Tibet in Verbindung, mit den Mönchen und Tibet mit dem Buddhismus und dem Einklang mit sich selbst und mit der Umwelt. An Erholung, an Ruhe. Ist es so?

Oder hat sich auch mal jemand gefragt, wer diese Menschen wirklich sind in Tibet. Weiß jemand von ihrer erschreckenden Situation? Nicht erst jetzt im Moment seit den immer wieder aufflammenden neuen Pressemeldungen. Weiß jemand, wie es den Menschen in Tibet schon seit sehr langer Zeit geht? Was „Alltag“ fĂŒr diese Menschen ist?
Die Eskalation dieses Jahr im MĂ€rz brachte das Ganze „nur“ wieder öffentlich in die Medien. Doch wie geht es den Menschen dort? Den Kindern und den Frauen zum Beispiel? Dem chinesischen Gesetz nach sind neun Jahre Schulbildung fĂŒr Kinder obligatorisch. Wenn man sich in diesem Zusammenhang jedoch die lĂ€ndlichen Gebiete Tibets ansieht, in denen knapp 80 % der Bevölkerung leben, gilt eine allgemeine Schulpflicht von drei Jahren. 30 % dieser Kinder erhalten sogar ĂŒberhaupt keine Bildung, so dass demzufolge die Analphabetenrate bei 70 % liegt.

Das liegt daran, dass China die unterentwickelten Regionen, wie zum Beispiel Tibet nicht fördert, sondern sich eher auf die entwickelten Gebiete konzentriert – beispielsweise besonders großen Wert auf die bereits erfolgreichen Studenten legt. Somit rĂŒhrt es nicht weit her, dass es einen Mangel an staatlich finanziellen Mitteln gibt.
Dies wiederum dazu fĂŒhrt, dass Schulen gezwungen werden, hohe GebĂŒhren zu verlangen. Die Tibeter können sich dies jedoch nur sehr geringfĂŒgig leisten, da sie weitestgehend Bauern oder ViehzĂŒchter sind. Das Ergebnis, dass arme Kinder nicht zur Schule gehen können, ist somit ein selbstverstĂ€ndliches Resultat. Sogar gibt es Hinweise, dass von chinesischen SchĂŒlern geringere SchulgebĂŒhren verlangt werden als von tibetischen.

Zudem ist es fragwĂŒrdig, wieso in den Schulen fĂŒr die tibetischen Kinder keine Erziehung in ihrer Muttersprache stattfindet. Nach den ersten drei Jahren wechselt der Unterricht ins Chinesische. Die PrĂŒfungen nach der 6. Klasse, die stattfinden, um die Aufnahme in höhere Schulen zu ermöglichen, finden ebenso in Chinesisch statt.
Die Durchfallrate bei Tibetern ist deshalb sehr hoch anzusetzen. Die unterrichtenden Lehrer, die hauptsĂ€chliche chinesische sind und somit auch in China ausgebildet wurden, weigern sich vielmals sogar die tibetische Geschichte und Kultur ĂŒberhaupt zu unterrichten. Eine weitere mangelhafte Entwicklung stellt die ErnĂ€hrung und GesundheitsfĂŒrsorge dar. Tibetische Kinder sind hĂ€ufig krank und unterernĂ€hrt.

Die Lage scheint sich in den letzten Jahren eher verschlechtert als verbessert zu haben. Als Beispiel hier zum Beispiel zum Thema Trinkwasser. In den lĂ€ndlichen Gebieten muss man von weit her das Wasser holen. Dies riecht meist anstĂ¶ĂŸig und ist von Insekten verunreinigt. Wiederum um es abzukochen hat nicht jeder Kochgas im Haushalt. Daher rĂŒhrt es, dass die Menschen an Bauchschmerzen leiden und krank werden.

Eine gewisse Besserung scheint lediglich aufgrund der ab den 80er Jahren erlaubten auslÀndischen Hilfeleistungen eingetreten zu sein. Jedoch scheitern die Behandlungen dennoch an oftmals nichtvorhandenen finanziellen Mitteln.

Ein weiteres heikles Thema sei zu erwÀhnen, dass die Regierung auch vor Folterungen keinen Halt macht. Berichten des UN Komitees zufolge sind Verhaftungen und schwere Folterungen, mit immer hÀufigerem tödlichem Ausgang, besonders bei Tibetern zu verzeichnen.

Sogar die Kinder sind davon nicht gefreit. Selbst im frĂŒhen Grundschulalter werden Kinder von der Polizei auf der Straße angehalten, geschlagen und sogar in GefĂ€ngnisse gesteckt. Dort stehen meist weder Betten, Decken noch Nahrung fĂŒr sie bereit. Sie sind von der Familie isolieret und werden sogar gefoltert. Auf das Ausmaß der Folterungen hier genauer einzugehen erspar ich mir. Meist sind die GrĂŒnde fĂŒr eine Festnahme, dass sie aus politischen oder religiösen GrĂŒnden versucht hatten aus Tibet zu fliehen.

Frauenspezifische Menschenrechtsverletzungen
Bekannt ist, dass in China die „Ein-Kind-Familie“ in der Politik verankert ist. ZunĂ€chst sollte Tibet von diesem Gesetz nicht berĂŒhrt werden, jedoch seit den 80ern verfolgt die chinesische Regierung diese Familienpolitik auch in Tibet. In der RealitĂ€t kommt es ĂŒberdies vor, dass Frauen bei ihrer ersten Schwangerschaft eine mit Sterilisation verbundene Zwangsabtreibung durchleben mĂŒssen. Berichten zufolge werden als Beispiel von 100 Tibeterinnen 2/3 nach der Abtreibung sterilisiert. Unter dem Deckmantel des eugenischen Gesetzes können Frauen sogar zum Wohle der BevölkerungsqualitĂ€t gewaltsam sterilisiert werden. Selbst Abtreibungen im 7. Monat sind zu verzeichnen.

Tibet war nie als Land mit einen Übervölkerungsproblem bekannt. Die Geburtenpolitik wird primĂ€r als ethische SĂ€uberung angesehen. Die chinesische Gesetzgebung erlaubt zudem, dass sie jeder Person mit einer erblichen „Geisteskrankheit“, körperlicher und geistiger Behinderung verbieten kann, Kinder zu bekommen.
Seit 1982 gibt es Aufzeichnungen, dass zwei Arten von Geburtenkontrollen durchgefĂŒhrt werden. Einmal wird gezielt in KrankenhĂ€usern kontrolliert. Diese mĂŒssen die Frauen zur Entbindung aufsuchen, um die notwenigen Papiere und Lebensmittelkarten zu erhalten.
Weiter gibt es Geburtenkontrollteams, die von Dorf zu Dorf ziehen oder Teams stellen in der NĂ€he von Dörfern Zelte auf und Termine zur Untersuchung anberaumen. Wer sich dem entgegensetzt, muss mit schweren Folgen rechnen. Sogar fĂŒr außer planmĂ€ĂŸige Kinder werden Geldstrafen erhoben, die oft das Jahreseinkommen einer Familie ĂŒbersteigen oder auch mit LohnkĂŒrzungen bis zur HĂ€lfte oder auch mit dem Verwehren von Lebensmittelkarten sind zu rechnen.

Nebst der brutalen Geburtenkontrollpolitik lassen sich insbesondere in grĂ¶ĂŸeren tibetischen StĂ€dten junge MĂ€dchen prostituieren. Dies nur, um sich ihr Lebenseinkommen zu sichern, da sie auf dem Arbeitsmarkt von den chinesischen Neusiedlern verdrĂ€ngt werden. Vergewaltigungen und dies im Übrigen auch in GefĂ€ngnissen, in die die Menschen ohne großes Prozedere gesteckt werden können, sind leider keine Seltenheit.

(Text: Astrid Nisch)
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Über den Autor

Astrid Nisch
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