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„Land Unter“ in Down Under

Australiens schlimmsten Fluten seit 50 Jahren

„Where the sun always shines“ – Wo die Sonne immer scheint. Mit diesem Slogan lockt Australiens normalerweise sonniger Bundesstaat Queensland jährlich tausende Touristen ins Land. Seit gut drei Wochen ist das einstige Paradies an der Ostküste allerdings nicht mehr mit Reisenden, sondern mit Wasser überflutet.

Dass die Regenzeit in Queensland wie jedes Jahr zur australischen Sommerzeit kommen wird, war allen klar. Mit dem gewaltigen Ausmaß des Niederschlages hat jedoch keiner gerechnet. Tagelange sintflutartige Regengüsse haben das Land innerhalb kürzester Zeit unter Wasser gesetzt. Flächen so groß wie Frankreich und Deutschland zusammen sind von den Ausmaßen betroffen.
Das Klimaphänomen La Niña verwandelt den sonst verheerend trockenen Kontinent in ein Chaosland der Superlative. Nachrichten von in den Fluten schwimmenden Haien, Krokodilen und Schlangen lassen das Ganze wie einen schlechten Horrorfilm aussehen. Das Drama ist allerdings bitterer Ernst und für viele die Zerstörung ihrer kompletten Existenz.

Die Langzeitschäden, die ganz Australien von der Umweltkatastrophe davontragen wird, sind nur im Ansatz auszumalen. Der landwirtschaftliche Sektor wird wohl am meisten mit den Folgen zu kämpfen haben. Komplette Ernten sind zerstört. Queensland ist bekannt für ein ganzjährig mildes Klima, bei dem viele wichtige Exportgüter angebaut werden können. Doch so schnell wird aus  Queensland wohl kein Obst, Baumwolle oder Getreide mehr kommen. Millionen Tonnen Rohstoffe wurden vernichtet. Damit steigen die Lebensmittelpreise, was zu einem landesweiten finanziellen Engpass führen könnte.

AustralienDazu kommen noch die Verluste, die Australien in seiner wichtigsten Branche verspüren wird: Dem Tourismus. Viele Reisende sitzen schon fest und müssen in Notaufenthaltshallen unterkommen. Der Rest macht einen weiten Bogen um Queensland und reist in anderer Richtung weiter. Oder die Reise wird direkt abgesagt und die Touristen bleiben ganz zu Hause.

Um wenigsten das Schicksal der verzweifelten Opfer zu verbessern, die durch die Fluten alles verloren haben, fordert die australische Regierung die Bevölkerung zu großzügigen Spenden auf. In Radio und Fernsehen sprechen betroffene Menschen, erzählen von ihrer Situation und bitten um Hilfe. 17 Menschen kamen bereits ums Leben, fast 80 weitere werden laut Queenslands Regierungschefin Anna Bligh noch vermisst. Premierministerin Julia Gillard ist bestürzt: „Wir betrauern die Toten, aber die Nation muss sich auf noch schlechtere Nachrichten einstellen.“

Die Filmaufnahmen der Katastrophe sprechen für sich. Reißende Fluten in mitten einer kleinen Stadt, Vans die wie kleine Plastikschiffe die Straßen entlang geschleudert werden und dabei Bäume ohne Weiteres umwälzen, als seien sie Streichhölzer. Menschen klammern sich an Laternenpfosten und Bäumen fest, um nicht von den Fluten weggerissen zu werden.
Mittlerweile erreichte die Katastrophe auch die Millionenhauptstadt Queenslands, Brisbane.  Flüsse der drittgrößten Stadt Australiens traten über, der Hafen wurde gesperrt. Während sich hier die Situation allerdings bald wieder etwas entspannte, kam es im Bundesstaat Victoria ebenfalls zu Überflutungen. In 8 000 Haushalten um die Hauptstadt Melbourne fiel nach heftigem Regen und Wind der Strom aus.

Das Paradoxe: Im Westen Australiens könnte ein wenig Regen nicht schaden. Waldbrände gefährden dort zur Zeit Natur und Menschen. Ob sich die Lage im Chaosland bald verbessert, bleibt abzuwarten. Das Schlimmste sei laut Wetterexperten vorüber. Nun sorgt hoffentlich die Sonne bald wieder für normale Wasserpegel.

(Text: Julia Jung / Foto: nora afhueppe by jugendfotos.de)
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Über den Autor

Julia Jung
Stellvertretende Chefredakteurin und Ressortleiterin English

Hauptberuflich ist Julia Weltenbummlerin, nebenberuflich studiert sie Politik. Wenn sie nicht gerade durch Australien, Neuseeland, Südafrika oder Hongkong reist, schreibt sie ein paar Zeilen für back view und das schon seit 2009.

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