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„Earth is mother, seed is child“

Zur Konferenz ökologischer Landwirte Indiens

Der Klimawandel war dieses Jahr wieder ein Phänomen, das uns Deutsche direkt betroffen hat. Mal kommt der Winter zu spät, mal bricht er zu früh und heftig über uns herein. Auch in Indien sind die Menschen, vor allem die Bauern, bereits davon betroffen. Jedoch gefährden die aktuellen Wetteränderungen dort weniger den Straßenverkehr, als die Ernte und damit die Existenz ganzer Landstriche.

landwirteOb in Nord- oder Südindien, in vielen Regionen stoppt der Regen entweder kaum mehr oder er fällt andererseits nur spärlich. Dieses Problem war eines der viel diskutierten Themen auf der diesjährigen Konferenz der „Organic Farmers Association of India“ (OFAI) von 15. bis 17. Dezember 2010.
Über 700 Bauern aus allen Teilen Iniens kamen nahe der Stadt Anand, Gujarat, zusammen, um sich vor allem über zwei Fragen auszutauschen: Wie kann nachhaltige und ökologische Landwirtschaft Bauern helfen mit den Folgen des Klimawandels fertig zu werden, aber auch, wie kann man mit natürlichen landwirtschaftlichen Methoden gegen die Ursachen des Klimawandels ankämpfen?

Anstatt in großen Hallen, wie in den Jahren zuvor, traf man sich dieses Mal auf einem biologisch-dynamiscvortrag der saatgutbibliothek annadana soil and seed saversh wirtschaftenden Hof, der mit viel Liebe und Arbeit zu einem Konferenzzentrum umgestaltet wurde. So war die Konferenzhalle ein Bambushain und die lebendige Natur in und um den Hof diente als Beispiel effektiver natürlicher Landwirtschaft.
Über drei Tage hinweg gab es Vorträge von erfolgreichen Saatgutbibliotheken über die verloren gegangene Kunst des Saatgutherstellung und -aufbewahrung und wissenschaftliche Präsentationen über Wetter und Böden. Dr. Om Rupela, Agrarwissenschaftler und Mikrobiologe, bestätigte, dass gesunde Erde, hauptsächlich durch den Einsatz von Kompost aufgebaut, die Basis gesunder Landwirtschaft ist.

Böden, die von künstlichen Düngern und Pestiziden verschont bleiben, speichern vor allem Wasser deutlich besser und sind so den extremen Wettersituationen, wie sie sich auf der ganzen Welt häufen, gewappnet. Ganz zu schweigen von den Mikroben, nützlichen Bakterien und Würmern, die beim Aufbau gesunder Böden wichtige Aufgaben übernehmen.

An den Nachmittagen bildeten sich jeweils kleine Diskussionsgruppen zum Erfahrungsaustausch über Verarbeitung und Vermarktung von Bio-Produkten, Bodenkunde und über nützliche Pflanzen zur natürlichen Schädlingsbekämpfung. Einen großen Teil nahmen allerdings praxisbezogene Arbeitsgruppen ein, in denen verschiedenste Kompostierungsmethoden zur Schau gestellt oder die Herstellung von Flüssigdüngern vorgeführt wurde.

Den Auftakt der Konferenz bildete eine Reihe von Berichten von Bauern, über ihre Beobachtungen im Klimawandel und ihrer Arbeit damit. Speziell Landwirte aus den südlichen Staaten Kerala und Goa haben dieses Jahr mit besonders heftigen und langanhaltenden Regenfällen zu kämpfen. Der Monsun hat bis zu zwei Monate zu früh begonnen und hat in Kerala bis jetzt nicht gestoppt. Das bedeutet zusätzliche vier Monate Regenfälle mehr, als es normalerweise der Fall ist. Der Anstieg des Regenwassers – um bis zu 80 Prozent – zerstörte die Winterernte vieler anwesender Bauern. Für einige war das ein Grund, auf künstliche Dünger, Pestizide und Gentechnik zu verzichten.
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Somit fand hier auch ein Treffen derer statt, die sich gegen die zunehmende Industrialisierung der Landwirtschaft durch westliche Konzerne in Indien wehren. Die Menschen sehen nun die Folgen jahrelangen Düngens und der damit verbundenen Abhängigkeit von den Firmen. Diese Konferenz war ein wichtiger Beitrag die traditionelle Produktion von Lebensmitteln zu schützen und zurück zu natürlichen Methoden zu finden, die schon seit Hunderten von Jahren die Nahrung der Menschen hier sichergestellt haben.

(Text und Fotos: Sebastian Heilmann)
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