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Poetische Paris-Zeitreise von Woody Allen

Frankreichs Kulturecke: „Midnight in Paris“
Sie will das ultimative Paris-Freizeit-Programm, er sucht Inspiration fĂŒr seinen Roman und erkundet Paris am liebsten zu Fuß im Regen. Klar, dass das nicht gut gehen kann. Woody Allens neuer Film „Midnight in Paris“ verknĂŒpft Beziehungsstress mit Nostalgie und ist nebenbei auch noch herrlich komisch.

Eines Abends flĂŒchtet Gil Pender (Owen Wilson in einer ernst zunehmenden Rolle) vor der schicken Familie seiner Verlobten, die im schicken Restaurant das schicke Essen genießt. Er verlĂ€uft sich, setzt sich schließlich auf eine Treppe, es schlĂ€gt Mitternacht. Da passiert es: Vor ihm hĂ€lt ein alter Wagen, Modell zwanziger Jahre. Eine lustige Truppe lĂ€dt ihn zum Mitfeiern ein und schleppt ihn zur Party von F. Scott und Zelda Fitzgerald. Gil traut seinen Augen nicht und glaubt sich schon unter DoppelgĂ€ngern. Doch als die anderen GĂ€ste auf seine Anspielungen mit ratlosem LĂ€cheln reagieren, dĂ€mmert ihm, dass er tatsĂ€chlich im Paris seiner Idole gelandet ist, in den zwanziger Jahren.

Doch kaum hat er die Party verlassen, ist der Zauber verflogen. Am darauffolgenden Tag leistet er mit steigendem Widerwillen seiner Verlobten und deren Besserwisser-Freunden in Museen und vor SehenswĂŒrdigkeiten Gesellschaft. PĂŒnktlich um Mitternacht wartet er wieder an der Treppe – und reist erneut in die Vergangenheit.

WĂ€hrend seiner mitternĂ€chtlichen Stippvisiten in den Zwanzigern lĂ€sst er nicht nur das Manuskript seines Romans von Gertrude Stein Korrekturlesen, er lernt auch die bezaubernde und verfĂŒhrerische Adriana (Marion Cotillard) kennen, die ihm zuliebe Picasso den Laufpass gibt. Mit Adriana kommt er ins SchwĂ€rmen fĂŒr diese tollen zwanziger Jahre, doch sie trĂ€umt ihrerseits von der Vergangenheit: Das Paris der Jahrhundertwende sei eine schöne Zeit gewesen, la bohĂšme et cetera. Und Gil erkennt, dass sich jeder nach einer Zeit sehnt, in der „alles besser war“. Wer das weiß, kann auch den Zauber „seiner“ Zeit entdecken – schließlich ist es die „belle Ă©poque“ von morgen.

Woody Allen ist mit „Midnight in Paris“ ein Meisterwerk gelungen. Er verwebt RealitĂ€t und BanalitĂ€t des heutigen Paris mit dem Zauber der zwanziger Jahre. Das Stelldichein von Picasso, DalĂ­, Buñuel, Gertrude Stein und den Fitzgeralds lĂ€sst Gil Pender und den Zuschauer sprachlos zurĂŒck. Die Konfrontation des Möchtegern-Schriftstellers mit seinen Idolen sorgt fĂŒr die Hauptlacher des Films (etwa Adrien Brody als herrlich exzentrischer Salvador DalĂ­). Aber auch Rachel McAdams als oberflĂ€chliche, perfektionistische und höchst misstrauische Verlobte bringt das Publikum zum Schmunzeln.

Fazit: Poetisches Meisterwerk, das sich tief vor den Autoren der zwanziger Jahre verneigt. Woody Allen kritisiert den vergnĂŒgungssĂŒchtigen Paris-Tourismus und geizt wie immer nicht mit Spitzen gegen Beziehungen. Selten war ein Paris-Spaziergang im Regen romantischer und witziger.

„Midnight in Paris“ startet am 15. September 2011 in den deutschen Kinos.

Bewertung: 5 von 5 Sternen

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(Text: Anna Franz / Zeichnung: Christina Koormann)


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Über den Autor

Anna Franz
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