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Plädoyer für die Geisteswissenschaften

Kolumne zu geisteswissenschaftlichen Fächern

Warum sollte ich eigentlich Geisteswissenschaften studieren? Oder warum etwa Sozialwissenschaften? Laut den Umfragen von diversen Forschungsinstituten schneiden die Geisteswissenschaftler schließlich auf dem Arbeitsmark deutlich schlechter ab als andere Zielgruppen, wie in etwa Wirtschaftswissenschaftler oder Naturwissenschaftler. Auch im Vergleich der Einkommen lässt sich im späteren Beruf meistens eine deutliche Diskrepanz zwischen Geisteswissenschaftlern und anderen Uni-Absolventen erkennen.

Also noch einmal: Wieso sollte man unter diesen Bedingungen Geisteswissenschaften studieren?

Über einen Mangel an Studenten brauchen sich die geisteswissenschaftlichen Fakultäten schließlich keine Sorgen zu machen, denn oft sind es gerade jene Fachbereiche, die mit überfüllten Seminaren und zu vielen Studenten zu kämpfen haben.

Was treibt die ganzen Jugendlichen dazu ein geisteswissenschaftliches Fach zu studieren? – wäre eine weiterführende Frage.

Die Antwort ist ganz einfach: Nur wenn man die Möglichkeit bekommt über Dinge zu reflektieren, kann man zu sich Selbst finden.
Damit ist gemeint, dass die Geisteswissenschaften es den Studierenden ermöglichen eine Vielzahl von Theorien, historischen Abläufen usw. nachzuvollziehen und sich anhand dessen ein eigenes Bild Ihrer selbst oder aber der Welt zu formen.
Ein Reifungsprozess findet statt, der in etwa bei einem Fach wie BWL nicht gegeben sein wird, da hier der Stellenwert auf bloßem Erlernen von Fakten beruht. Das kritische, nachdenkliche Ich unserer Selbst wird dabei aber gänzlich übergangen.

Die Lektüre von Goethe oder die „Dialektik der Aufklärung“ von Adorno hingegen, geben uns die Möglichkeit nachzudenken, nachzuvollziehen und letztendlich für sich selbst einen Entschluss zu ziehen. Diese Früchte bieten gerade in einer immer komplexer werdenden und vor allem wirkenden Gesellschaft eine kleine Schutzzone. Und nicht nur das. Auch die Reflexion über das Sei-ende (die Gesellschaft) durch das Erlernte und nie zu Ende reifende kulturelle Gedächtnis der Geisteswissenschaftler ist enorm wichtig.

Ökonomischen Erfolg kann man damit allerdings nicht mehr erzielen. Die Zeiten haben sich zu damals geändert. Aber muss sich daher auch der Mensch ändern? – Nein, er muss es nicht. Schließlich hat man nach dem Abschluss des geisteswissenschaftlichen Faches immer noch die Möglichkeit sich wirtschaftlich weiterzubilden oder aber dieses parallel zu der Geisteswissenschaft zu tun.
Also, traut Euch was und studiert Geisteswissenschaften!
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