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Schneller! Höher! Einiger? – Die Olympischen Spiele in Pyeongchang, Südkorea

Nachgefragt bei einer koreanischen Studentin

Eine gemeinsame Leidenschaft! Das ist das Motto der Olympischen Winterspiele in Südkorea. Was ist Gemeinsamkeit?, das ist die große Frage auf der koreanischen Halbinsel. Was erwarten die Koreanerinnen und Koreaner von den Spielen, welche Hoffnungen verbinden sie damit? Stephan Raab hat mit der koreanische Studentin Soheui Yoon gesprochen.

Höher, schneller, fortschrittlicher

Bereits zum zweiten Mal finden die Olympischen Spiele in Südkorea statt. Im Jahre 1988 waren die Sommerspiele von Seoul der Höhepunkt der Demokratiebewegung. Unter den Slogan 민(Min,das Volk), 민족 (Minsuk, die Nation) und 민충 (Minjung, etwa Gemeinschaft des Volkes) gingen die Südkoreaner auf die Straße, um für ihre demokratischen Rechte zu protestieren. 30 Jahre später blickt die Weltöffentlichkeit wieder auf die koreanische Halbinsel. 30 Jahre die vieles verändert haben.

Heute gehört Südkorea zu den Vorreitern im Bereich der digitalen Revolution, erscheint teils technologisch um Jahre dem Westen voraus zu sein. Das Land hat aber auch viel Tradition. Daher freut es die koreanische Studentin Soheui Yoon, dass die Olympischen Winterspiele wieder in ihrem Heimatland Südkorea stattfinden.
Südkoea olympia

Dabei sein ist alles

Lange Zeit war unklar, ob die Spiele aufgrund der Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und der kommunistischen Volksrepublik Nordkorea überhaupt stattfinden werden. Dabei finden sich Wintersportbegeisterte nördlich und südlich der demilitarisierten Zone, welche beide Koreas trennt. Nahe der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang befindet sich das Skiressort Masikyrong, welches auch vereinzelt von ausländischen Besuchern genutzt wird.

Soheui ist selber begeisterte Wintersportlerin und fährt selbst regelmäßig Ski. Auch wenn viele Athleten aus Südkorea antreten, hat sie keinen speziellen Lieblingsathleten. „Ich mag sie einfach alle!“ Wichtig ist Soheui vor allem der olympische Gedanke. „Es freut mich, dass so viele Menschen nach Korea kommen, um die Spiele zu erleben und unser Land besuchen. Dafür wünsche ich mir vor allem Fair Play. So können wir gemeinsam viel Beifall klatschen!“

Die Olympischen Spiele bieten auch neue Möglichkeiten für den innerkoreanischen Dialog, wie Soheui findet. Zum ersten Mal in der Geschichte der Olympischen Spiele, als auch in der Geschichte der koreanischen Halbinsel, gibt es eine gesamtkoreanische Eishockeymannschaft. Hier nehmen Nordkoreaner und Südkoreaner gemeinsam als Koreaner an den Olympischen Spielen teil. Vielleicht trägt dies zur Überwindung der zunehmenden Entfremdung bei.

Gemeinsam Berge versetzen

안녕하세요, (anyong haseo), der Friede sei mit dir, lautet die Begrüßung beiderseits ob im Norden oder im Süden der koreanischen Halbinsel. „Am wichtigsten ist vor allem das Gespräch“, betont die politikinteressierte Soheui Yoon. Viele Schwierigkeiten gab es zuletzt in den innerkoreanischen Beziehungen. Seit langem ist das Programm zur Familienzusammenführung ausgesetzt. Insbesondere Senioren, haben so die Möglichkeit, ihre durch den Koreakrieg getrennten Familien wieder -
wenn vielleicht auch zum letzten Mal – zu sehen.

Sie sind die einzige Verbindung zwischen zwei Staaten eines Volkes, dass sich in den letzten Jahren immer stärker voneinander entfernt hat. „Durch diese Olympischen Spiele erwarte ich mir, dass wir wieder stärker ohne Aggressionen, Drohgebärden oder Atombomben zueinander finden mögen“, erhofft sich Soheui. So verschiedene Wege beide koreanische Staaten auch gewählt haben, so sehr teilen sie die koreanische Halbinsel und deren Kultur.

Neben Hangeul, als gemeinsame Schrift, ist dies insbesondere die Leidenschaft für Musik. Neben den vielen K-Pop Gruppen im Süden, sorgt die Gruppe Morabong im wahrsten Sinne des Wortes für neue Töne, in einem Land, dass sich im Umbruch und Wandel befindet. Die Olympischen Spiele finden im Gebirge Pyeongchang statt. Berge spielen eine wichtige Rolle in der koreanischen Mythologie, entstand doch das koreanische Volk einst am Berg Paektu. Gemeinsam können die koreanischen Spiele zwar keine Berge versetzen, doch dazu beitragen, dass sich die koreanischen Staaten wieder einander näher zu kommen, den Dialog aufzunehmen. Gemeinsame Gespräche zwischen Süden und Norden wurden bereits diskutiert.

In der südkoreanischen Nationalhymne Aegugka heißt es: „Unser Land mit seinen Flüssen und Bergen, auf denen die Sharonrose blüht, wollen wir Koreaner kommenden Koreanern weitergeben.“ Für die Zukunft wünsche ich mir, dass wir uns eines Tages ohne Krieg oder Atombomben wieder vereinen mögen. Aber bis dahin ist es ein weiter Weg“, schließt Soheui.

Dieser Weg wird schwierig, ist aber möglich. Wie heißt es in der inoffiziellen Nationalhymne, gleichsam beliebt in Nord wie in Süd in ganz Korea: „Ich überquere den Arirang-Pass Wer mich verlassen hat wird keine zehn Li gehen, bevor seine Füße schmerzen“

Schneller höher, stärker und vielleicht auch einiger könnte das Motto dieser Spiele lauten.

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Über den Autor

Stephan Raab

Stephan Raab interessiert sich für Warum und die Welt: Seit 2014 gehe ich für backview.eu scheinbar alltäglichen Dingen auf den Grund, betrachte warum manches so ist wie es ist. Wenn ich nicht gerade an einer neuen Idee für einen Artikel sitze, beschäftige ich mich gerne mit Fotographie oder Fremdsprachen oder widme mich meinen Politikstudium.

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