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Obama schlägt Osama

Kommentar: Der meistgesuchte Terrorist der Welt ist tot

„Heute ist ein guter Tag“ meint unser Außenminister. „Gerechtigkeit“ sei geschehen, erklärt der US-Präsident. Und Hunderttausende „Likes“ auf Facebook, wenn ich „Osama dead“ eingebe. Ich aber schlage die Hand vor mein Gesicht.

Natürlich – Osama bin Laden ist für Viele ein Symbol des Bösen, die Süddeutsche Zeitung vergleicht ihn mit einem Dämon. Gilt er doch als Drahtzieher für die Anschläge auf Bali, Madrid und New York. Doch auch er ist ein Mensch. Durch seine gezielte Tötung, genau das war der Grund des US-Angriffs, soll nun das Leben der abertausenden Amerikaner gesühnt sein, die 2001 bei 9/11 umkamen.

Begibt sich die US-Regierung damit nicht auf dieselbe Ebene wie er? Sind wir denn damit einen Deut besser als der berüchtigte Saudi, wenn wir uns für diesen Tod so sehr begeistern können? Genauso, wie die Bürger New Yorks letzte Nacht wegen seinem Tod jubelten, freuten sich doch in den vergangenen Jahren Terroristen aller Art, wenn wieder ein Bürger des Westens deren Anschläge zum Opfer fiel. Die Amerikaner haben dabei die „Stars and Stripes“ in der Hand, die islamischen Extremisten die Kalaschnikow.

Denken wir mal zurück. In den Geschichtsunterricht, oder, wenn noch möglich, fragen wir unsere Groß- und Urgroßeltern. Nach der Kapitulation Deutschlands planten Attlee – der Nachfolger von Churchill – Truman und Stalin 1945 den Prozess gegen die nationalsozialistischen Kriegsverbrecher. Uneinig waren sie. Der russische Despot plante einen Schauprozess, ein Exempel sollte mit Todesurteilen statuiert werden.
Die Regierungschefs von Großbritannien und der USA waren erst unsicher, sahen das dann anders – dieser Prozess sollte wegbereitend für die Zukunft sein. Vergehen jeglicher Art überprüfen und bestrafen, fair. Letztendlich führten diese Nürnberger Prozesse zum Internationalen Gerichtshof in Den Haag. Diese wahre Rechtsprechung war nicht nur Wegbereiter einer globalen Gerichtsbarkeit, nein, auch wurde eine Demütigung der Deutschen verhindert. Gewalt fordert immer Gegengewalt.

Neue Köpfe der al-Qaida werden kommen und sich wieder rächen. Die Botschaft, dass der Leichnam bin Ladens nach Überprüfung der DNS gemäß den muslimischen Sitten auf See bestattet wurde, erscheint da schon fast skurril. Immerhin gab Obama eine Reisewarnung aus.

Warum hat man den Kopf des Terrornetzwerkes nicht lebend gefangen genommen? Der Vorstoß auf sein Anwesen wurde so ausgeführt, dass Osama mittels eines Kopfschusses starb. Den Haag hätte auch hier die Chance der Untersuchung, Aufarbeitung und Bestrafung seiner Taten gegeben. Der Grund für die Exekution ist doch ein ganz anderer: Nächstes Jahr sind Präsidentschaftswahlen in den USA.

Doch im Land der unbegrenzten Möglichkeiten sieht es momentan gar nicht rosig aus. Rating-Agenturen, die zur Zeit immer dann in Erscheinung treten, wenn es einer Nation sowieso schon schlecht geht, drängen die Wirtschaft mit ihren Prognosen nur noch weiter an den Abgrund. Das geschah auch im April, als „Standard & Poor“ den Ausblick der Kreditwürdigkeit der USA auf negativ senkte – mit entsprechenden Auswirkungen auf die Börse.
Die Schulden der Vereinigten Staaten belaufen sich momentan auf 14,3 Billionen Dollar, davon gehören 1,3 Billionen Dollar China. Demnächst gehen auch noch die  langjährigen Arbeitnehmer der Baby-Boom-Generation (ab 1946) in Rente, die wesentliche Stütze für die Pensionskasse der USA fällt somit weg. Irgendwie musste Obama also punkten – dafür bietet sich die Außenpolitik doch perfekt an.

Doch ob sich das mit den christlich geprägten Moralvorstellungen unserer westlichen Gesellschaft deckt, mit denen ich und meine Eltern groß geworden sind, wage ich zu bezweifeln. Eine Woche nach Ostern und 65 Jahre nach Nürnberg zelebrieren Medien, Politiker und in die gesellschaftliche Sogwirkung geratene Amerikaner den unerwarteten, festgelegten Tod ihres langjährigen Feindbildes. Wenn das Roosevelt mitbekommen könnte, er würde sich im Grabe umdrehen.

(Text: Eric Elert)
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Eric Elert
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