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Obama, Kriege und Weltwirtschaftskrise

Der außenpolitische Jahresrückblick 2008

Finanzkrise, Wahlen, Piraterie und Naturkatastrophen – das Jahr 2008 hatte es in sich. Doch was ereignete sich außerdem in der Welt? back view durchleuchtet noch einmal die vergangenen zwölf Monate und stellt dabei die wichtigsten Weltgeschehnisse zusammen.

Januar
Bei Anbruch des Jahres ist die Welt immer noch traumatisiert ob der Ereignisse, die sich am 27. Dezember in Pakistan abspielten. Beim Bad in der Menge wird Präsidentschaftskandidatin und Hoffnungsträgerin Benazir Bhutto von der Bombe eines Selbstmordattentäters erfasst und kommt dabei ums Leben. Die Welt sieht den Demokratisierungsprozess in Gefahr und die Fortsetzung der diktatorischen Regierung Pervez Musharrafs‘ kommen. Doch nach der Aussetzung der Wahlen im Januar wird im Februar Bhutto’s Partei mit überwältigender Mehrheit gewählt und im August tritt auch Musharraf endgültig von der politischen Bühne ab.

Februar
Anfang des Monats läuten zunächst die Hochzeitsglocken. Nicolas Sarkozy, seines Zeichens Präsident von Frankreich, ehelicht das ehemalige Model und Sängerin Carla Bruni. Somit lassen sich Probleme des Paares in Hinblick auf offizielle Staatsbesuche vermeiden, wie etwa noch im Januar, als Sarkozy seine Lebensgefährtin zu Hause lassen musste, um einen Skandal in Indien zu vermeiden. Ende des Monats geht eine Legende nun auch offiziell in den Ruhestand. Fidel Castro, schon seit 2006 nicht mehr in die laufenden Regierungsgeschäfte verwickelt, übergibt am 24. Februar die Amtsgeschäfte an seinen jüngeren Bruder Raúl Castro, der an jenem Tag zum Präsidenten Kuba’s gewählt wird. Geändert hat sich dabei eigentlich nichts, zur Enttäuschung der Exil-Kubaner in Florida und wohl auch vielen Bewohnern Kubas, denn das marode Land zerfällt immer weiter.

März
Dieser Monat beginnt mit einem Regierungswechsel, obwohl Viele den eigentlichen Machtwechsel stark anzweifeln. Am 2. März wird Dmitri Medwedew zum Präsidenten Russlands gewählt und löst damit offiziell Vladimir Putin nach zwei Legislaturperioden ab. Im Anschluss wird die Amtszeit eines Präsidenten von vier auf sechs Jahre verlängert und vom Parlament durchgewunken. Dies gilt allerdings nicht mehr für Medwedew, sondern erst für seinen Nachfolger. Dass Medwedew noch während seiner Amtszeit abtreten wird, gilt bei Experten als sehr wahrscheinlich. Dann würde der Ministerpräsident automatisch die Regierungsgeschäfte bis zu den Neuwahlen übernehmen. Dessen Name ist, wie nicht anders zu Erwarten war, Vladimir Putin.

Am 10. März brechen zum tibetischen Nationalfeiertag Unruhen aus. Tibeter greifen chinesische Einrichtungen sowie Läden und Chinesen an, um die Weltaufmerksamkeit auf den Wunsch der Tibeter nach Unabhängigkeit zu lenken. Sie nehmen die Olympischen Spiele im August zum Anlass, welche dieses Mal in China stattfinden würden, da es als sicher gilt, dass die Medien deshalb genau auf die Finger der chinesischen Regierung blicken würden. Diese reagiert aber trotzdem mit aller Härte und schickt das Militär in die tibetische Region, um den Aufstand brutal niederzuschlagen, chinesische Opfer zu vergelten sowie tibetische Mönche wegzusperren und den 14. Dalai Lama als Urheber der Ausschreitungen verantwortlich zu machen.

April
Die Nahrungsmittelpreise steigen so dramatisch, dass es in Haiti zu Unruhen kommt. Infolgedessen tritt Haiti’s Regierung zurück. Menschen in Asien, Afrika und Lateinamerika können sich Grundnahrungsmittel wie Reis kaum mehr leisten. Die Regierungen und die Vereinten Nationen versagen bei beim Welt-Ernährungsgipfel im Juni in Rom konkrete und effektive Hilfeleistungen auf die Beine zu stellen, aufgrund von Differenzen bei anderen Themengebieten.

Nach dreieinhalb Monaten Verhandlung hat Kenia endlich wieder eine Regierung. Damit rückt auch der Erfolg von Friedensverhandlungen zwischen den Rivalen Raila Odinga und Mwai Kibaki näher, welche im Mai einen über zwei Jahre dauernden Konflikt im einst so beliebten Touristenland beendet. Die Situation eskaliert, als im Januar offensichtlich Wahlen gefälscht werden. Die Menschen gehen auf die Straße und es werden blutige Schlachten ausgetragen sowie Massaker verübt. Einige der Verantwortlichen sitzen heute in der Regierung, obwohl es einen ausführlichen Bericht von der Kenya National Commission on Human Rights gibt. Das öffentliche Interesse ist augenscheinlich zu gering. Bis heute werden sie nicht zur Verantwortung gezogen und es wird bezweifelt, dass sie jemals vor Gericht kommen.

Mai
Dramatisches spielt sich im Folgemonat ab. Am 2. Mai überschwemmt und zerstört der Zyklon Nargis weite Teile Burmas. Die Millionenstadt Rangun wird direkt getroffen. Die offizielle Zahl der Toten belaufe sich laut der burmesischen Regierung auf 84.000, jedoch wird von einer weitaus höheren Zahl ausgegangen, da viele Menschen mit den Schlammmassen einfach begraben werden. Hunderttausende sind obdachlos. Die Regierung lässt keine Hilfsorganisationen ins Land aufgrund der Befürchtung, mit der Hilfe kommt auch der Wandel. Die Helfer positionieren sich deshalb an den Grenzen des Landes. China darf Rettungspakete senden und kann so sein Image nach den Tibet-Unruhen aufpolieren. Nach langem Hin und Her wird endlich ein Visum für Mitarbeiter für Hilfsorganisationen eingeführt. Damit wird eine schon von der US-Regierung erwähnte Luftbrücke aber auch eine Invasion vermieden. Der Wiederaufbau wird jedoch Jahre andauern.

Nur Tage später, am 12. Mai, bebt in China die Erde. In der Region Sichuan sind gerade öffentliche Einrichtungen, wie Schulen, betroffen und fallen zusammen wie Kartenhäuser. Viele Kinder sterben, etwa 69.000 Tote sind es insgesamt. Die Regierung lässt ausländische Presse ins Land und ungehindert berichten, bis Kritik an der schlechten Bauweise laut wird. Chinas Plan, mitfühlende Emotionen für China in der Welt durch die Bilder der Opfer zu erwecken, ging daher nur für kurze Zeit auf. Die Freiheit der Presse wurde im Nu wieder eingeschränkt und es dringen kaum noch Informationen aus den betroffenen Gebieten hinaus. Wie es den Menschen dort heute geht ist unklar.

Juni
In Simbabwe geraten die Stichwahlen zur Farce. Als im März Robert Mugabe die erste Runde nicht eindeutig gewinnt mobilisiert er das Militär, die Polizei und Rebellen um die Bevölkerung einzuschüchtern und Oppositionelle zu ermorden oder wegzusperren. Die Gewalt ist so immens, dass Mugabes Herausforderer Morgan Tsvangirai aufgibt und sich von den Wahlen zurückzieht. Er hat die Hoffnung die Welle der Gewalt würde abflachen. Mugabe lässt die Wahlen nichtsdestotrotz durchführen und sieht sich deshalb als offizieller Sieger. Südafrikas damaliger Präsident Thabo Mbeki führt die wenig erfolgreichen Friedensverhandlungen zwischen den Rivalen und noch immer gibt es keine effektive Regierung. Ist die Lage nicht schon schlimm genug, halten außerdem Inflation und Cholera das Land in Atem.
Am 12. Juni stimmt das irische Volk über das Referendum zur EU-Verfassung ab und sagt, wie schon zu Erwarten ist, „Nein“. Dies stürzt die EU vorübergehend in eine Krise und man arbeitet fieberhaft an der Überarbeitung. Doch warum die Iren gegen die EU-Verfassung sind ist simpel. Zunächst sind sie unzufrieden mit ihrer eigenen Regierung und will dieser kein Denkmal setzen. Zum Anderen ist der Vertrag viel zu kompliziert, sodass die Bevölkerung irrwitzigen Gerüchten Glauben schenkt, die nur zur Abschreckung dienen.

Juli
Nach sechs Jahren wird die ehemalige kolumbianische Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt von als Rebellen verkleideten US-Soldaten aus den Händen ihre Kidnapper befreit. Außerdem wird nach gefühlten Ewigkeit endlich ein weiterer Verantwortlicher des Grauens des Krieges im ehemaligen Jugoslawien gefangen genommen und vor den Internationalen Gerichtshof gebracht. Vermutet wird allerdings, dass er ein Bauernopfer ist, damit der immer noch flüchtige ehemalige General Ratko Mladic weiterhin untertauchen könne, da nach all den Jahren das Netz der Helfer der Kriegsverbrecher immer dünner wird.

August
Am 08.08. um 8.08 Uhr beginnen die Olympischen Spiele in Beijing. Die Chinesen haben vor Allem ein Ziel: Dem Westen zeigen, dass China wieder da ist. Zu tief sitzt noch die Demütigung, als das Land der Mitte durch Opium abhängig und von England okkupiert wurde. Wem dieses nicht bereits klar ist, weiß spätestens bei der Eröffnungsfeier, dass das Land in der Liga der Global Players angekommen ist. Chinas Sportler gehören zu den Erfolgreichsten der Spiele. Die Kritik an ihrem Land lässt die meisten Chinesen kalt oder sie tun es als Manipulation der westlichen Medien und Regierungen ab.
Im Balkan eskaliert zeitgleich die Georgien-Krise, als das Militär in seine abtrünnige Provinz Südossetien einmarschiert und die Russen im Nu im Gegenzug zurückschlagen und sogar auf georgischem Boden stehen. Südossetien hat inzwischen seine Unabhängigkeit ausgerufen, dies wird allerdings einzig und allein von Russland anerkannt.

September & Oktober
Viele haben davor gewarnt, nun ist es passiert. In den USA kollabieren mehrere Banken, die Finanzkrise breitet sich schnell auf die ganze Welt aus. Um die Banken vor der Pleite zu bewahren, verstaatlichen Regierungen Banken oder pumpen Milliarden in die maroden Geldinstitute. Die Krise ist noch längst nicht überstanden – Es gilt abzuwarten. Am 11. Oktober stirbt der populäre österreichische Politiker Jörg Haider bei einem selbstverschuldeten Unfall mit seinem Auto.

November
Ein Ereignis, auf das die ganze Welt gewartet hat. Am 4. November wählen die US-Amerikaner einen neuen Präsidenten und vor Allem Europa atmet auf, als klar wird, dass Barack Obama eine stabile Mehrheit für sich gewinnen kann. Am 20. Januar wird Obama in das Weiße Haus einziehen und zum 44. Präsidenten vereidigt werden.
In Indien laufen Terroristen Amok auf den Straßen Mumbais, bis sie sich schließlich in einem Hotel verschanzen und Geiseln nehmen. Nach drei endlosen Tagen kann das Martyrium von der indischen Polizei beendet werden, 195 Menschen sterben, darunter neun der zehn Terroristen.
Im Kongo beginnen Rebellen eine Invasion und terrorisieren die eigene Bevölkerung, sodass diese ins Nachbarland flüchten müssen. Die nur spärlich bewaffneten und unerfahrenen UN-Soldaten können die Bevölkerung nicht schützen. Die Krise ist heute noch nicht beendet und es wird überlegt Truppen in das Land zu schicken, doch es gibt fast unüberwindbare Differenzen zwischen den verhandelnden westlichen Ländern.

Dezember
Kurz nach Weihnachten verliert Israel die Nerven und antwortet auf die vielen kleinen Angriffe seitens der Hamas in den vergangenen Tagen und reagiert ohne Erbarmen mit Bombardierungen auf den Gazastreifen. Premierminister Olmert spricht offen von Krieg. Die humanitäre Katastrophe im bombardierten Gebiet wird immer größer, die Menschen leiden. Doch es ist schwierig für die israelische Regierung zu entscheiden, ob sie mit Milde oder Härte reagieren soll. Ersteres kann als Schwäche, letzteres als unmenschliche Grausamkeit ausgelegt werden. Den Vorschlag eines 48-stündigen Waffenstillstandes, um Nahrungs- und Hilfsmittel in die Region zu bringen, lehnt Israel umgehend ab.

(Text: Sina Mühling)
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