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Nicht eine Tonne für alles

Kommentar zum einfachen Umweltschutz

„Die Welt verändern ist nicht schlecht, nur scheint so Vieles zu komplex. Niemand kommt komplett zurecht, man schafft es nicht mal, den Müll zu sortieren. Der private Scheiß hält auf… das Essen wird halt schlecht…“ Was Clueso in seinem Song „Wart mal“ beschreibt, geht gar nicht so sehr an der Realität vieler deutscher Haushalte vorbei.

Trotz immer größer werdendem „grünen“ Bewusstsein vieler, scheinen sich Mülltrennung und Anti-Wegwerf-Mentalität kaum verbessert zu haben. Denn die Schere der deutschen Haushalte wird größer. Nicht die viel diskutierte Schere zwischen Arm und Reich ist gemeint, sondern die zwischen Umweltbewussten und denjenigen, denen es egal ist. Die einen kaufen Bio, tanken Erdgas und rüsten ihre Häuser für erneuerbare Energien um, die anderen schaffen es „nicht mal, den Müll zu sortieren.“

Dabei kann man mit wenig Aufwand viel erreichen. Denn die Argumente, „grün“ sei immer kostspieliger, aufwendiger und zeitintensiver, stimmen zwar oft, aber nicht immer. So sind Energiesparlampen natürlich teurer als handelsübliche Glühbirnen. An gewissen Orten, wie zum Beispiel in Räumen, in denen das Licht, einmal angestellt, auch eine Weile genutzt wird, machen sie durchaus Sinn und helfen nicht zuletzt auch, die Stromrechnung zu minimieren.
Erinnerung an  einer Mülltonne
Das Thema Ökostrom ist ein leidiges und viel-diskutiertes Thema. Viele Nicht-Nutzer argumentieren mit den erhöhten Stromkosten. Aber Ökostrom muss gar nicht so viel teurer sein als „normaler“ Strom. Viele Anbieter haben Tarife entwickelt, die den Bezug von Ökostrom mittlerweile nicht mehr zu horrenden Preisen ermöglichen. Ein Vergleich lohnt sich also.

Ein einfaches Mittel im Alltag, das nur ein wenig Mitdenken erfordert, ist es, seine eigene Einkaufstasche zu verwenden, anstatt im Supermarkt jedes Mal eine Plastiktüte zu kaufen. Natürlich stoppt dies nicht die Produktion von Plastiktaschen und sorgt nicht dafür, dass die entsprechenden Fächer bei den großen Supermarktketten mit vier Buchstaben leer bleiben. Dennoch ist es ein kleiner Beitrag und könnte irgendwann die Produktionszahlen von Plastikbeuteln reduzieren.

Denn die Nachfrage bestimmt bekanntlich auch das Angebot. Für alle diejenigen, die direkt nach der Uni oder Arbeit einkaufen, und gerne vergessen, ein Transportutensil einzupacken, ist es ratenswert im Auto, am Fahrrad oder in Rucksack und Handtasche eine Tüte oder Tragetasche zu deponieren. Dann gilt auch die Ausrede, sie „vergessen zu haben“ nicht mehr.

Beim Einkauf muss es noch nicht einmal gesunde und Bio-Nahrung sein. Wenn beachtet wird, dass dort gekauft wird, wo man wohnt und nur so viel, wie man auch verzehrt. Wenn der Hunger beim Einkaufen wieder fast größer ist als der Einkaufswagen, sollte man trotzdem realistisch sein, was die Mengen betrifft. Nicht nur Aktionen wie „Mülltauchen“ oder Filme wie „Taste the waste“ zeigen, wie viel, von dem, was man im Kühlschrank deponiert aus Vergesslichkeit, vermeintlich abgelaufenem Verfallsdatum oder mangelnden Verwendungsmöglichkeiten im Müll landet und eigentlich noch essbar gewesen wäre.

Nach einem leckeren Essen, sollte man dann am Ende des Tages bedenken, beim Zähneputzen den Hahn zuzudrehen. Laut Schätzungen der Firma Siemens zum Weltwassertag könnten so insgesamt vier bis acht Liter Wasser pro Tag eingespart werden. Wenn man dann vorm Schlafengehen die Energiesparlampe im Schlafzimmer löscht, kann man mit einem ökologisch zufriedenen Lächeln ins Bett gehen. Denn man hat der Umwelt etwas Gutes getan und zudem Geld gespart. Und das mit vielen kleinen und einfachen Dingen – ohne teuren Einkauf vom Biomarkt, Solarzellen auf dem Dach oder ein Erdgasfahrzeug.

Mehr zum Titelthema „Weltverbesserer“ vom 16. Mai 2012
Ein Hommage an das Fahrrad
Wege aus dem deutschen politischen Chaos
Über die Grüne Gentechnik

(Text und Bild: Julia Radgen)
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Über den Autor

Julia Radgen
Ressortleiterin Gesellschaft

Julia Radgen lebt in Mainz und schreibt am liebsten über Kultur- und Gesellschaftsthemen - und interessante Menschen. Sie ist Social Media-süchtig und verzichtet nur freiwillig auf Internet und Handy, wenn sie zu einem Festival fährt. Wenn sie groß ist, will Julia mal Journalistin werden.

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