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Nervige Leute im deutschen Fernsehen

Vom Nicht-Wegschalten-Können

Ohne sie wĂ€ren die Sketch-Schreiber von Switch ohne Arbeit: Nervige TV-Leute. Sind sie doch oft ein perfektes Beispiel fĂŒr die Definition des Star- und Celebritytums: Sie sind berĂŒhmt, weil man ĂŒber sie redet. Nicht unbedingt, weil sie besondere FĂ€higkeiten besitzen.


Jeder kennt sie, jeder spricht ĂŒber sie, aber keiner kann sie so wirklich leiden. Das ist das Hauptmerkmal der Personen, um die es in diesem Artikel geht. OmniprĂ€sente Fernsehpersönlichkeiten, die die Öffentlichkeit in fanatische AnhĂ€nger und ablehnende Normalzuschauer spalten. So ist auch die Auswahl von Personen in diesem Artikel rein subjektiv und bringt hoffentlich keinen glĂŒhenden Fan dazu, mir hassschĂ€umende Nachrichten zu senden.

Deutschlands Vorzeigeblondine
Sei schlau, stell dich dumm. Das ist nicht nur der Titel der Autobiographie von Daniela Katzenberger, sondern scheinbar auch ihr Lebensmotto. Bedient sie doch bereitwillig jedes Vorurteil. Nicht nur in ihrem Aussehen mit den zu hoch tĂ€towierten Augenbrauen, der kĂŒnstlich vergrĂ¶ĂŸerten Oberweite, die kaum von ihren knappen Kleidern in Zaum gehalten wird, oder den wasserstoffblonden Haare.

Sie beginnt ihre Karriere bei der VOX-Sendung „Auf und Davon“ mit dem Versuch, sich eine Fotostrecke im amerikanischen Playboy zu ergattern. Schnell wird sie zum Liebling der Trash-TV Zuschauer und bekommt im September 2010 ihre eigene Sendung: „Daniela Katzenberger – natĂŒrlich blond“.

Ob auf der Suche nach ihrer neuen Busenfreundin wie einst Paris Hilton oder bei der Eröffnung ihres eigenen CafĂ©s auf Mallorca, freudig lĂ€sst sie jeden Moment ihres Lebens filmen. Katzenberger treibt in dieser Sendung gerne Andere an den Rand eines Nervenzusammenbruchs. So auch ihre Assistentin, die, anstatt die Eröffnung des ersten Ladens mit Artikel von und ĂŒber die Katzenberger vorbereiten zu können, erst einmal Danielas BrĂŒste eingipsen muss.

Stefan Raab – der Kasper der Nation
Seit 1991 beglĂŒckt beziehungsweise quĂ€lt uns Stefan Raab – erst alle sieben Tage, seit 2001 sogar vier Mal wöchentlich – mit amĂŒsanten Ausschnitten aus der deutschen TV-Landschaft, musikalischen GĂ€sten und Interviews. Auf welche er aber nur selten vorbereitet ist.

So kann es schon mal zu sekundenlangen Wortfindungsschwierigkeiten kommen, die bei den Zuschauern gewaltiges FremdschĂ€men verursachen. Seine Witze und Kommentare zu Fernsehausschnitten – sei es aus der letzten Folge von „Schwiegertochter gesucht“ oder einer Fußballkonferenz – gehen oftmals unter die GĂŒrtellinie.

So feuert Raab schon seit 2002 regelmĂ€ĂŸig Angriffe auf Uschi Glas ab. Und das nicht nur in seiner eigenen Sendung. Seine Rede zum Gewinn des Entertainment-Bambi beendete er mit den Worten: „Ich möchte mich heute Abend mal bei einer Frau bedanken, ohne die ich nicht hier oben stĂŒnde. Bei Uschi Glas … danke Mama!“

Viele GĂ€ste, darunter natĂŒrlich Uschi Glas und ihr Ehemann, hatten allerdings nichts fĂŒr diesen verbalen Seitenhieb ĂŒbrig. So kommentiert der Focus-Chef Helmut Markwort das Geschehen: „Ich fand das primitiv, aber Raab ist halt ein Unterschichten-Komiker.“

Trotz allem muss man ihm aber zu Gute halten, dass er kein Problem damit hat sich selbst zum Objekt des AmĂŒsements zu machen. So zeigte er beispielsweise in seiner Reihe „Raab in Gefahr“ bereitwillig, wie er seine Fassung und die Macht ĂŒber seine Gesichtsmuskeln bei diversen Kunstflugmanövern verlor.

Die Model-Mutter

Als sich Heidi Klum und ihre Switch-Nachahmerin Martina Hill 2010 in „Wetten Dass“ treffen, erwartet man bei der doppelten Menge an Piepsstimmen sofort Glas bersten zu sehen. Im Gegensatz zu den Gewinnern ihrer amerikanischen Sendung „Project Runway“, können die meisten Models, die an ihrer Show „Germany’s Next Topmodel“ teilnehmen, keinen großen internationalen Erfolg vorweisen.

Auch wĂŒrde Karl Lagerfeld dem Titel der Sendung vehement widersprechen, er selbst bezeichnete Heidi als „Werbegirl“. Berechtigter Weise, lief sie doch selbst nie auf den Laufstegen der ModehauptstĂ€dten dieser Welt – wie Mailand, New York oder London.
Doch seit nun mehr sieben Staffeln gibt sie die Suche nicht auf. Und erntet Kritik, nicht nur weil die gezeigten Schönheitsideale junge, mit ihrem Aussehen hadernde MĂ€dchen in die Magersucht treiben könnten. Auch wegen ihres Umgangs mit den Kandidatinnen wurde sie 2009 von der Zeitschrift „Emma“ mit dem Titel „Pascha des Monats“ ‚belohnt‘.

Diese „entschlossene Mischung aus RĂŒhrseligkeit und Sadismus“ sehen die Schreiber der FAZ auch in ihrer neuen Sendung „Seriously Funny Kids“. Und wer einen Twitter-Account besitzt oder regelmĂ€ĂŸig TAFF auf Pro7 sieht, kommt auch an der exzessiven Demonstration ihrer Privatlebens in der Öffentlichkeit nicht vorbei.

Doch obwohl uns diese – und diverse andere Prominente – tĂ€glich nerven, schaffen wir es nur selten, wegzuschalten. Sind sie doch auch immer ein perfektes GesprĂ€chsthema unter Freunden und Bekannten. Wahrscheinlich sollte man ihre Auftritte einfach nicht mit voller Ernsthaftigkeit, sondern mit einem Schuss Ironie betrachten.

(Text: Franziska Mayer)
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