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Nelson Mandela & das Ende der Apartheid

Über die Rassentrennung in Südafrika

Anfang des 20. Jahrhunderts begann in Südafrika eine Zeit der Rassentrennung, die ihresgleichen suchte. Viele wissen nicht, dass in Südafrika noch vor einem Jahrzehnt Gesetze galten, die heute im Land undenkbar sind. Der Begriff „Apartheid“ beschreibt vor allem die Zeit von 1948 bis 1994.


Bis Anfang der 1990er Jahre wurde die in Südafrika bereits vorherrschende Rassentrennung durch eine Vielzahl von neuen Gesetzen weiter verstärkt. Kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erlangte so die Purified National Party, die sich einst von der United Party abgespalten hatte, unter Ministerpräsident Malan Regierungsgewalt.

1949 verordnete die Regierung strenge Gesetze: Sexuelle Beziehungen zwischen Schwarzen und Weißen standen unter Strafe. Ebenso Ehen zwischen Afrikanern und Asiaten. Öffentliche Plätze wurden getrennt und bereits 1950 separate Wohnviertel für die schwarze und weiße Bevölkerung eingeführt. Während die Gebiete der weißen Bevölkerung in den gut ausgebauten Innenstädten lagen, wurden die schwarzen Bürger in die Randbezirke verdrängt, in einfache Viertel ohne jegliche Infrastruktur und den kleinsten Komfort. Schwarze wurden in den Vierteln der Weißen nur geduldet, wenn sie dort arbeiteten.

Die Bildung der Bevölkerung wurde ebenfalls streng reglementiert. Schwarzen und Farbigen war eine höhere Schulbildung verwehrt. Sie wurden ausschließlich zu körperlicher Arbeit ausgebildet und die qualifizierteren Berufe waren den Weißen vorbehalten. Das Gesetz wurde nach langen Protesten jedoch wieder zurückgenommen.
Dies änderte jedoch nichts daran, dass es weiterhin getrennte Schulen mit unterschiedlich qualifizierten Lehrern und qualitativ stark unterschiedlichen Materialien gab. Jedoch nicht nur in den Schulen, auch in öffentlichen Einrichtungen wie Banken, Postämtern, Krankenhäusern, Restaurants, an Stränden und dergleichen wurde streng getrennt.

Damit die Schwarzen untereinander nicht in Berührung kamen, denn es gab zu dieser Zeit zehn unterschiedliche Gruppen, wurden so genannte „Homelands“ eingerichtet. Diese wurden jedoch, wie die gesamte Apartheid, in der internationalen Gemeinschaft sehr stark geächtet.
Die Situation wurde zusehends verschärft, als Südafrika 1961 aus dem Commonwealth austrat und die Partei APC verbot, in der auch Nelson Mandela bis zur seiner Verhaftung 1962 aktiv gewesen war. Es galt bereits als schweres Verbrechen, sich verbal gegen die Regierung zu äußern. Aus dem ideologischen Kampf drohte ein bewaffneter zu werden und es kam immer öfter zu Übergriffen gegen Schwarze und zu Aufständen in den Vororten.

Der internationale Druck auf die Regierung in Südafrika nahm zu und 1973 wurde die Apartheid sogar auf einer UN-Vollversammlung als Verbrechen gegen die Menschlichkeit geächtet. Der internationale und nationale Protest sowie der enorme Verwaltungsaufwand sorgten schließlich dafür, dass sich die Regierung den Vorstellungen der schwarzen Bevölkerung annähern musste.

So durften diese Anfang der 1980er Jahre erstmals wieder Häuser erwerben. Die großen Nationen behielten ihre Sanktionen jedoch bei. Tatsächlich war auch das politische Wirken der schwarzen Bevölkerung sehr beschränkt. Zwar wurden erstmals auch Schwarze und Asiaten in der Regierung zugelassen, jedoch war ihr Einfluss sehr klein, ihre politischen Führer weiterhin im Gefängnis und sie wurden nicht selten ermordet. In Südafrika hatte man erkannt, dass man auf die billigen Arbeitskräfte aus den schwarzen Vierteln angewiesen war, um den gewohnten Profit beizubehalten.

Ende 1989 trat Frederik William de Klerk die Nachfolge von Pieter Willem Botha an und nahm Verhandlungen mit dem noch immer inhaftierten ANC-Führer Nelson Mandela auf. Mandela wurde die Freilassung zugesagt, sollte er in Zukunft unter anderem auf bewaffneten Widerstand verzichten, worauf Nelson Mandela jedoch nicht einging. 1990 ließ de Klerk Mandela und andere politische Gefangene aufgrund des steigenden Drucks frei und legalisierte die zuvor verbotenen Wiederstandparteien ANC und PAC.

Der stetige Widerstand der Weißen, der internationale Druck, die schlechte wirtschaftliche Lage Südafrikas und das Verhandlungsgeschick Nelson Mandelas brachten die Apartheids-Gesetze zunehmend ins Wanken. In einem Referendum im März 1992 sprachen sich schließlich 68,7 Prozent der Weißen für die Abschaffung der Rassentrennung aus.

De Klerk hob daraufhin die Gesetze auf, die zuvor der Grundpfeiler der Rassentrennung gewesen waren. Einzig die Homelands blieben. In den Jahren 1991 bis 1994 vollzog Südafrika den endgültigen Übergang von der Rassentrennung hin zu einem Rechtsstaat. Alle Menschen in Südafrika konnten sich nun frei und unbeschränkt bewegen.
Es kam jedoch weiterhin zu blutigen Unruhen und Streitigkeiten um Land. Schwarze, die während der Apartheid in Außenbezirke ziehen musste, forderten ihr Land zurück. Die nun dort ansässige Bevölkerung wollte das Land jedoch oft nicht hergeben und es kam zu heftigen Auseinandersetzungen.

Durch die unklare politische Situation wurde Südafrika in eine schwere wirtschaftliche Krise gestürzt, Staatsbetriebe wurden privatisiert und Arbeiter entlassen. Dies führte erneut zu Unzufriedenheit, vor allem in der schwarzen Bevölkerung.
In Anlehnung an die südafrikanische Rassentrennung wird heute systematische Rassenbenachteiligung als Apartheid bezeichnet. Für ihren Einsatz gegen die Apartheid erhielten de Klerk und Mandela 1993 den Friedensnobelpreis.

(Text: Simon Zöllner)
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Über den Autor

Simon Zöllner
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