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„Natürlich zahl´ ich“

Kommentar: Warum unsere Gesellschaft die Rundfunkgebühren braucht

Die „GEZ-Gebühr“ wird von vielen gehasst und verurteilt. Sie ist jedoch notwendig, um einen Grundpfeiler der Demokratie zu sichern: Ein zugängliches Angebot an Bildungs- und Informationssendungen – ohne Quotendruck.

Nur die wenigsten zahlen gerne Rundfunkgebühren. Anders als Steuern werden sie nicht einfach vom Gehalt abgezogen, sondern müssen gesondert überwiesen werden. Für einen Fernseher, ein Radio und ein sogenanntes neuartiges Rundfunkgerät sind das im Monat immerhin 17,98 Euro. Aufs Jahr gerechnet ergibt das 215,76 Euro, ein Betrag der beim Überweisen an die Gebühreneinzugszentrale (GEZ) bei vielen einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt. Vor allem auch deshalb, weil man immer wieder „Schwarzhörer“ trifft, die sich beziehungsweise ihr Gerät nicht angemeldet haben. Das liegt daran, dass viele den Sinn und die Notwendigkeit der Rundfunkgebühren nicht kennen oder akzeptieren.

Grundpfeiler der Demokratie
Die Rundfunkgebühren sind in Wahrheit ein wichtiger Grundpfeiler der Demokratie, wie wir sie im Westen Europas kennen. Theoretisch zahlen (fast) alle Bürger diese Gebühr, um das öffentlich-rechtliche Rundfunksystem zu finanzieren. Dieses hat den Auftrag, jedem ein Angebot an Informations-, Bildungs- und Unterhaltungssendungen zugänglich zu machen. Und das unabhängig vom Quotendruck.

Anders als die privaten Sender müssen ARD und Co. sich keine Gedanken darüber machen, wie beliebt die Sendungen bei den Zuschauern sind. Es geht vor allem um eine Vollversorgung an Information. Nicht nur „Interessantes“ oder „Unterhaltendes“, wie „Deutschland sucht den Superstar“, sondern vor allem Relevantes wird gezeigt. Alle Informationen sollen zu den Bürgern gelangen, damit sie sich umfassend informieren können.

Neuartige Rundfunkgeräte
Besonders die Gebühren für die sogenannten neuartigen Rundfunkgeräte, wie internetfähige Computer und Mobiltelefone, stehen stark in der Kritik. Doch auch hier ist der Sinn der Zahlungen durchaus verständlich. Im Internet kann jeder alles publizieren. Dadurch gibt es eine Vielfalt an Informationen, wie es sie nie zuvor gab. Doch das Ganze bringt auch Probleme mit sich. Wer kann noch entscheiden, welche Informationen richtig und welche verfälscht sind?
Um eine Demokratie zu unterstützen und zu fördern muss es verlässliche Quellen geben, die auch unabhängig vom Wettbewerbsdruck arbeiten. Das gilt auch für das Internet.

Gesellschaftliche Verpflichtung
Das Zahlen der Rundfunkgebühren ist eine gesellschaftliche Pflicht. Und anders, als in vielen Köpfen verankert, bekommt die Gesellschaft auch etwas dafür zurück. Verlässliche Informationen kosten nun einmal Geld. Das ist etwas, was besonders durch das Internet vollkommen in Vergessenheit geraten ist. Wie viele recherchieren zunächst bei Online-Enzyklopädien nach, ohne zu bedenken, dass dort auch Nicht-Profis falsche Informationen eintragen können. Natürlich wird es inzwischen besser überwacht, aber ein Problem bleibt es dennoch. Im Internet kann alles stehen und schnell bringt das Verunsicherung mit sich.

Ist die Gesellschaft nicht bereit etwas dafür zu geben, um ein bisschen mehr Sicherheit zu haben? Eine Vollversorgung an Informationen ohne blinde Flecke – weil diese Informationen scheinbar weniger interessant sind – ist doch wünschenswert. Und wenn wir alle etwas dazu beitragen können, diesen Weg zu ebnen, dann sollten wir es auch tun. Nach dem Motto: „Natürlich zahl´ ich“, dem GEZ-Werbeslogan seit 2006.

Hinweis aus der Redaktion: Dieser Artikel spiegelt nicht zwangsläufig die Meinung der Autorin wieder.

(Text: Regina G. Gruse)
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