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München, Annecy oder Pyeongchang?

Ein Kandidatencheck für Olympia 2018
Drei Städte – aber nur eine wird vom 9. bis 25. Februar 2018 die XXIII. Olympischen Winterspiele austragen können. Das deutsche München, das französische Annecy und das südkoreanische Pyeongchang haben sich für die Spiele beworben und werden offiziell als Kandidaten gehandelt.

Am 6. Juli wird auf einer IOC-Konferenz in Durban (Südafrika) über die Vergabe der Olympischen Winterspiele entschieden – und bis dahin üben sich die drei übriggebliebenen Kandidaten vor allem in einem: Für sich selbst zu werben. Dabei haben alle drei Städte mit Problemen zu kämpfen, weshalb es keinen klaren Favoriten gibt. Dennoch gibt es einen Außenseiter. Hier die Kandidaten im Überblick:ANNENCY

Lage:
Die französische Kleinstadt Annecy liegt in der Region Rhône-Alpes in Ostfrankreich am Rande des Sees Lac d’ Annecy. Annecy zählt nur knapp 50.000 Einwohner und ist ein Kurort. Tourismus spielt folglich eine große Rolle. Die sportlichen Highlights sind eher begrenzt – eine Etappe bei der Tour de France ist das einzige nennenswerte Event.
Olympia-Erfahrung:
Zunächst wollte Annecy schon für die Olympischen Winterspiele 2014 kandidieren, die nun in Sotschi/ Russland ausgetragen werden. Die Idee für die Bewerbung wurde damals verworfen.
Probleme:
Annecy gilt als Chaos-Kandidat, denn die Stadt kämpft mit akuten Finanzproblemen. Von 14 Millionen Euro, die Annecy nach eigenen Angaben für die Kampagne benötigt hätten, wurden nur zwei Millionen Euro genehmigt. Deshab trat der zuständige Organisator nur einen Monat vor Abgabe der Bewerbungsunterlagen zurück. Kurz spielte man in Frankreich mit dem Gedanken, die Bewerbung ganz zu verwerfen, aber das Projekt war bis dahin schon zu teuer. Dabei käme auf die Organisatoren bei einem Zuschlag einiges an Ausgaben zu, denn die Region ist noch nicht olympiatauglich. Sämtliche Sportstätten müssten  also neu errichtet oder umgebaut werden und die Infraktur reicht noch lange nicht aus. Zudem richtete Frankreich in Albertville erst 1992 Olympische Winterspiele aus – ein Nachteil im Gegensatz zu Südkorea (noch keine Winterspiele) und Deutschland (einzige und letzte Winterspiele 1936). Nicht einmal ein Sportler wirbt für die Spiele – es ist ein Unternehmer.
Vorteile: Keine
Chancen: zwei Prozent.

MÜNCHEN

Lage:
Die bayerische Landeshauptstadt liegt im Süden Deutschlands. Skisprung- und Langlauf-Wettbewerbe sollen im etwa 100 Kilometer entfernten Garmisch-Partenkirchen an der deutsch-österreichen Grenze ausgetragen werden. München als Großstadt und Garmisch-Partenkirchen als Kurort mit seinen rund 25.000 Einwohnern stehen sich gegenüber. Außerdem gehört Königsee zu den Veranstaltungsorten, das schon erfahren ist, was die Ausrichtung von einer Großereignissen angeht, denn dort fand die Bob-Weltmeisterschaft 2011 statt.
Olympia-Erfahrung:
München kann auf die Erfahrung der Sommerspiele 1972 setzen, Garmisch-Partenkirchen auf die Erfahrung der Winterspiele 1936. Bekäme München den Zuschlag, wäre es die erste Stadt, in der sowohl Sommer- als auch Winterspiele stattfanden.
Probleme:
Mit rund drei Milliarden Euro rechnen die Organisatoren für die Ausrichtung in Deutschland. Laut Konzept wären die Kosten aber gedeckt. Das größte Problem in der Münchner Bewerbung (und ein großer Nachteil gegenüber Pyeongchang): Die Bevölkerung steht nicht einstimmig hinter dem Projekt. Zwar befürworten etwa drei Viertel der Deutschen die Olympia-Bewerbung, aber in Garmisch-Partenkirchen hat sich bereits im vergangenen Jahr Widerstand formiert. Rund 60 Bauern, die Land für die Umbauarbeiden im Wintersportpark abgeben müssten, verweigerten eben jenes. Die Bauern besitzen Land an der Stelle, an der die Kandahar-Abfahrt stattfinden soll. Das Konzept sieht vor, dass die Kandahar-Abfahrt geändert wird, sollten die Bauern sich nicht umentscheiden. In Garmisch-Partenkirchen steht noch ein Bürgerentscheid aus, der am 8. Mai stattfindet. Etwas mehr als 20.000 Einwohner dürfen ihre Stimme abgeben. Wer mehr als 20 Prozent erreicht, geht als Sieger hervor. Erreichen beide Seiten mehr als 20 Prozent, gibt es eine Stichwahl. Schon jetzt zeichnet sich, durch Briefwahl, eine hohe Wahlbeteiligung ab.
Vorteile:
Beide Städte verfügen über moderne Sportanlagen und eine hervorragende Infrastruktur. Es müsste nicht so viel Geld investiert werden, wie beispielsweise in Annecy. In beiden Städten liebt man den Wintersport und die heimischen Sportler, was für eine gute Stimmung vor Ort sorgen würde. Die Finanzen sind geregelt, rund 50 Prozent des Sponsorings würde Deutschland übernehmen. Außerdem steht mit Kati Witt eine der erfolgreichsten und beliebtesten Wintersportlerinnen für die Bewerbung. Dennoch: Pyeongchang kann all das auch.
Chancen: 38 Prozent.

PYEONGCHANG

Lage:
Pyeongchang liegt im Nordosten von Südkorea, etwa 180 Kilometer von der südkoreanischen Hauptstadt Seoul entfernt, am Taebaek-Gebirge. Pyeongchang liegt etwa 700 Meter hoch.
Olympia-Erfahrung:
Pyeongchang hat sich bereits für die Olympischen Winterspiele 2010 und 2014 beworben. 2010 bekam Kanada mit Vancouver den Zuschlag, 2014 Russland mit Sotschi. In beiden Bewerbungsphasen scheiterte Pyeongchang nur knapp.
Probleme:
Gegen die beiden Mitkonkurrenten wirken die Probleme, die die Bewerbung Pyeongchangs aufweist, als poppelig. So richtete Seoul zwar erst 1998 Olympische Sommerspiele aus, dafür wäre Südkorea nach Japan aber auch erst das zweite asiatische Land, das die Winterspiele austrägt. Negativ könnten sich die schwierige politische Lage zu Nordkorea und die Zeitverschiebung zu Europa und der USA auswirken.
Vorteile:
Mit der nunmehr dritten Bewerbung für Olympische Winterspiele ist das Bewerbungsteam höchst professionell und erfahren. Die Finanzen sind längst geklärt und auch, wenn viele Sportstätten neu errichtet werden müssten, ist alles genau geplant. Laut der südkoreanischen Organisatoren sind die ersten Skisprungschanzen, der Biathlon-Kurs und das Langlauf-Stadion bereits im Bau. 500 Millionen Euro sollen für die Spiele locker gemacht werden. Pyeongchang setzt auf kurze Wege, alle Stätten sollen innerhalb von 30 Minuten erreichbar sein. Beinahe die komplette Bevölkerung, die vor allem Eisschnellauf, Curling, Eiskunstlauf und Skispringen mag, unterstützt das Vorhaben Olympia. Zudem gilt Pyeongchang als junge, moderne südkoreanische Stadt mit einem tollen Image. Es ist die beliebteste Wintersportregion im Land, denn es gibt quasi eine Schneegarantie – was ein weiterer Pluspunkt ist. Pyeongchang wäre jetzt einfach dran!
Chancen: 60 Prozent.

(Text: Miriam Keilbach)



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Über den Autor

Konrad Welzel
Gründer und Chefredakteur von back view

Konrad hat back view am 06. April 2007 gegründet - damals noch in diesem sozialen Netzwerk StudiVZ. Mittlerweile tobt sich Konrad ganz gerne im Bereich Social Media aus und versteht Menschen ohne ein Facebook-Profil nicht - dafür ist er viel zu neugierig!!!

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